Salta und die Iguazu-Fälle

Tag 318: Schlechter Start in Argentinien

Der Start in Argentinien läuft alles andere als rund...

Der Start in Argentinien läuft alles andere als rund…

Unser Start in Argentinien läuft denkbar schlecht. Landschaftlich ist die Überfahrt zwar schön, aber schon am ersten Busbahnhof passiert die erste Panne. Eigentlich sollten wir nur umsteigen und direkt weiterfahren, aber irgendwas stimmt nicht mit dem Bus und wir müssen zunächst 45 Minuten warten bevor es weitergeht. Auch danach läuft es nicht so richtig rund. Der neue Bus hält an jeder kleinen Bushaltestelle und anstatt zwei Stunden, dauert die weitere Fahrt fast vier. Kurz nach 23:00 Uhr erreichen wir endlich unseren Zielbusbahnhof in Salta.

Wir sind müde und erschöpft und steigen aus dem Bus aus. Während ich die großen Reiserucksäcke aus dem Gepäckfach hole, höre ich auf einmal einen überraschten Ruf von Yvonne und laufe zurück. Völlig verdattert berichtet sie mir, wie sich ein fremder Mann einen unserer Tagesrucksäcke geschnappt und in der Dunkelheit verschwunden ist. Verdammte Kacke! (Entschuldigung!) Im Rucksack hatten wir u.a. auch unseren Laptop.

Wir laufen in den Busbahnhof und sprechen mit einem Sicherheitsbeamten, doch der Mann versteht nur spanisch. Mithilfe eines Touristen können wir ihm zwar erklären was passiert ist, aber bis auf den Rat „den Fall der Touristenpolizei zu melden“ wird uns nicht weitergeholfen. Wenig Trost spendet uns die Story eines weiteren Mitreisenden, dem sein Rucksack in Chile am Busbahnhof gestohlen wurde. Ein Mann hat sich neben ihn gesetzt und ist in einem unachtsamen Moment einfach mit dem Rucksack rausspaziert. Extrem abgezockt…

Mittlerweile ist es fast Mitternacht und da die Touristenpolizei ohnehin geschlossen ist, beschließen wir erst einmal in unser Hostel zu fahren. Wir schlafen dieses Mal im „Loki“, das zwar etwas außerhalb liegt, dafür aber mit guten und günstigen Zimmern auf uns wartet. Die Zimmer sind deshalb so günstig, weil die Hostelkette ihren Umsatz hauptsächlich an der Bar macht. Heute ist uns aber überhaupt nicht nach feiern und wir verdrücken uns schnell auf unser Zimmer. Den Tag hätte man sich sparen können!

Tag 319: Polizei und halb-legale Tauschgeschäfte

Unser Hostel "Loki" liegt außerhalb

Unser Hostel „Loki“ liegt außerhalb

Nachdem wir ausgeschlafen und uns ein wenig vom Schock und der langen Busfahrt erholt haben, fahren wir mit dem lokalen Bus in die Innenstadt von Salta. Das unser Hostel etwas außerhalb liegt, ist nicht weiter schlimm, denn die Fahrt ist mit 3 Pesos (ca. 25 Cent) sehr günstig.

Die Innenstadt von Salta ist ganz schön. Seit knapp 2 Monaten sehen wir das erste Mal wieder eine Einkaufspassage mit Geschäften und internationalen Einkaufsketten. Das große Angebot an Waren grenzt schon fast an Reizüberflutung.

Auf dem Weg durch Salta

Auf dem Weg durch Salta

Die Touristenpolizei in Salta befindet sich direkt am Hauptplatz. Wir finden den Eingang schnell und werden an einen englisch sprechenden Polizisten vermittelt, der unseren Schaden aufnimmt. Da Yvonne rechtlich als bestohlene Person zählt, müssen wir draußen warten und holen uns in der Zwischenzeit einen Kaffee gegenüber bei McDonalds. Nach über einer Stunde kommt Yvonne mit dem Polizeibericht wieder. Das die Straftat nicht verfolgt wird, war uns schon vorher klar, aber mit dem Bericht haben wir immerhin die Chance, einen Teil unserer Wertsachen von der Versicherung erstattet zu bekommen.

Wir nutzen den angebrochenen Tag um noch ein wenig durch die Stadt zu schlendern. Neben der Fußgängerzone und zahlreichen Restaurants gibt es auch extrem viele kleine Läden mit Handwerkskunst und Dekorationsartikeln. Da wir unseren Rucksack nicht mehr allzu lange schleppen müssen (und gestern mehrer Kilo verloren haben…), ist das ideal für den Einkauf von ein paar Mitbringsel.

Auch zum Abendessen finden wir mal wieder über Tripadvisor ein sehr leckeres kleines Restaurant, das etwas außerhalb liegt. Neben einem ausgezeichneten Essen gibt es dazu noch guten Wein. In Salta beginnen die Weinberge Argentiniens und erstrecken sich von hier in den Süden.

In der Abenddämmerung finden wir in der Nähe der Kirche einen "Gambio"-Mann

In der Abenddämmerung finden wir in der Nähe der Kirche einen „Gambio“-Mann

Bevor wir zurück fahren, wandern wir noch ein wenig durch die Straßen um Geld zu tauschen. Während man in der offiziellen Bank 8 Pesos für 1$ bekommt, sind es auf der Straße 12 zu 1$. Der argentinische Peso ist extrem instabil und hat vor einigen Monaten 40% an Kaufkraft verloren. Dementsprechend hat sich ein Schwarzmarkt entwickelt, der sich hier aber schon als „grauer Markt“ etabliert hat. Jeder macht es, jeder weiß es, aber offiziell ist es nicht erlaubt. Wir finden schnell einen Mann, der die Leute auf der Straße mit „Gambio“ (tauschen) anspricht und tauschen unsere Dollar um. Der inoffizielle Wechselkurs macht die Tage hier mal eben 30% günstiger.

Am Abend sind wir pünktlich zur Happy Hour im Hostel und machen Bekanntschaft mit ein paar angeheiterten Franzosen. Im Loki gibt es Kicker, Billard, Tischtennis und das unter jungen Backpackern beliebte Bier-Pong. Wir lassen uns ein bisschen mitreißen und genießen den Abend.

Tag 320: Salta

Unser günstiges Hostel hat leider den Nachteil, dass das Internet nicht wirklich gut funktioniert und ständig unterbricht. Für die weitere Planung und Skype-Telefonate ist es alles anderes als ideal und somit fahren wir in die Stadt. Nach kurzer Suche finden wir ein Café, wo wir fast ungestört telefonieren und planen können.

In Salta gibt es jede Menge Handwerkerläden

In Salta gibt es jede Menge Handwerkerläden

Den restlichen Tag laufen wir nochmal durch Salta, kaufen ein wenig ein und gehen Essen. Da wir gestern aus Vorsicht nur wenig Geld getauscht haben, laufen wir nochmal zum „Gambio“-Mann und tauschen eine größere Summe. Während unseres Tauschgeschäfts läuft ein Polizist unbeeindruckt vorbei. Alltag in Argentinien.

Am Abend fahren wir etwas früher wieder ins Hostel und machen uns einen gemütlichen Abend. Während der Weltreise habe ich bestimmt schon zwei Duzend Bücher gelesen, wozu ich zuhause eher selten komme. Morgen habe ich auch wieder viel Zeit zu lesen. Die Überfahrt mit dem Bus nach Foz de Iguazu dauert laut Plan 26 Stunden.

Tag 321: Im Bus

Die Busse haben bequeme "Carma"-Sitze

Die Busse haben bequeme „Carma“-Sitze

Mit gepackten Rucksäcken fahren wir mal wieder in die Stadt. Heute trennen sich unsere Wege von der temporären Reisegefährtin Steffi, die uns in Südamerika oft begleitet hat. Für uns geht es nach Puerto Iguazu zu den berühmten Wasserfällen, während Steffi nach Buenos Aries weiterreist. Wir wollten eigentlich noch gemeinsam Mittagessen, aber dann wird doch alles ein wenig später und Steffi muss vorher los. Sie hat allerdings nichts verpasst, denn bei der Restaurantwahl haben wir weniger Glück. Vielleicht ist es auch Geschmackssache, aber Schlagsahne und eingelegter Pfirsich gehören für mich nicht auf eine Pizza.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Wir haben „Carma“ (Schlafsitze) gebucht und die Überfahrt ist recht komfortabel.

Tag 322: Ankunft in Puerto Iguazu

Jetzt haben wir die Anden endgültig hinter uns gelassen

Jetzt haben wir die Anden endgültig hinter uns gelassen

Gegen Mittag müssen wir unseren komfortablen Bus leider verlassen und steigen in einen etwas kleineren Bus um, der zu unserem Erschrecken wieder Hinz und Kunz an jeder noch so erdenklich kleinen Bushaltestelle einsammelt. Wir sitzen wenigstens ganz vorne am Panoramafenster und können so die Landschaft bewundern. In den letzten 24h hat sich viel verändert. Anstatt Berge und trocken-kühle Luft ist es hier wieder etwas subtropischer, was sich auch an der Vegetation zeigt.

Am späten Nachmittag erreichen wir das kleine Städtchen Puerto Iguazu, dass nur wenige Kilometer von den berühmten Iguazu-Fällen entfernt liegt. Unsere Unterkunft ist etwas versteckt, aber noch fußläufig zu erreichen.

Am Abend gehen wir auf der Suche nach den berühmten argentinischen Steaks in ein Steakhaus, werden aber nur halb fündig. Mein Steak ist anständig, während Yvonnes so zäh ist, dass sie mehr als die Hälfte zurückgeben muss. Das wir aus Kulanzgründen 30% weniger zahlen müssen, ist nur ein schwacher Trost. Mal schauen ob Brasilien mit besserem Fleisch auf uns wartet.

Tag 323: Iguazu-Fälle

Am nächsten Morgen gibt es endlich mal wieder richtiges Sightseeing. In den Tagen in Salta waren wir nicht sonderlich aktiv und merken auch emotional, dass die Reise langsam zu Ende geht. Es ist schwer zu beschreiben, aber wir sind ganz zufrieden mit unserem Zeitplan. Wahrscheinlich haben wir schon so viel gesehen und erlebt, dass die Festplatte langsam voll ist.

Wegplan im Iguazzu Nationalpark - Leider sind große Teile gesperrt

Wegplan im Iguazu Nationalpark – Leider sind große Teile gesperrt

Die Iguazu-Fälle standen schon von Anfang an auf unserer Liste und entsprechend freuen wir uns auf die Besichtigung. Der Bus zu den „Cataratas“ (Wasserfälle) fährt an der großen Busstation ab und etwa zwanzig Minuten später erreichen wir den Eingang des Nationalparks. Auf den Infotafeln bekommen wir eine grobe Übersicht der zahlreichen Wasserfälle, die je nach Regenzeit 1,5 und 7 Millionen Liter pro Sekunde transportieren. Aktuell sind es wohl mindestens sieben, denn in den letzten Tagen und Wochen gab es hier heftige Regenschauer. Der Wasseranstieg war so heftig, dass ein Teil der Besucherwege von den Fluten weggerissen wurde und wir nur noch einen Teil der Wasserfälle besichtigen können.

Besonders ärgerlich, denn dadurch können wir weder die Insel inmitten der Fälle besichtigen, noch den Steg zum Teufelsschlund betreten.

Über den Iguazu-Fällen

Über den Iguazu-Fällen

Hier leben viele Nasenbären

Hier leben viele Nasenbären

Die Wasserfälle sind aber trotzdem sehr beeindruckend. Überall stürzen die Wassermassen über die Kanten und es gibt zahlreiche Aussichtspunkte. Auf den Wegen tummeln sich nicht nur die Touristen sondern auch zahlreiche Nasenbären, die keine Scheu haben und auf ein paar Snacks spekulieren. Seinen Rucksack sollte man auch hier nicht unbeaufsichtigt liegen lassen.

Beindruckendes Panorama

Beindruckendes Panorama

Wir schauen uns die Wasserfälle zunächst von oben an. Es wird feucht und ich sogar pitschnass, als wir die Fälle von einer etwas tiefer liegenden Plattform bewundern.

Auf der unteren Plattform ist es feucht

Auf der unteren Plattform ist es feucht

Auf dem Maraco Trail sehen wir Affen

Auf dem Macuco Trail sehen wir Affen

Unseren Ausflug zu den Iguazu-Fällen schließen wir mit einer kleinen Wanderung auf dem „Macuco Trail“ ab. Bis auf ein paar Affen und Insekten gibt es hier zwar nicht viel zu sehen, aber wir genießen den gemütlichen Spaziergang trotzdem.

Am Nachmittag sind wir wieder in Puerto Iguazu und sammeln unsere Rucksäcke ein. Der kurze Ausflug in Argentinien ist bereits beendet und wir reisen jetzt weiter nach Brasilien. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Grenze und checken aus. Jetzt kommt unsere letzte Station: Brasilien.

Ein wunderschöner Regenbogen ziehrt die Iguazu-Fälle

Ein wunderschöner Regenbogen ziehrt die Iguazu-Fälle