Uyuni, Salt Flats und Flamingos

Tag 312: Von Cochabamba über Oruro nach Uyuni

Am Busbahnhof in Cochabamba ist reges Treiben

Am Busbahnhof in Cochabamba ist reges Treiben

Unser durch Zeitreise verkürztes Visa läuft in einigen Tagen aus und wir starten heute unsere Reise zum letzten Reiseziel in Bolivien. Wir wollen nach Uyuni, wo Touren zu den berühmten Salt Flats starten und dann weiter nach Chile reisen. Von Cochabamba gibt es leider keine Direktverbindung, so dass wir uns zunächst einen Bus nach Oruro organisieren. Das Busterminal wirkt (wie immer) ein wenig chaotisch, die Busse fahren aber stündlich und die Überfahrt ist kein Problem. Die Straßen sind gepflastert und der Bus komfortabel. Neben den Fahrgästen sind auch einige Tiere unterwegs. Unsere Sitznachbarn haben ein kleines Kätzchen dabei und beim Aussteigen sehen wir eine weitere Einheimische, die in ihrem Handgepäck Hühner transportiert hat.

Wegen Streiks ändern wir die Reisepläne

Wegen Streiks ändern wir die Reisepläne

Nach guten fünf Stunden erreichen wir Oruro und erkundigen uns als erstes über die Weiterfahrt nach Uyuni. Von hier gibt es Busverbindungen und einen Zug. Den Zug muss man normalerweise vorher buchen, so dass wir uns für die Busverbindung entscheiden. Ursprünglich wollten wir eine Nacht in Oruro bleiben, aber laut der Busanbieter startet morgen ein Streik in Uyuni und die Busse fahren nur noch heute. Nachdem wir diese Auskunft von mehreren Anbietern bestätigt bekommen haben, buchen wir einen Nachtbus. Dann geht es also heute schon nach Uyuni.

Vor der Fahrt wollen wir uns noch stärken und gehen in ein Restaurant, dass mit einem Grill vor der Tür recht einladend aussieht. Wir bestellen uns die gemischte Fleischplatte für 2 Personen, sind dann aber nicht ganz so zufrieden mit unserer Wahl. 80% der Fleischstücke sind Innereien…

Wir hatten uns schon darauf eingestellt, dass die Fahrt nach Uyuni kalt und weniger komfortabel wird. Von miserablen Straßenverhältnissen und den eisigen Temperaturen hatten wir zuvor gelesen. Die bisherigen Busse in Bolivien waren gut, aber der heutige sieht wenig vielversprechend aus. Es scheint auch üblich zu sein, dass Familien keine Tickets für ihre Kinder kaufen und Diese die Überfahrt auf dem Schoss der Eltern oder im Gang verbringen. Wir sitzen relativ weit hinten inmitten einer Großfamilie. Das kann ja heiter werden.

Tag 313: Uyuni

Die Nacht ist alles andere als angenehm. Die Sitze sind alt, die Beinfreiheit knapp bemessen, der Bus wird auf der unebenen Straße hin- und her geschleudert und die Großfamilie tut ihr übriges. Uns boxt dauernd einer in den Rücken oder stützt sich an der Lehne ab. Einmal bekomme ich sogar eine Tasche aus dem Gepäckfach an den Kopf geknallt. Dagegen ist die nervige Eigenart mancher Bolivianer, Musik vom Handy ohne Kopfhörer zu hören, noch harmlos. Nach Mitternacht sinkt die Temperatur merklich und die Scheiben sind zugefroren. Wir versuchen ein wenig zu schlafen und obwohl wir unruhige Fahrten gewohnt sind, sind wir weniger erfolgreich. Kurz nach drei erreichen wir Uyuni und steigen aus. Es ist schweinekalt (weit unter -5°C) und obwohl unsere Unterkunft nicht weit entfernt ist, gönnen wir uns ein Taxi zum Hostel.

Keine Autos auf den Straßen - hier wird gestreikt

Keine Autos auf den Straßen – hier wird gestreikt

Am Morgen erfahren wir an der Rezeption, dass ab heute tatsächlich in Uyuni gestreikt wird. Wir machen uns sofort auf die Suche nach einem Tourenanbieter, um unsere Weiterreise sicher zu stellen. Wir haben in der Nacht noch weitere Zimmernachbarn bekommen und treffen am Morgen auch Steffi wieder. Einige Tourenanbieter haben ihre Büros geschlossen, aber zum Glück beteiligen sich, zum Ärger der Streikenden, nicht alle Anbieter. Wir hören verschiedene Versionen des Streikgrundes: Korruption der Stadtverwaltung, Ungereimtheiten bei der Standortwahl des neuen Busbahnhofes und Unstimmigkeiten zwischen Touristenunternehmen und der weiteren Bevölkerung. In jedem Fall wird in Uyuni seit einem Jahr dauernd gestreikt.

Schön ist es nicht...

Schön ist es nicht…

Während unserer Recherchen wurde Uyuni gelegentlich im Netz als “Drecksloch” bezeichnet, doch so weit würde ich nicht gehen. Es ist staubig, Nachts sehr kalt und das Essen nur mäßig. Für ein- zwei Tage okay, aber würde ich hier aufgrund von Streiks mehrere Tage festhängen, wäre ich vielleicht doch geneigt, mich der Meinung anzuschließen.

Am Abend laufen wir zu unserem neuen Hotel. Die meisten Unterkünfte in Uyuni sind (mittelalterlich) nicht im Internet zu finden und die wenigen auffindbaren Hostels (so wie unseres) oft ausgebucht. Letztendlich sind wir aber ganz froh, denn unser einheimisches Hotel ist deutlich komfortabler und nicht viel teurer.

Tag 312: Salt Flats

Der Eisenbahnfriedhof von Uyuni

Der Eisenbahnfriedhof von Uyuni

Auf auf in die berühmten Salt Flats! Unsere Tour startet nur leicht verspätet und bis zur ersten Station, dem Eisenbahnfriedhof von Uyuni, klappt auch alles wie geplant. Während wir einige schicke Fotos von den verrosteten Zügen machen, erfährt unser Guide, dass Streikende schon einige Straßen in Richtung Salt Flats, der größten Salzebene der Welt, blockiert haben.

Hier stehen duzende alte Lokomotiven und Wagons

Hier stehen duzende alte Lokomotiven und Wagons

Wir fahren zunächst einmal komplett um Uyuni, um unser Glück auf der anderen Seite der Stadt zu versuchen. Der Plan scheint zunächst aufzugehen, aber dann sind die Straßen doch blockiert. Wie ernst es die Streikenden meinen erleben wir als eines der Autos unseres Konvois einen Durchbruch versucht und mit Steinen und sogar Pfeil und Bogen attackiert wird. Wir drehen um und suchen einen anderen Weg, zwischenzeitlich kommen wir immer wieder vom Weg ab und müssen umkehren, um den richtigen Weg wieder zu finden. Nach fast 2 Stunden erreichen wir dann endlich ein kleines Dorf hinter den Blockaden und können von nun unsere Reise ungestört fortsetzen.

Wir haben die Salt Flats endlich erreicht

Wir haben die Salt Flats endlich erreicht

Unser erstes Ziel sind die Salt Flats. Die Salzebene ist über 10.000 km² großund ist damit der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde. Wir fahren einige Kilometer und halten inmitten der Salzwüste. Der perfekte Spot für ein Fotoshooting. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und insbesondere für Perspektivfotos sind die Salt Flats ideal geeignet. Der Boden ist weiß, die Ebene tellerflach und die Berge am Horizont weit entfernt. Auch unsere Mittagspause verbringen wir im Nirgendwo der Salzwüste.

"Ich mach dich platt!"

„Ich mach dich platt!“

Weinsurfing

Weinsurfing

Mittagspause im Nirgendwo

Mittagspause im Nirgendwo

Aus dem Hut gezaubert

Aus dem Hut gezaubert

Auf der "Isla del Pescado"

Auf der „Isla del Pescado“

Während der Regenzeit ist die ganze Ebene mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt, wodurch ein riesiger Spiegel entsteht. Zur jetzigen Trockenzeit ist der See aber salztrocken und die Fahrt zur Insel “Isla del Pescado” kein Problem. Die Insel befindet sich in der Mitte des Sees und ist übersät mit Kakteen. Wir entrichten eine kleine Nationalparkgebühr und wandern dann auf den Hügel um die Aussicht auf die umliegende Salzfläche zu genießen.

Die Salt Flats erstrecken sich bis zum Horizont

Die Salt Flats erstrecken sich bis zum Horizont

Die Wände sind aus Salzsteinen gemauert

Die Wände sind aus Salzsteinen gemauert

Die Nacht verbringen wir heute in einem Salzhotel. Bis auf das Badezimmer sind Wände und Boden aus Salz, wie man per Geschmacksprobe unschwer beweisen kann. Wir waren so clever und haben uns aus Uyuni zwei Flaschen Wein mitgenommen und genießen das Abendessen mit unseren Mitreisenden Roanne aus Südafrika, Jarryd aus Australien, Arnaud aus Frankreich und unserer andauernden Reisegefährtin Steffi. Wir hatten uns auf eine bitterkalte ungemütliche Nacht eingestellt, aber wir haben sogar ein Privatzimmer und schlafen gut und warm in unseren Schlafsäcken.

Tag 313: Flamingos und Lagunen

Die Bahngleise von Bolivien nach Chile

Die Bahngleise von Bolivien nach Chile

Der Morgen ist relativ entspannt und wir brechen gegen 8:00 Uhr auf. Auch wenn es nichts Besonderes zu sehen gibt, ist die menschenleere Landschaft in diesem Teil Boliviens wunderschön. Die weite wenig bewachsenen Ebenen werden von Bergen und spitzen Vulkanen umsäumt. Die einzigen Anzeichen von Zivilisation sind die Bahnverbindung zwischen Bolivien und Chile und die ausgefahrenen Reifenspuren vor uns, die hier als Straße bezeichnet werden.

Ein erstartes Lavafeld, im Hintergrund qualmt der Vulkan

Ein erstartes Lavafeld, im Hintergrund qualmt der Vulkan

Wir machen eine Pause an einem Lavafeld, an dessen entferntem Ende wir einen Vulkan erblicken. An einer Seite steigt Wasserdampf empor, vermutlich ein Geysier. Wir klettern ein wenig umher bevor wir zum eigentlichen Highlight des heutigen Tages weiterfahren.

Flamingos in den Bergen?

Flamingos in den Bergen?

Mitten in den Bergen der Anden, auf fast 3.800 Metern, erreichen wir eine Lagune in der sich Flamingos befinden. Das Wasser der Lagune wird durch seismische Aktivitäten erwärmt und die sonst in den Tropen lebenden Vögel haben sich offensichtlich an die hier bestehenden Lebensbedingungen angepasst. Obwohl das Wasser recht salzig ist, scheint die Lagune auch genug Nahrung für die vielen hundert Vögel zu bieten. Interessant!

Tausende von Flamingos sind hier zu Hause

Tausende von Flamingos sind hier zu Hause

Traumhafte Lagunen mitten in den Bergen

Traumhafte Lagunen mitten in den Bergen

Nach dem Mittagessen machen wir noch einige weitere Stopps in atemberaubender Umgebung. Einer unserer Stopps wird unfreiwillig um 30 Minuten verlängert, da es Probleme mit unserem Auto gibt. Wir hatten schon in einigen Reiseberichten von liegen gebliebenen Autos gehört. Als Straßen gibt es hier ausschließlich Schotterpisten und das viele Salz tut sein übriges. Nachdem unser Fahrer ein bisschen an der Batterie gefummelt hat, geht es aber weiter und wir können aufatmen.

In diesem Teil der Anden befinden sich traumhaft schöne Lagunen

In diesem Teil der Anden befinden sich traumhaft schöne Lagunen

Die "Straßen" im Hochland Boliviens

Die „Straßen“ im Hochland Boliviens

Unsere Unterkunft ist dieses Mal nicht ganz so schön wie das Salzhotel, aber für eine Nacht absolut okay. Während des Tages haben wir uns am Kiosk ein paar Flaschen Wein besorgt und verbringen den Abend in geselliger Runde. Wir können gut einschlafen, aber gegen 3 Uhr werden wir noch einmal wach. Sobald die Sonne weg ist, wird es auf den windigen Hochebenen richtig kalt und selbst im Zimmer sind es unter 0°C. Jarryd und Roanne waren der Meinung „die Bettdecke reicht“ und werden eines besseren belehrt. Mit warmem Daunenschlafsack unter der Decke haben wir aber keinerlei Probleme.

Tag 314: Geysire und Grenzübergang

Heißer Dampf - trotzdem ist es kalt

Heißer Dampf – trotzdem ist es kalt

Der Tag beginnt sehr früh und auch am Morgen ist es fürchterlich kalt. Wir quälen uns aus den warmen Schlafsäcken und müssen während des Frühstücks Handschuhe tragen. Die Motoren der Jeeps laufen schon seit einer halben Stunde warm und die Scheiben der Autos sind alle zugefroren. Es ist noch dunkel, als wir uns in den eiskalten Jeep setzen und losfahren. Mit 6 Leuten im Auto wird es zwar schnell ein wenig wärmer, aber die Füße gefrieren langsam zu Eisklötzen.

Heiße Schwefelluft schießt hier emor

Heiße Schwefelluft schießt hier emor

Überall brodelt der heiße Schlamm

Überall brodelt der heiße Schlamm

Es wird langsam heller, als wir unser erstes Ausflugsziel erreichen.

Wir werden vollkommen von der Schwefelwolke eingehüllt

Wir werden vollkommen von der Schwefelwolke eingehüllt

Schon von weitem können wir die mächtigen Geysiere und Dampfwolken am Horizont erkennen. Da in Uyuni zahlreiche Touren durch die Salt-Flats angeboten werden, sind wir bei weitem nicht die Einzigen hier. Das schmälert das Spektakel aber nicht im Geringsten. Nachdem wir eine emporschießende Dampfwolke begutachtet haben, geht es mit unserem Fahrer durch ein Feld voller brodelnder Löcher. Im Gegensatz zu den vulkanischen Aktivitäten in Neuseeland ist hier nichts abgesperrt und wir müssen genau auf unsere Schritte achten. Es riecht nach Schwefel und hin- und wieder werden wir von einer Dampfwolke eingehüllt.

Heiße Quellen sind jetzt genau das Richtige

Heiße Quellen sind jetzt genau das Richtige

Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir dann ein paar heiße Quellen. Die Erlösung für unsere immer noch zu Eis gefrorenen Füße. Den Beitrag von 6 Bolivianos zahlen wir da doch gerne. Das Wasser der natürlichen Quelle hat eine angenehme Badetemperatur, doch als wir mit den kalten Füßen einsteigen, durchfährt uns ein heftiger Schmerz. Es dauert fast 5 Minuten bis sich unsere Füße an den extremen Temperaturunterschied gewöhnt haben und es tut verdammt gut. Mittlerweile zeigt sich die Sonne langsam über den Bergen und gut aufgewärmt geht es weiter.

Sonnenaufgang und ein heißes Bad - endlich wird uns warm

Sonnenaufgang und ein heißes Bad – endlich wird uns warm

Unsere Uyuni-Truppe vlnr: Jarry, Roanne, Steffi, Yvonne, Patt & Arnaud

Unsere Uyuni-Truppe vlnr: Jarry, Roanne, Steffi, Yvonne, Patt & Arnaud

Am letzten Aussichtspunkt können wir schon die Grenze zu Chile sehen und machen ein letztes Gruppenfoto. Hier trennt sich unsere kleine Reisegruppe, denn wir werden nach Chile weiterreisen, während Jarryd, Roanne und Arnaud wieder zurück nach Uyuni fahren. Wenig später erreichen wir die „Grenze“. Es handelt sich hierbei um einen kleinen Parkplatz und zwei kleinen Hütten auf einem Bergpass.

Die "Grenze" nach Chile

Die „Grenze“ nach Chile

Bei der Ausreise gibt es keinerlei Kontrollen und wir bekommen unseren Ausreisestempel. Das Office für die Immigration befindet sich aber nicht hier, sondern in San Pedro de Atacama, unserem nächsten Reiseziel. Nach kurzer Wartezeit kommt ein Shuttlebus, der uns in das etwa 50 km entfernte Dorf bringt. Chile, here we go!

Chile wir kommen!

Chile, wir kommen!