Bergbesteigung Huayna Potosi

Tag 291: Chacaltaya

Yvonne verbringt eine schöne Tagestour in der nähe des Huayna Potosi im Hintergrund

Yvonne verbringt eine schöne Tagestour in der Nähe des Huayna Potosi im Hintergrund

Erstmals auf unserer Reise trennen sich Yvonnes und mein Weg für drei Tage. Yvonne hat schnell Probleme mit der Höhe und hat sich daher gegen den Versuch, den Huayna Potosi zu erklimmen, entschieden. Stattdessen hat sie eine Tagestour nach Chacaltaya gebucht und wird anstonsten ein paar entspannte Tage in La Paz verbringen.

Ein Ausflug zu "Madre Luna" ist Teil der Tour

Ein Ausflug zum „Valley de  Luna“ ist Teil der Tour

Die Tagestour befindet sich ganz in der Nähe meines Reiseziels und man kann den mächtigen Berg im Hintergrund sehen. Das Gebiet von Chacaltaya liegt auch auf über 5.000 Höhenmeter, aber der kurze Aufenthalt verläuft glücklicherweise ohne Beschwerden. Auch sonst berichtet Yvonne von einer sehr schönen kurzweiligen Tour und auch die Tage in La Paz waren angenehm. Auf jeden Fall wesentlich entspannter als bei mir…

Tag 291: Huayna Potosi – Trainingstag

Mein Ziel ist der Gipfel auf 6.088 Höhtenmetern

Mein Ziel ist der Gipfel auf 6.088 Höhtenmetern

Für mich startet heute das Abenteuer Huayna Potosi. Den 6.088 Meter hohen Berg kann man in zwei oder drei Tagen besteigen.

Das Equipment

Das Equipment

Im Grunde dauert der Aufstieg immer zwei Tage, aber die Dreitagestour beinhaltet einen vorherigen Trainingstag und etwas mehr Zeit für die Akklimatisierung. Wir haben uns für die 3-Tagestour entschieden und sind natürlich pünktlich an der Reiseagentur, wo Steffi und ich unsere Mitstreiter Antonio und Estella aus Frankreich und Pablo aus Chile kennenlernen.

Unser Basecamp

Unser Basecamp

Nach kurzer Wartezeit geht es erst einmal in den Lagerraum, wo wir unser Equipment entgegennehmen. Das Material ist zwar schon einige Jahre im Einsatz (Schneejacken im 80er-Lock), aber noch voll funktionstüchtig. Wir verstauen die warme Kleidung, Eisaxt, Steigeisen und Helm und fahren etwa zwei Stunden zum Basecamp.

Gut gelaunt starten wir in den Trainingstag

Gut gelaunt starten wir in den Trainingstag

Das Camp befindet sich bereits auf 4.700 Höhenmetern und am ersten Tag verläuft alles noch relativ entspannt. Mit voller Eisausrüstung im Gepäck starten wir nach dem Mittagessen die Wanderung zu einer niedrig gelegenen Gletscherzunge, wo wir das Klettertraining absolvieren werden. Die Wanderung ist schön und die Mannschaft bestens gelaunt.

Wir wandern zur tiefgelegenen Geltscherzunge

Wir wandern zur tiefgelegenen Geltscherzunge

Die Trainingsabschnitte werden immer steiler

Die Trainingsabschnitte werden immer steiler

Auf dem Gletscher legen wir Kletterausrüstung und Steigeisen an und beginnen mit dem Training. Zunächst lernen wir den richtigen Einsatz von Eisaxt und Steigeisen. Bei flachen Stücken laufen wir nur mit Steigeisen und achten darauf, möglichst viel Stahl in das Eis zu bohren. Bei steileren Stücken kommt die Eisaxt zum Einsatz, die einen dritten Stabilisierungs- und Kontaktpunkt bildet. Die Trainingsstücke werden immer steiler, doch wir gewöhnen uns langsam an dieser Art der Fortbewegung. Zuletzt klettert unser Guide eine Eiswand hinauf, die sich im 90° Winkel vor uns aufbaut.

Zum Schluss geht es im 90°-Winkel aufwärts

Zum Schluss geht es im 90°-Winkel aufwärts

Oben wird ein Sicherungsseil befestigt und dann sollen wir nachkommen. Beim richtigen Einsatz der vorher gelernten Technik klappt es eigentlich ganz gut, ist aber sehr anstrengend. Ich vermute, dass wir solche steilen Stücke bei der Gipfelbesteigung nicht haben, sondern für den Notfall trainieren.

Nach dem Training laufen wir wieder zurück zum Camp. Der heutige Tag war noch nicht sehr anstrengend, aber wir fühlen uns jetzt gut vorbereitet. Den Abend vertreiben wir uns mit dem Versuch ein Feuer anzuzünden, was mangels anständigen Holzes aber bald scheitert. Das Basecamp befindet sich bereits weit über der Baumgrenze.

Tag 292: Huayna Potosi – Bis zum Highcamp

Am Anfang folgen wir einem normalen Wanderweg

Am Anfang folgen wir einem normalen Wanderweg

Am zweiten Tag geht es zum Highcamp, von wo wir dann den Gipfel besteigen wollen. Neben unseren eigenen Klamotten müssen wir die komplette Eis- und Kletterausrüstung in unseren Rucksäcken verstauen.

Noch geht es mir blendend

Noch geht es mir blendend

Nach dem Mittagessen geht es los. Wir haben heute klaren Sonnenschein und die Wanderung ist sehr schön, wenn auch schon anstrengend. Ich komme bislang mit der Höhe sehr gut klar, aber Mitstreiterin Steffi hat schon kräftige Kopfschmerzen.

Gegen Ende wird es immer steiler

Gegen Ende wird es immer steiler

Unsere Hütte auf etwa 5.400 Höhenmetern

Unsere Hütte auf etwa 5.400 Höhenmetern

Unsere Reiseagentur verfügt über eine eigene Hütte, die sich oberhalb der anderen Hütten befindet. Dadurch haben wir morgen einen etwas kürzeren Aufstieg zum Gipfel, müssen dafür aber heute länger laufen. Bis zum Rock Camp auf 5.130 Metern Höhe folgen wir noch einem Pfad, die letzten 200 Höhenmetern bis zu unserer Hütte geht es über ein steiles Geröllfeld, bei dem wir uns schon an einigen fest installierten Seilen hochziehen müssen.

Geschafft! Wir haben das Highcamp erreicht

Geschafft! Wir haben das Highcamp erreicht

Am späten Nachmittag erreichen wir das Highcamp und können die fantastische Aussicht genießen. Solange die Sonne scheint, ist es noch nicht wirklich kalt, was sich in der Nacht aber ändern wird. Hoffentlich muss ich nicht aufs Klo, welches sich außerhalb auf den Felsen befindet.

Die Besteigung des Gipfels startet mitten in der Nacht. Unser Wecker wird um Eins klingeln und nach einem „Frühstück“ und dem Anlegen der Ausrüstung startet dann die Gipfelbesteigung. Der Weg dauert knapp 6 Stunden und wäre tagsüber zu gefährlich. Sobald die Sonne scheint beginnt die Gletscheroberfläche zu schmelzen, was den Aufstieg insbesondere an steilen Stellen deutlich erschwert.

Hier geht es heute Nacht entlang

Hier geht es heute Nacht entlang

Am Abend ist die Laune (und Zuversicht) noch gut

Am Abend ist die Laune (und Zuversicht) noch gut

Nach dem Abendessen gehen wir schon um halb 7 zu Bett. An Schlaf ist aber leider nicht zu denken. Ich habe hämmernde Kopfschmerzen und mein Herz schlägt mit eineinhalbfacher Geschwindigkeit. Wir befinden uns auf 5.400 Höhenmetern und die frühe Schlafenszeit passt auch nicht zum üblichen Rhythmus. Dank gutem Daunenschlafsack ist es zwar nicht kalt, aber ich wälze mich hin und her und finde einfach keinen Schlaf. Ich versuche alle möglichen Einschlaftricks, aber nichts funktioniert. Irgendwann gebe ich auf und hoffe nur noch auf das Klingeln des Weckers, dass mich vom Kopfschmerzwachliegen erlöst. Diese Nacht ist eindeutig die schlimmste unserer bisherigen Reise und meine Zuversicht, den Gipfel erfolgreich zu erklimmen kriegt einen kräftigen Dämpfer.

Tag 293: Huayna Potosi – Gipfelbesteigung

Um 1 Uhr klingelt endlich der Wecker und wir machen uns fertig

Um 1 Uhr klingelt endlich der Wecker und wir machen uns fertig

Um 1.00 Uhr klingelt endlich die Erlösung. Wir machen uns fertig und sitzen völlig appetitlos am Frühstückstisch. Ein langer Marsch liegt vor uns und wir müssen etwas essen, aber sowohl die Frühstücksbrötchen, als auch die mitgebrachten Chips schmecken widerlich und werden nur aus Vernunft heruntergewürgt. Nach einem heißen Tee und Tabletten gegen Höhenkrankheit und Kopfschmerzen fühle ich mich aber tatsächlich etwas besser und die Zuversicht steigt wieder.

Dann geht es in voller Ausrüstung nach draußen und wir werden angeleint. Wir haben jeweils einen Guide pro zwei Personen. Ich bin mit Steffi in einem Team, aber nur sehr kurz. Sie hat genauso wenig geschlafen und schon auf den ersten Metern wird ihr schwindelig und sie muss daher leider umkehren. Durch die Abseilaktion verlieren wir kurz den Rest der Gruppe und laufen etwa eine halbe Stunde zu zweit. Nachdem wir den Rest wieder eingeholt haben, geben auch Pablo und Estella auf. Jetzt sind Antonio und ich mit unseren Guides alleine. Im Schein unserer Kopflampen geht es weiter den Berg hoch. Ich habe zwar keine schlimmen Kopfschmerzen und auch die Beine fühlen sich gut an, aber ich gerate ziemlich schnell aus der Puste.

Im Schein der Kopflampe müssen wir eine Gletscherspalte überwinden

Im Schein der Kopflampe müssen wir eine Gletscherspalte überwinden

Die Vermutung, das anspruchsvolle Steilklettern vom ersten Tag war nur eine Übung, stellt sich als falsch heraus. Wir müssen einige steile Abschnitte und Gletscherspalten mit vollem Einsatz des Equipments überwinden. Mein Herz pumpt wie verrückt und irgendwann müssen wir immer mehr Pausen machen. Meine Getränke haben begonnen zu frieren und sind eiskalt.

Auf 5.800 Höhenmetern muss ich aufgeben

Auf 5.800 Höhenmetern muss ich aufgeben…

Mittlerweile können wir die Lichter von La Paz in der Ferne sehen und die Aussicht auf den atemberaubenden Anblick vom Gipfel gibt mir Kraft. Wenig später geht mir dann aber buchstäblich die Puste aus. Mein Herz schlägt wie verrückt und ich bin völlig außer Atem. Nach einer kurzen Pause beruhigt sich zwar alles ein wenig, aber kaum laufen wir auf dem steilen Bergkamm weiter, schnellt der Puls wieder auf 180. Da es laut unserem Guide (bei meinem Tempo) noch bestimmt 2 Stunden zum Gipfel sind, gebe ich mich geschlagen. Auf 5.800 Metern ist die Luft dünn und ich will nicht zu viel riskieren. Ein bisschen Kraft brauchen wir ja auch noch für den Rückweg.

Den Sonnenaufgang erlebe ich leider nicht auf dem Gipfel

Den Sonnenaufgang erlebe ich leider nicht auf dem Gipfel

Der Rückweg geht nur bergab, wesentlich schneller und ich kann auch wieder besser durchatmen. Nach einer guten Stunde sind wir schon zurück im Highcamp (hoch waren es fast 2,5) und ich kann nach den Strapazen sogar ein bisschen dösen. Antonio hat es als einziger in unserer Gruppe bis zum Gipfel geschafft und kommt nach Sonnenaufgang vom Gipfel. Er berichtet von einem fantastischen Ausblick, aber auch einem heftigen Finale am Ende des Aufstiegs. Gemeinsam laufen wir bei bestem Wetter wieder zurück zum Basecamp. Ich habe wieder kräftige Kopfschmerzen und bin um jeden Meter froh, den wir abwärts laufen.

Der Agenturchef holt uns persönlich ab - leider!

Der Agenturchef holt uns persönlich ab – leider!

Mittags sind wir dann endlich unten und können unsere Ausrüstung ablegen. Auch der Appetit ist wieder ein wenig zurückgekehrt und wir stärken uns mit einer Suppe. Dann geht es mit dem Auto zurück nach La Paz. Die trotz Scheitern schöne Tour wird vom Besitzer der Agentur abgerundet, der das Auto persönlich fährt. Im wahrsten Sinne des Wortes „abgerundet“, denn müsste ich eine Note für die Tour vergeben, würde ich diese nach dieser Fahrt nach unten korrigieren. Wir müssen uns in voller Lautstärke seine Lieblingsjazzstücke anhören und obwohl alle nur Ruhe und zügig nach Hause wollen, hält er dauernd an um zu telefonieren, neue Lieder herauszusuchen oder Lufttrompete zu spielen. In La Paz angekommen, teilt er uns mit, dass sein Wagen nicht angemeldet ist und wir mit einem Taxi ins Zentrum fahren sollen. Letztendlich fährt er uns dann doch und wir sind froh als wir endlich aussteigen können. So ein Idiot!

Ein Blick zurück. Leider nur fast geschafft...

Ein Blick zurück. Leider nur fast geschafft…

Völlig erschöpft komme ich im Hotel wieder an und bin froh über eine warme Dusche. Nicht ganz ungeplant sind wir pünktlich für das Spiel zwischen Deutschland und Algerien wieder da, wenngleich wir das Spiel heute gemütlich im Hotelzimmer schauen. Nach beachtlichem Kampf gewinnt Deutschland in der Verlängerung mit 2-1. Nach dem Abendessen falle ich völlig K.O. ins Bett und kann endlich wieder schlafen.

Mehr Bilder und den Bericht von Mitstreiterin Steffi findet ihr hier.

Tag 293: Pause in La Paz

Schlendern und organisieren in La Paz

Schlendern und organisieren in La Paz

Nach den anstrengenden letzten Tagen haben wir uns mal wieder eine Pause verdient. Wäsche waschen, einkaufen und ein bisschen organisieren gehört zum Tagesgeschäft eines Reisenden. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Straßen und den bekannten Witched Market, wo es wieder allerlei Handgemachtes gibt. Besondere Aufmerksamkeit haben die vielen Musikgeschäfte, wo es jede Menge Gitarren gibt. Ich habe schon bei unserer Ankunft in Peru mit einer der traditionellen „Charango“ geliebäugelt und heute schlage ich zu. Wir schleppen zwar schon eine Gitarre mit, aber für den letzten Monat sind es dann halt zwei!

Deal! Ich bin stolzer Besitzer einer Charango

Deal! Ich bin stolzer Besitzer einer Charango

Dieses Mal haben wir nicht viel Zeit zu rasten, denn morgen geht es direkt weiter. Wir haben einen Flug nach Rurrenabaque, im Norden von La Paz gebucht. Es geht runter auf 200 Höhenmeter in den Dschungel, wo das riesige Amazonasgebiet am Fuße der Anden beginnt.