Taj Mahal, Varanasi und Bootfahren auf dem Ganges

Tag 42: Bahnfahren und Ankunft in Agra

Wir fahren mit dem Taxi zurück zum Bahnhof und steigen in unseren Zug. Nachdem wir bei unserer ersten Bahnfahrt positiv überrascht wurden, übertrifft das zweite Bahnabteil unsere Erwartungen – im negativen Sinne. Es riecht nach Urin (was an den sehr hygienischen Toiletten am Ende des Wagens liegt) und der Wagon sieht aus wie eine Gefängniszelle, gegen die Menschenrechtler protestieren würden. Wir haben eine ganztägige Bahnfahrt von Rishikesh nach Agra vor der Brust: 500km und damit mehr als 10 Stunden. Zum Glück können wir wenigstens die Pritschen in unserer Zelle ausklappen und uns langlegen. Wenn man sich erst einmal an den Geruch gewöhnt hat, ist es gar nicht mehr so schlimm…

Am Abend kommen wir erschöpft an und genießen eine erfrischende Dusche. Danach gehen wir essen und es gibt endlich auch wieder Fleisch und Bier J

Tag 43: Taj Mahal, Marmor und Fort Agra

Das Taj Mahal - ein beeindruckendes Bauwerk aus Marmor

Das Taj Mahal – ein beeindruckendes Bauwerk aus Marmor

Noch vor Morgengrauen (4.30) stehen wir auf und fahren mit dem Minibus zum Eingang des Taj Mahal. Auf Bhus (unser Guide) anraten, sind wir somit sehr früh, können noch einige Fotos ohne Menschenmaßen machen und müssen auch nicht lange anstehen. Schon aus der Ferne wirken das Taj Mahal und der aufwändig und symmetrisch angelegte Garten beeindruckend. Selbst die Nebengebäude würden an normalen Orten als Sehenswürdigkeit gelten, wäre da nicht dieses riesige Gebäude aus weißem Marmor, dass alle Anderen in den Schatten stellt. Das Gebäude darf nur mit Schuhüberziehern betreten werden, ist makellos sauber und wird durch tausenden Details im Marmor perfektioniert. Vor etwa 400 Jahren wollte ein Dynastieherrscher seiner verstorbenen und innig geliebten Frau ein unsterbliches Denkmal setzen. Das ist im definitiv gelungen! Wir können uns gar nicht satt sehen und machen unzählige Fotos. Wahnsinn!

Noch immer ist Agra berühmt für seine Marmorkunst und wir besuchen eine Fertigungsstätte, in denen uns die Arbeitsschritte und Materialien gezeigt werden.

Die Verzierungen im Marmor werden handgefertigt

Die Verzierungen im Marmor werden handgefertigt

Die prunkvollen Verzierungen im Marmor werden (und wurden) alle handgefertigt und mit edlen Steinen aus Indien und fernen Ländern verfeinert. Wenn ich an das Taj Mahal und die vielen Details zurückdenke wundert es mich nicht, dass die Fertigstellung mit 20.000! Arbeitern sage und schreibe 21 Jahre gedauert haben soll.

Bei den vielen tollen Marmorkunstwerken können wir es uns nicht verkneifen zuzuschlagen und wenigstens ein kleines Andenken mitzunehmen.

Nach zäher Verhandlung kommen wir zum Deal!

Nach zäher Verhandlung kommen wir zum Deal!

Die Auswahl ist riesig und die Sachen sind wirklich schön. Nach einigem Hin- und Her entscheiden wir uns für prunkvoll verzierte und kratzfeste Marmoruntersetzer. Von Bhu erfahren wir, dass man auf der Straße tunlichst die Finger von Marmor lassen soll, da es sich hierbei meist um gehärtete Seife handelt und der „Marmor“ sich mit ein bisschen Feuchtigkeit in Schaum verwandelt. Gut zu wissen!

Am Nachmittag besuchen wir dann ein weiteres beeindruckendes Gebäude mit einer spannenden Geschichte: Das Agra Fort.

Das Agra Fort - auch als rotes Fort bekannt

Das Agra Fort – auch als rotes Fort bekannt

Auch dieses begeistert uns in seiner Architektur und mit prunkvollen Verzierungen und Materialien. Wir erfahren viel zur Geschichte der Mogule und deren Herrschaft im sechzehnten Jahrhundert. Der dritte Mogul errichtete einst das Agra Fort welches über Generationen weiter ausgebaut wurde. Im Fort selbst gab es z.B. auch ein Spielzimmer, dem gegenüber die Unterkünfte von 300 Kurtisanen (Frauen, die ihren Körper den Herrschaften zur Verfügung stellten) lagen. Die Herren wussten wie man sich vergnügt… Der fünfte Mogul, Shah Jahan, war dagegen monogam und baute schließlich das Taj Mahal zu Ehren seiner geliebten und verstorbenen Frau. Interessanterweise gab es zur Zeit seiner Herrschaft keine Differenzen zwischen Islam, Hinduismus und Christentum, was sich im Bauwerk wiederspiegelt. Leider war der sechste Herrscher nicht mehr so tolerant sondern extrem islamistisch, ließ im Kampf um die Herrschaft seine älteren Brüder töten und fing an, hunderte hinduistische Tempel niederzureißen. Schlimme historische Episoden gibt es leider überall auf der Welt.

Am Abend besuchen wir ein indisches Kulturprogramm. Über 1,5 Std. lassen wir uns von den indischen Tänzen und Dekorationen mitreißen, bevor wir uns danach beeilen müssen, unseren Nachtzug nach Allahabad zu bekommen. Dieser Zug ist zum Glück wieder eine etwas erfreulichere Erscheinung und wir können auf dem Weg ein wenig schlafen.

Tag 44: Nehro, Gandhi und ein Besuch beim Friseur

Hier leben einst Nehro und Gandhi

Hier leben einst Nehro und Gandhi

Allahabad ist ein weiterer historischer Ort. Wir besuchen das Haus von Jawaharlal Nehru, einem Widerstandskämpfer, der für die Unabhängigkeit Indiens gekämpft hat, die dann 1947 erreicht wurde. Er war der erste Ministerpräsident Indiens und ein Vertrauter Mohandas Karamchand Gandhis, besser bekannt als Mahatma Gandhi, der viele Nächte im Haus des Ministers verbrachte. In der angeschlossenen Bibliothek kaufe ich mir die Autobiographie Gandhis „The Story about my experinces with truth“. Der Staat fördert (subventioniert) die Verbreitung dieses Werkes, so dass ich nur 50 IR zahle (umgerechnet 0,60 €).

Am Nachmittag gehen wir dann zum Friseur. Das hatte ich mir in Deutschland schon vorgenommen und nebenbei ist es mittlerweile auch nötig. Die Rasur ist sauber, unkompliziert und kostet 120 IR (1,50€), was für indische Verhältnisse sogar noch teuer ist. Auf dem Weg zurück zum Hotel stärken wir uns dann mit „Street Food“, auf der Straße zubereitetem Essen, von dem Touristen normalerweise (der westliche Magen verträgt es oft nicht) die Finger lassen sollten. Bhu findet aber einen Stand, der frisch zubereitet und es schmeckt und bekommt mir gut.

Tag 45: Bootfahren und Campen

Wir werden freundlich empfangen

Wir werden freundlich empfangen

Heute versuchen wir es mit einem neuen Fortbewegungsmittel und werden mit einem Boot den Ganges hinunter segeln. Die in der Reiseinfo beschriebene Bootsfahrt auf dem Ganges hatten wir uns völlig anders vorgestellt und sind ein bisschen verdutzt, als wir die kleinen Holzboote sehen, mit denen wir fahren werden. Wir werden sehr herzlich empfangen und begeben uns auf die Boote, die zwar etwas wackelig, aber sehr komfortabel sind. Leider (für unsere indische Reisebegleiter) ist es ziemlich windstill, so dass die Ruder zum Einsatz kommen.

Unsere Boote - klein aber fein

Unsere Boote – klein aber fein

Wir sind mit 3 Booten unterwegs: Zwei Boote mit uns Reisenden und ein Proviant- und Verpflegungsboot. Das Mittagessen bekommen wir dann mitten auf dem Ganges serviert und unsere indischen Bootsmänner machen einen guten Job auf dem Kochboot. Die Fahrt ist ziemlich entspannt, wir genießen über sechs Stunden die Ruhe, hören ein bisschen Musik, lesen und albern ein bisschen mit Bhu herum. Ab und zu winken wir am Ufer ein paar Indern zu oder beobachten diese bei ihren täglichen Aufgaben.

Diese Nacht schlafen wir auf einer Sandbank mitten auf dem Fluss. In der Regenzeit steht hier alles unter Wasser, aber so haben wir einen schönen Sandstrand und unsere Begleiter richten alles sehr schön her. Am Abend werden wir wieder bekocht und genießen den Abend mit Gitarrenmusik, Geschichten und ein paar Kaltgetränken. Herrlich!

Tag 46: Varanasi

Am nächsten Morgen beginnt der Tag zum Sonnenaufgang (6.00Uhr). Durch die ganze Reiserei werden wir zu richtigen Frühaufstehern. Wir schauen aus dem Zelt und sehen unsere neuen Schlafnachbarn. Direkt neben dem Zelt haben es sich ein paar Kühe gemütlich gemacht. Nach einem kurzen Frühstück bekommen wir noch von drei indischen Kindern Besuch, die sehr interessiert sind und uns genau beobachten. Es braucht nicht lange und wir kommen in Kontakt. Bhu macht Scherze und ich zeige ihnen meine Minigitarre, auf der wir dannn gemeinsam spielen. Schließlich sagen wir „bye bye“ und gehen wieder auf die Boote.

Ganga Aarti in Varanasi

Ganga Aarti in Varanasi

Nach einer längeren weiteren fünfstündigen entspannten Bootsfahrt und einer kurzen Fahrt mit dem Bus kommen wir in Varanasi an. Die Stadt ist berühmt für die Treppen am Ganges, wo sich viele Inder waschen und an dessen Ufern auch Leichen verbrannt werden. Eine komische Mischung… Am Abend fahren wir mit ein paar Fahrrad-Rikschas zum Fluss um ein weiteren Ganga Aarti (Hinduistische Zeremonie) zu beobachten. Varanasi wirkt noch überfüllter und dreckiger als die anderen Städte. Neben der eigentlichen

Am Ufer werden Leichen verbrannt - eine religiöse Tradition

Am Ufer werden Leichen verbrannt – eine religiöse Tradition

Bevölkerung von über 1,5 mio. kommen viele Inder hierher, um an den Zeremonien teilzunehmen und/oder ihre Verstorbenen Verwandten zu verbrennen. Am Abend können wir eine solche Trauerfeier ebenfalls sehen. Interessanterweise sind bei der Leichenverbrennung keine Frauen zugelassen, da sie als sanftmütig gelten und das vergießen von Tränen nicht gestattet ist. Nach dem Glauben der Inder wird dadurch der Weg ins Jenseits gefährdet.

Tag 47: Sonnenaufgang, Seide und Tempel

Wir sind wieder pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Ganges (Aufstehen 4.30). Das rote Licht der Sonne lässt die Ufer in einem sehr schönen roten Licht erscheinen. Wir sind allerdings noch ein bisschen müde und ich ein wenig „grumpy“, wie man unschwer erkennen kann. Fotoshootings um 06:00 Uhr morgens sind nicht so mein Ding…

Hier wird Seide noch traditionell verarbeitet

Hier wird Seide noch traditionell verarbeitet

Nach einer kurzen Pause im Hotel haben wir ein weitere Spezialität Varanasis auf dem Plan. Varanasi ist berühmt für seine Seide. Die Seide wird hier noch traditionell verarbeitet: Es gibt Webstühle mit Musterkarten, die maximal drei Farben verarbeiten können (diese Technik wird seit ca. 100 Jahren verwendet) und noch ältere Modelle, die ohne Muster und Vorlagen arbeiten und damit unendlich viele Farben verwenden können, allerdings sehr aufwendig sind.

Ein Decke, die in 7 Jahren fertiggestellt wurde

Ein Decke, die in 7 Jahren fertiggestellt wurde

Die Händler zeigen uns eine Decke, deren Fertigung 7 Jahre gedauert haben soll und unbezahlbar ist. Wir suchen uns ein paar schöne (kleine) Dinge aus undYvonne bekommt ihr erstes indisches Kleid, welches ihr zugeschneidert wird. Mit ein bisschen feilschen machen wir ein gutes und bezahlbares Geschäft.

Am Abend besuchen wir noch einen weiteren Tempel. In Varanasi gibt es auch viele buddhistische Tempel, da Lord Buddha in der Nähe von Varanasi seine erste Predigt gehalten haben soll. Am nächsten Tag werden wir ein weiteres Heiligtum des Buddhismus sehen. Wir reisen nach Bihar, wo Buddha seine Erleuchtung gefunden haben soll.