Trekking in Nepal – Teil 1

Tag 72: Ankunft in Nepal, Kathmandu

Die Gipfel des Himalaya sind fast auf Flughöhe

Die Gipfel des Himalaya sind fast auf Flughöhe

Die Flüge von Kochi nach Delhi und von Delhi nach Kathmandu klappen wie geplant. Wir fliegen dieses Mal wieder mit AirIndia und bekommen tatsächlich auf dem einstündigen Flug noch ein Essen serviert. Schon im Flugzeug sehen wir zum ersten Mal das Himalaya Gebirge aus der Ferne und die Vorfreude auf das Trekking in Nepal steigt. Obwohl wir noch auf 10.000m Flughöhe sind, scheinen die Berge fast auf einem Level neben uns zu sein.

Das „Visa on Arrival“ bekommen wir auch zackig ausgestellt und schon dürfen wir wieder in ein neues Land einreisen. Nepal! Yvonnes Schwester, Nicole, wird uns in den nächsten drei Wochen begleiten und wir haben unsere Flüge so gebucht, dass wir kurz nacheinander landen. Gemeinsam verlassen wir den Flughafen und werden bereits vom bestellten Airportpickup erwartet. In unseren Recherchen wurde Kathmandu oft als chaotisch und dreckig beschrieben, aber wir empfinden die Stadt als eher angenehm und organisiert. Im Vergleich zu Indien sind die Straßen übersichtlich und auch nicht besonders dreckig. Scheinbar kommt es nur auf den Vergleich an…

Unser Hotel liegt in einer ziemlichen Touristengegend und es gibt zahreiche Geschäfte, Bars und Restaurants. Als regelmäßiger Wandertourist wage ich zu sagen: „Ein wahres Paradies“ Es gibt zahlreiche Läden die Artikel von bekannten Outdoormarken für knapp 10% der europäischen Preise anbieten. Ob gefälscht, vom Laster gefallen und mit Fabrikmängeln sei mal dahingestellt, aber hier gibt es alles was man zum Wandern braucht.

Das erste gemeinsame Abendessen in Nepal

Das erste gemeinsame Abendessen in Nepal

Gab es in Indien nur wenige Supermärkte und immer nur die gleichen paar Chips und Schokoriegel, gleichen die Supermärkte hier riesigen Süßigkeitenoutlets mit einer zusätzlichen Auswahl an alkoholischen Getränken und sonstigen praktischen Artikeln fürs Wandern. Das Nepal in diesem Ausmaß auf den Wandertourismus eingestellt ist, überrascht uns dann doch sehr.

Am Abend gehen wir dann mit unserem neuen Guide essen. Wir sind in einem nepalesischem Restaurant und bekommen ein entsprechendes Thali (Menue).

Ein weiterer lustiger Abend mit unserem indischen Freund Bhu

Ein weiterer lustiger Abend mit unserem indischen Freund Bhu

Es ist sehr lecker und unterhaltsam, auch wenn Ham (unser Guide) zunächst eine eher zurückhaltende Persönlichkeit ist.

Am späten Abend treffen wir dann auch noch Bhu (unser Ex-Guide aus Indien), der per Zufall auch gerade in Nepal ist. Bei ein paar neuen Geschichten und alten Anekdoten verbringen wir einen weiteren netten Abend mit Rum und Cola.

Tag 73: Shopping in Pokhara

Der Wecker klingelt mal wieder vor sechs… Heute fahren wir mit dem Bus nach Pokhara, von wo aus unsere Wandertour in’s Himalaya startet. Der Bus fährt zwar erst um halb 8 los, aber unser Guide hat (vielleicht etwas zu großzügig) einige Zeitpuffer eingebaut, so dass wir noch über eine Stunde am Busterminal warten müssen, bevor es endlich losgeht.

Komfortable Fahrt nach Pokhara

Komfortable Fahrt nach Pokhara

Die Fahrt ist schön und deutlich komfortabler als wir es erwartet (und in Foren gelesen) hatten. Wir machen mehrere Toilettenpausen, halten zum Lunch und kommen am frühen Nachmittag gut gelaunt in Pokhara an. Unsere Unterkunft liegt direkt am See und sowohl die Stadt als auch die Unterkunft gefallen uns wieder gut. Auch hier gibt es zahlreiche Restaurants und Geschäfte. Wir haben Respekt vor der bevorstehenden Tour, bei der wir nach Auskunft unseres Guides auf bis zu -15°C eingestellt sein sollten. Somit machen wir uns am Nachmittag noch auf die Suche nach warmer Kleidung, die man hier sowohl kaufen als auch leihen kann. Nachdem wir eine Übersicht bekommen haben (niemals im ersten Geschäft kaufen!) schlagen wir dann auch zu, denn nachdem wir die Preise gesehen haben, kommt Leihen nicht mehr in Frage.

In Pokhara angekommen - noch ist es warm!

In Pokhara angekommen – noch ist es warm!

Für umgerechnet 75€ bekommen wir zwei Fleece-Softshellhosen, zwei Daunenwesten, zwei Paar Wanderstöcke und eine Mütze. Für den Preis hätten wir in Deutschland nicht mal eine Hose bekommen. Was die Sachen taugen schreibe ich nach unserer Trekkingtour 😉 Am Abend treffen wir in einem Restaurant noch Daniel aus Amerika, der gerade von seiner Tour kommt. Er berichtet uns begeistert und unsere Vorfreude steigt weiter.

Tag 74: Der erste Wandertag nach Pothana (1.800)

Der erste Anstieg ist geschafft

Der erste Anstieg ist geschafft

Am Morgen lernen wir unsere Crew kennen. Neben unserem Guide begleiten uns auch zwei Porter (=Träger). Wir haben das Gepäck für uns drei auf zwei Rucksäcke verteilt, die jeweils ca. 15kg wiegen. Den Trägern wird im schlimmsten Fall bis zu 50kg zugemutet und oft müssen sie 2 Wanderrucksäcke auf einmal tragen. Kein Wunder das sie mit jeweils einem leichten Rucksack sehr zufrieden sind. Für mich ist es trotzdem sehr befremdlich einen Träger zu haben, da ich meinen Wanderrucksack bisher immer selbst (und sogar gerne) getragen habe. Doch die Träger gehören dazu und vielleicht ist das im Hochgebirge auch gar nicht schlecht.

Wanderung über die Bergplantagen

Wanderung über die Bergplantagen

Nach einer kurzen Fahrt zur Einstiegsstelle beginnen wir direkt mit einem steilen Anstieg. Schon nach dem Erklimmen des ersten Aussichtspunktes sind wir begeistert. Die Landschaft, Aussicht und Atmosphäre sind atemberaubend. Das Gebirge steigt steil an, so dass man Richtung Süden in die Ferne und Richtung Norden auf die riesigen Berge blicken kann. Das Trekking geht durch Wälder, kleine nepalesische Dörfer und Steilplantagen die Berge hinauf, der Weg ist gut befestigt, es ist warm und die Luft herrlich frisch. Wir machen eine längere Mittagspause in der Sonne, essen ziemlich lecker und erreichen nicht all zu spät unser Nachtquartier. Leider bahnt sich bei mir gerade eine üble Erkältung an, so dass wir froh sind, am ersten Tag nur eine kurze Strecke zu laufen. Frische Luft, Bewegung und viel warmer Ingwertee sind mein Rezept und die Hoffnung, für die stärkeren Strapazen wieder fit und gesund zu sein.

Tag 75: Lange Wanderung von Pothana nach Jhinu Danda (1.900)

Sonnenaufgang in Pohana

Sonnenaufgang in Pohtana

In der ersten Nacht können wir alle nicht wirklich gut schlafen. Wir wissen nicht genau woran das liegt, aber die Temperaturumstellung, Jetlags, Erkältung, körperliche Anstrengung und das ungewohnte Nachtquartier in Pothana spielen wahrscheinlich zusammen. Wir sind früh auf (5:45) und beobachten den ersten Sonnenaufgang und die ersten Sonnenstrahlen, die die riesigen Berge des Himalaya anstrahlen. Beeindruckend.

Wir besprechen mit Guide Ham die nächsten Tage

Wir besprechen mit Guide Ham die nächsten Tage

Am zweiten Tag haben wir eine deutliche längere Strecke auf dem Plan. Wir überqueren eine Bergkuppe und folgen einer kleinen – nennen wir es mal – Straße entlang der Berge. Wir passieren einige Dörfer und sehen viele kleine Plantagen. In einem Dorf sehen wir viele wartende Nepalesen und erfahren, dass gerade gewählt wird. Unser Guide Ham erklärt uns, dass in dieser Wahl wahrscheinlich/hoffentlich die kommunistische Partei durch eine demokratische Regierung abgelöst wird. Das Interesse an Politik (und einer Verbesserung der Lebensqualität) ist sehr hoch und liegt bei etwa 80% und es gibt insgesamt über 100 Parteien in Nepal. Die Landschaft, Religionen und die Wirtschaftskraft sind in Nepal sehr unterschiedlich und einige Parteien wollen Bundesländer einführen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Politisch steht hier also gerade ein Umbruch an.

Noch sind die Berge weit weg

Noch sind die hohen Berge weit weg

Während der Wanderung kommen die Berge immer näher und werden langsam größer. Wir finden die Berge wirken trotzdem nicht so groß wie sie sind (die Karte sagt über 8.000 Meter hoch), aber das schauen wir uns in den nächsten Tagen nochmal aus der Nähe an. Glücklicherweise ist das Wetter heute wieder großartig und die Wanderung durch die Landschaft und zahlreiche Hängebrücken macht sehr viel Spaß. Die Erkältung ist zum Glück auch etwas besser geworden, aber dafür haben wir schon das nächste Problem. Ich habe gute eingelaufene alte Wanderschuhe von meinem Vater mitgenommen, aber mein Plan – nach dem Trekking entsorgen um auf der weiteren Reise kein unnötiges Gepäck zu haben – scheitert, nachdem sich die Sohle schon am zweiten Wandertag löst. Vielleicht sind die Schuhe doch ein wenig zu eingelaufen oder haben zu viele Jährchen auf den Sohlen… Zum Glück habe ich ein Paar ausgezeichnete Trailrunning-Schuhe, die sich als Ersatz sofort etablieren.

Ankunft in Jhino Danda

Ankunft in Jhino Danda

Kurz vor Ende des zweiten Wandertags haben wir dann noch einen finalen Anstieg von über 300 Höhenmetern. Nach der bereits 6-stündigen Wanderung geben wir nochmal alles, sparen uns dann aber einen Besuch bei in der Nähe liegenden heißen Quellen, die nochmal 1,5 Stunden Wanderung bedeutet hätten. Wir gehen früh zu Bett und dieses Mal schlafen wir schnell ein.

Tag 76: Von Jhino Danda nach Sinuwa (2.300)

Wir kommen näher

Wir kommen näher

Der nächste Wandertag ist zwar streckenmäßig etwas kürzer, hat aber viele Höhenmeter. Mein Taschenmesser hat einen Höhenmesser, so dass wir unseren Fortschritt und die aktuelle Höhe immer im Auge haben. Während des ersten Anstiegs kommen wir mit einer polnischen Wandertruppe ins Plaudern und die Zeit vergeht im Flug, so dass wir überrascht sind, als wir unser erstes Zwischenziel erreichen.

Entspannte Mittagspause mit unserem Team

Entspannte Mittagspause mit unserem Team

Hier gibt es eine „German Backery“, die zwar nichts mit einer deutschen Bäckerei zu tun hat, aber trotzdem leckere Teilchen verkauft. In der Stadt – Chomrong – besorge ich mir dann auch zwei Tuben Superglue (Sekundenkleber) um meine Schuhe zu flicken. Die weitere Wanderung geht wieder steil bergauf und mit Blick auf das Taschenmesser stellen wir fest, dass wir heute schon weit über 1.000 Höhenmeter zurückgelegt haben.

Unser Lodge „Sinuwa“ liegt auf 2.300 Meter Höhe und am Abend wir es dann langsam schon ein bisschen frischer. Am Abend spielen wir Karten und trinken wieder viel Ingwer-Zitronen Tee.

Tag 77: Von Sinuwa nach Deurali (3.200)

Unsere Strecke nach Deurali

Unsere Strecke nach Deurali

Nachdem wir gestern zwar viele Höhenmeter, aber vergleichsweise wenig Strecke gemacht haben, haben wir heute einen anstrengenden Tag vor uns. Die Erkältung ist überstanden und wir sind gut drauf, so dass wir schon am Mittag den größeren Teil der Strecke geschafft haben. Nachdem der Morgen frisch war, kommt die Sonne pünktlich zur Mittagspause aus den Wolken und wir können unsere Shirts trocknen und eine warme Pause genießen.

Fast geschafft

Fast geschafft!

Wir hatten uns schon darauf eingestellt, jeden Tag einfache Speisen wie Reis zu bekommen, aber stattdessen gibt es hier eine internationale Auswahl wie Pizza, Spaghetti, Nudeln und Reis. Interessanterweise haben alle Lodges fast genau die gleiche Karte, aber das Essen hat jedes Mal eine andere Qualität, so dass die Wahl der Speisen einem Lottospiel gleicht.

Dank Taschenmesser immer bestens informiert

Dank Taschenmesser immer bestens informiert

Wir haben unseren persönlichen Höhenrekord geschafft und die magischen 3.000m geknackt.Bisher konnten wir noch keine körperliche Einschränkungen merken, aber morgen werden wir noch deutlich höher gehen.

Wir erreichen wieder relativ früh unsere Unterkunft und sind darum froh, denn wir bekommen noch ein halbwegs akzeptables Zimmer. Die polnische Reisegruppe kommt nur wenig später an, ist aber mit den Zimmern weniger glücklich. Alle Zimmer sind hier klein und spartanisch und die Qualität unterscheidet sich eher darin, ob die Matratzen sauber sind und ob es in den Zimmern zieht oder nicht. Mit Einbruch der Dunkelheit wird es dann ziemlich schnell kalt. Wir packen unsere dicken Jacken, Softshellhosen und Merinopullover aus und es dauert einige Zeit bis auch endlich unsere Füße (trotz zwei Paar Socken) warm werden. Trekking in Nepal ist eben kein Zuckerschlecken 😉

Unsere Unterkunft in Deurali

Unsere Unterkunft in Deurali

Deurali liegt auf einer Höhe von 3.200 Meter und ist damit schon die höchstgelegene Unterkunft, in der wir je übernachtet haben. Morgen wollen wir gegen Mittag das Machapuchare Base Camp (3.800 Meter) erreichen und wenn der Körper mitspielt, weiter bis zum Annapurna Base Camp (4.100 Meter), unserem Ziel, wandern. Wir sind gespannt und haben auch gehörigen Respekt vor der Höhe und den noch deutlich niedrigeren Temperaturen. Von zwei Südafrikanern erfahren wir aus erster Hand, dass die berüchtigte Höhenkrankheit kein Mythos ist.

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