Etosha Nationalpark – ein tierreiches Erlebnis

Tag 8: Aufbruch im Delta und Bushman-Tänze

Ein kleines Krokodil sonnt sich

Ein kleines Krokodil sonnt sich

Die Nacht im Okavango-Delta verlief relativ ruhig. Am nächsten Morgen stehen wir wieder früh auf. Alle Zelte stehen noch und keiner wurde von einem Löwen verspeist.

Die Feuerstelle wird feinsäuberlich entfernt und jegliche Glut vergraben (der Busch ist sehr trocken) bevor wir nach dem Frühstück das Equipment zurück in die Mokoros tragen: Zelte, Töpfe, Kühlboxen, Stühle – ein halber Hausstand. Wir tuckern gemütlich zurück und entdecken auf der Rückfahrt ein kleines Krokodil, das sich auf einem Baumstamm ausruht.

Zurück im Camp müssen wir nochmal alles umladen und dann steigen wir wieder in den Truck. Auf dem Weg zum Etosha Nationalpark haben wir heute eine ca. 300km lange Strecke vor uns. Wir werden in einem kleinen afrikanisches Dorf übernachten und am nächsten Tag weiter fahren. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle und wir kommen am frühen Nachmittag im Dorf an. Wir haben die Möglichkeit uns für die Nacht in einer Dorfhütte abzugraden, aber bei näherer Betrachtung der Hütten bleiben wir lieber im Zelt. Da es im Delta doch recht staubig war, entscheiden wir uns für eine Dusche – die aber leider nur 20 Sekunden funktioniert und uns eingeschäumt im Stich lässt. Die Pumpe hätte vorher eingeschaltet werden müssen. Zum Glück können wir uns mit einem Waschbecken und einem Eimer aushelfen. Nachdem wir uns selbst gewaschen haben, waschen wir auch noch einige dreckige Klamotten und lüften unsere Schlafsäcke. Frisch gewaschen fühlen wir uns wieder richtig gut.

Zum Abendessen gibt es heute  Steak mit Pommes und Salat und wir sind beeindruckt, wie Liz es schafft, ein solches Gericht für 24 Personen auf nur einem kleinen Gasherd zu zaubern. Auf Empfehlung von Rob (unserem Fahrer) gehen wir nach dem Essen zu einem „Bush-Dance“.

Generationsübergreifender Heiltanz der Bushman

Generationsübergreifender Heiltanz der Bushman

Wir erfahren, dass die Ur-Einwohner des Camps wahre Meister des Fährtenlesens waren und die Naturheilkunde des Busches perfekt beherrschen. Noch bis vor 15 Jahren haben die Bewohner völlig außerhalb der westlichen Zivilisation gelebt. Mittlerweile stirbt die Tradition leider langsam aus, aber durch die Aufführungen vor Touristen wird der  Stamm finanziell unterstützt und einige junge Buschmänner werden zur Erhaltung der Tradition durch die Alten gelehrt. Es gibt einige heil- und einige traditionelle Tänze sowie eine Szene, in der der Kampf gegen eine Schlange dargestellt wird. Besonders unterhaltsam ist ein etwa 2-jähriges afrikanisches Kind, dass die komplette Vorstellung mittanzt und die Bewegungen und den Rhythmus versucht nachzuahmen. Das Kind fällt oft hin, rappelt sich aber immer wieder auf. Die anderen Buschmänner passen ein wenig auf das Kind auf, integrieren es aber schön in den Tanz. Die Dorfältesten sitzen derweil am Feuer und klatschen den Rhythmus der Lieder. Eine schöne generationsübergreifende Zeremonie. Wie jeden Tag geht es dann wieder früh ins Bett.

Tag 9: Technische Probleme und Ankunft in Windhoek

Am nächsten Morgen wartet leider eine böse Überraschung auf uns. Nachdem wir noch problemlos einige Fotos vom Camp gemacht haben, versagt auf einmal ohne merklichen Grund unsere Digitalkamera. Zunächst fokussiert sie nicht mehr, dann fährt das Objektiv nicht mehr ein. So ein Mist! Damit verlieren wir natürlich eines unserer wichtigsten Reiseutensilien und das kurz vor dem tierreichen Etosha Nationalpark. Hoffentlich lässt lässt sich die Kamera in der nächsten großen Stadt reinigen/reparieren.

Die Fahrt nach Windhoek dauert sehr lange und wir fahren über 500km. Wir überqueren dabei die Grenze zu Namibia, was sehr schnell und ohne Probleme klappt. Ich nutze die Zeit um unseren nächsten Beitrag zu schreiben.

Mit Laptop im ruckeligen Bus - aber es klappt!

Mit Laptop im ruckeligen Bus – aber es klappt!

Wir freuen uns auf Windhoek. Um 1890 lebten hier viele Deutsche, was sich bis heute nicht geändert hat. Straßennamen, Straßenschilder und Werbeschilder sind in Deutsch, selbst einige Menükarten und deren Gerichte. Es gibt von Eisbein und Sauerkraut bis zu Butterspätzle viele leckere deutsche Gerichte. Es ist schön so viel deutsche Kultur wieder um sich zu haben. Ausnahmsweise schlafen wir heute mal in einem Hotel mit eigenem Bad und Bett – Luxus pur. Am Abend gehen wir dann alle gemeinsam in „Joe’s Beerhouse“, was sich in Windhoek einen großen Namen gemacht hat – und seinem Ruf alle Ehren macht. Wir beschließen, typisch afrikanische Spezialitäten zu verspeisen, während von anderen Eisbein und Sauerkraut bestellt wird. Ich bestelle mir ein „Bushman Meal“: Eine gemischte Fleischplatte mit Krokodil, Strauß, Zebra, Kudu und Antilope. Es schmeckt köstlich, auch wenn ich schnell den Überblick verliere, welches Stück Fleisch mal welches Tier war. Dazu bestellen wir einen Meter Bier (13x 340ml) für unseren Tisch- dummerweise hat unser Guide Rob zur selben Zeit auch eine Meter Bier bestellt. Wir trinken also fleißig den Abend über und genießen den letzten Abend mit Chantelle, Katie und Karina, die uns in Windhoek verlassen werden. „If you read this Chanti, Katie and Karina: We had so much fun together. We wish you the very best and hope to see you one day again!“ Am nächsten Morgen geht die Tour direkt weiter. Das nächste Ziel ist Waterberg.

Tag 10: Wanderung in die Berge

Auf dem Weg in den Ethosha National Park machen wir noch einen weiteren Zwischenstopp am Waterberg. Ein gigantischer flacher Berg, der in der Sonne traumhaft rot und orange schimmert. Unser erster Stopp ist aber zunächst noch ein afrikanischer Handcraft-Markt, auf dem wir ein paar kleine Souvenirs kaufen.

Eine riesige Auswahl Biltong (Trockenfleisch)

Eine riesige Auswahl Biltong (Trockenfleisch)

Es ist nicht ganz leicht, sich zwischen den ganzen Ständen zu Recht zu finden, da im Grunde alle das gleiche anbieten. Mir gefällt ein holzgeschnitztes Nashorn, das ca. 70cm lang ist und etwa 100kg wiegt – leider jedoch etwas zu unhandlich für unser Handgepäck. Wir entscheiden uns stattdessen für etwas Handliches – einem Flaschenöffner aus Warzenschweinhorn – und feilschen mit den Verkäufern, die uns versprechen, dass sie uns einen „special sunday price“ machen.

Scheinbar haben wir unseren Job ganz gut gemacht, denn einige aus unserer Gruppe haben mehr als das doppelte dafür gezahlt. Danach kaufen wir uns noch ein bisschen „Biltong“. Getrocknetes Fleisch von verschiedenen Tieren. Diesmal entscheiden wir uns für Kudu (Antilope).

Nach einiger längeren Fahrt kommen wir am Nachmittag am Waterberg an. Die Kulisse ist schon von unten beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, als wir nach dem Lunch den Berg besteigen und eine grandiose Aussicht genießen können.

An der Kuppe der Waterberge

An der Kuppe der Waterberge

Wir sind wesentlich schneller oben als Liz uns prophezeit hat, der Anstieg ist aber durchaus anspruchsvoll. Wir gönnen uns ein paar Drinks (ich habe mir ein Bier mit nach oben genommen) und machen Fotos. Auf dem Rückweg sehen wir dann wieder einige Tiere, die wir auf Anhieb nicht beim Namen nennen können. Nach der insgesamt 2,5-stündigen Wanderung gönnen wir uns noch eine kurze Abkühlung im Pool und dann entspannen wir wieder am Lagerfeuer.

Tag 11: Ankunft im Etosha Nationalpark

Eine lange Fahrtstrecke steht uns bevor, aber wir freuen uns schon auf das Ziel – den Etosha Nationalpark. Die Bedingungen ist äußerst gut: Die Landschaft ist sehr trocken, so dass sich die Tiere alle um die zahlreichen Wasserlöcher versammeln.

Zebras und Elefanten

Zebras und Elefanten am Wasserloch

Die ersten Zebras, Giraffen und Gnus begrüßen uns direkt nach dem eintreten in den Park. Liz hatte uns schon vorgewarnt: „We won’t stop for every giraffe or zebra. You will see lot’s of them“ und damit hat sie absolut recht. Der Park ist sehr belebt und wir sehen die Tiere von nah und fern. Nachdem wir im Camp angekommen sind, bauen wir unsere Zelte auf. Am späten Nachmittag geht es nochmal raus und wir fahren einige Wasserlöcher ab. Wir sehen riesige Elefantenherden, einen einzelnen männlichen Löwen, eine Hyäne, Gnus, Antilopen, Schakale und vieles mehr.

Eine Giraffe beim Trinken

Eine Giraffe beim Trinken

Besonders gut gefallen mir die Giraffen, die sich um ans Wasser zu kommen mit ihrem langen Hals stark verrenken müssen. Leider können wir aufgrund unserer kaputten Kamera nicht alle Fotos selber machen, aber Jon hat ein riesiges Objektiv dabei und wir werden die Bilder später tauschen. Unsere Outdoorkamera hat kein optisches Zoom, macht aber immerhin schöne Nahaufnahmen und Panorama-Bilder. Unterwasser wird sie uns noch treue Dienste erweisen.

Tag 12: Durch die Wüste und Nashörner am Wasserloch

Die Fahrt zu unserem zweiten Camp im Etosha Nationalpark ist wie erwartet wieder sehr tierreich.

Löwen liegen im Schatten und warten auf Beute - wir bleiben lieber im Truck

Löwen liegen im Schatten und warten auf Beute – wir bleiben lieber im Truck

Da aber alle schon ausgezeichnete Fotos von den meisten Tieren haben, müssen wir nicht überall stehen bleiben. Eine Elefantenherde mit vielen Kälbern und 3 Löwinnen bekommen noch Aufmerksamkeit.

Wir fahren weiter bis der Truck unvermittelt hält. Ein Blick aus dem Fenster, aber kein Tier weit und breit zu sehen. „I think there is something in the tree. Please check out and tell me if I am right“ hören wir Liz Stimme. Und in der Tat: Mit Fernglas und Zoom erkennen wir in etwa 150 Meter Entfernung einen Leopard im Baum. Jetzt fehlen nur noch Nashorn und Büffel um die „Big 5“(Löwe, Elefant, Nashorn, Büffel und Leopard) zu sehen.

Ich werde auf Händen getragen :-)

Ich werde auf Händen getragen 🙂

Auf dem Weg zum Camp machen wir noch einen weiteren Stopp an einer riesigen Wüste. Hier ist das Land flach und Trocken. Die Ebene verschwindet im Horizont. Bis die Vegetation wieder anfängt, sind es mehr als 200km, verrät uns Liz. So ein Panorama ist natürlich ideal für perspektivische Fotos.

Am Nachmittag und Abend sehen wir dann noch einige Wasserlöcher und können auch das Nashorn auf der „Big 5-Liste“ abhaken – und das gleich 5x. Das Wasserloch am Camp ist groß und Anlaufstelle für viele Tiere. Fünf Nashörner auf einen Streich sind aber selbst für unsere erfahrenen Tourguides etwas Besonderes.

Eins von fünf Nashörnern direkt vor uns!

Eins von fünf Nashörnern direkt vor uns!

Wir sehen die Tiere durch einen sicheren Zaun getrennt – kein 10 Meter von uns entfernt. Wer Nashörner in freier Wildbahn sehen will, dem sei die älteste Lodge im Süden des Etosha Nationalpark ans Herz gelegt!

In der Nacht wird das Wasserloch auch noch von einer großen Elefantenherde und einer Löwenfamilie besucht, aber das erfahren wir erst am nächsten Tag da uns die Müdigkeit übermannt und wir gegen 11 Uhr ins Zelt verschwinden. Die Löwen hören wir aber noch mehrfach durch die Nacht brüllen.