Heaphy Track & der Nordwesten der Südinsel

Tag 210: Hokitika Gorge, Pancake Rocks und der Caretaker

Die Hokitika Gorge

Die Hokitika Gorge

Unser heutiges Tagesziel heißt Karamea. Auf dem Weg dorthin gibt es aber wieder einiges zu sehen und zu tun und wir haben volles Programm. Als erstes fahren wir zur Hokitika Gorge, die man von der Ortschaft Karnier am besten erreichen kann. Ein Gletscherfluss hat sich durch die Felsen gefressen und so die Hokitika Gorge geschaffen. Es gibt einen kleinen Wanderweg über eine Hängebrücke zu einigen Felsen direkt über der Schlucht. Unten im Wasser können wir einen Lachs erkennen. Wenn ich im richtigen Augenblick springe und dann rechtzeitig zupacke…

Über eine Hängebrücke gelangen wir zur Gorge

Über eine Hängebrücke gelangen wir zur Gorge

Mit einem leckeren Eis zu den Pancake Rocks

Mit einem leckeren Eis zu den Pancake Rocks

Ein weiteres Highlight auf dem Weg in den Norden sind die Pancake Rocks. Der Lockout auf diese besonderen Felsen befindet sich direkt am Highway. Da die Sonne gerade wieder scheint, kaufen wir uns für den kurzen Spaziergang ein Eis (obwohl ein Pfannkuchen natürlich noch passender gewesen wäre). Die Pancake Rocks haben ihren Namen nicht von ungefähr und über einen Rundweg kann man die Felsen aus verschiedenen Perspektiven begutachten. Bei starkem Wellengang schlagen die Wellen unterirdisch in die Felsen und erzeugen riesige Wasserfontänen (ein beliebtes Postkartenmotiv), aber heute ist es ruhig. Es ist immer wieder spannend, was die Natur unter unterschiedlichen Voraussetzungen schaffen kann und wir freuen uns sehr, solche Orte besuchen zu können.

Der Name erschließt sich beim Anblick der "Pancake Rocks"

Der Name erschließt sich beim Anblick der „Pancake Rocks“

Wir fahren durch die etwas größeren Städte Greymouth und Westport. Was in Neuseeland schon als größere Stadt gilt, würden viele in Deutschland noch als „Kaff“ bezeichnen. Auf der Südinsel hat die Natur eindeutig die Nase vorne und wir sind froh, wenn wir regelmäßig einen großen Supermarkt finden.

Hier wohnt der "Caretaker"

Hier wohnt der „Caretaker“

Unser heutiges Tagesziel heißt Karamea, wo wir den günstigen Campingplatz „Domain“ ausgesucht haben. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum „Heaphy Track“, auf dem wir morgen wandern wollen. Die Fahrt ist extrem kurvig und nach der vorherigen langen Fahrt recht anstrengend. Wir sind froh endlich angekommen zu sein, doch beim Einfahren auf dem Campingplatz müssen wir ein wenig die Stirn runzeln. Hinter einem großen Sportplatz befinden sich einige Parkplätze mit Stromanschluss und in einer Ecke steht ein ausrangierter Bus und davor ein Schild mit der Aufschrift „Caretaker“. Das ist unser Campingplatz? Kurz darauf empfängt uns ein kleiner Mann mit Bierbauch, Feinrippunterhemd und Bierflasche in der Hand. Er prostet uns zu und erklärt, dass es bereits „Beer o’clock“ sei. Der Mann stellt sich dann aber wirklich als Campingplatzbetreiber heraus und im umgebauten Vereinsheim gibt es eine saubere Küche, einen Aufenthaltsraum und Dusche/WC.

Tag 211: Heaphy Track

Der Heaphy Track kann bis zu 5 Tage dauern

Der Heaphy Track kann bis zu 5 Tage dauern

Ein weiterer Great Walk steht heute auf dem Programm. Kurz hinter Karamea befindet sich ein DOC Campingplatz und dahinter beginnt der Heaphy Track. Der Heaphy Track ist 72 Kilometer lang und auch dieser Great Walk endet am anderen Ende der Berge. Sowohl Hütten als auch der Rücktransport müssen vorgebucht werden und sind natürlich nicht ganz billig. Auch dieses Mal wollen wir nur eine Tagestour machen und haben uns die Strecke bis zur Heaphy Hut vorgenommen.

Eine Wanderung am Strand und durch Regenwald

Eine Wanderung am Strand und durch Regenwald

Die Strecke führt direkt am Meer entlang und verläuft durch Regenwald an der Küste. Vor wenigen Tagen sind wir noch in einer völlig anderen Vegetationszone gewandert. Neuseeland ist verdammt vielfältig!

Kurz vor der Heaphy Hut geht es weiter in den Wald

Kurz vor der Heaphy Hut geht es weiter in den Wald

Wir sind früh aufgebrochen, denn der Weg zur Heaphy Hut ist etwas mehr als 16 Kilometer lang und wir müssen schließlich auch wieder zurück. Am Morgen laufen wir die meiste Zeit noch im kühlen Schatten doch gegen Mittag klart es auf und wir haben traumhaften Sonnenschein. Wir laufen durch Buschwerk und Palmenwälder, dann wieder am Strand und entlang der Felsküste.

Blick von der Heaphy Hut

Blick von der Heaphy Hut

Nach etwa 3,5 Stunden und strammen Marsch erreichen wir dann die in 2012 neu errichtete Heaphy Hut. Von hier würde der Heaphy Track weiter durch die mit Regenwald bewachsenen Berge gehen, aber für uns ist Endstation und ich kühle meine verschwitzen Füße im Fluss. Die Mittagspause verbringen wir aufgrund der fiesen Sandfliegen (die sind leider fast überall) in der Hütte.

Ich gönne mir noch ein erfrischendes Bad im Meer (das erste Mal in Neuseeland) und dann machen wir uns wieder auf die Socken. Der Rückweg ist sogar noch schöner als der Hinweg. Die Sonne ist jetzt über den Berg und an einer Stelle habe ich doch tatsächlich mal an ein Vorher-Nacher Bild gedacht.

Der Strand am morgen

Der Strand am morgen

Der Strand am Nachmittag

Der Strand am Nachmittag

Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich

Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich

Auch bei dieser Wanderung werden die letzten Kilometer anstrengend. Nach knapp 5 Stunden verlassent uns mein Handyakku und die Dame von Runtastic (eine GPS-Tracking-APP für Outdoorsport), die uns bis dahin immer über die gelaufenen Kilometer informiert hat. Die Wanderung war toll, aber unser Limit für entspannte Wanderungen haben wir mit fast 33km und acht Stunden etwas überschritten. Aber auch dieses Mal haben wir einen schönen Teil des Great Walks, dem Heaphy Track, gesehen.

20 Kilometer weiter, fahren wir wieder durch dichten Nebel

20 Kilometer weiter, fahren wir wieder durch dichten Nebel

Mit einem Kaffee gestärkt fahren wir noch einige Kilometer zurück. Während es an der Küste noch traumhaften Sonnenschein gab, sind wir nur wenige Kilometer weiter wieder in den nebligen Bergen. Heute campen auf einer alten Kuhfarm, die mit viel Herz und Liebe zum Detail in ein Restaurant und einen Campingplatz umgebaut wurde.

Tag 212: Charming Creek Walkway und Lake Rotoiti

Der Charming Creek Walkway

Der Charming Creek Walkway

Ein weiterer Wanderweg mit besonderem Charme wartet am nächsten Tag auf uns. Der Charming Creek Walkway ist ein Wanderweg, der entlang einer alten privaten Eisenbahnstrecke über einer Schlucht führt. Bis in die fünfziger Jahre wurde hier noch durch eine private Firma Kohle gefördert, bis die Instanthaltung der Strecke nicht mehr wirtschaftlich war.

Hier wurde früher Kohle gefördert

Hier wurde früher Kohle gefördert

Ein halbes Jahrhundert später hat die Natur schon einiges zurückgeholt und Teile der Strecke in die Schlucht gerissen. Schließlich wurde ein Wanderweg errichtet, auf dem wir der Strecke an der Schlucht und durch Tunnel folgen können. Hier und da sehen wir noch Wrackteile der Eisenbahnen und Schienen. Ein empfehlenswerter und interessanter Spaziergang. Kurz vor dem alten Sägewerk erreichen wir einen Wasserfall. Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns dann auf den Rückweg.

Eine Strecke mit besonderem Charme

Eine Strecke mit besonderem Charme

Wir müssen einige alte Eisenbahntunnel durchqueren

Wir müssen einige alte Eisenbahntunnel durchqueren

Die Kamera ist gerade, der Wasserfall nicht!

Die Kamera ist gerade, der Wasserfall nicht!

Entlang der Schlucht geht es zurück zum Auto

Entlang der Schlucht geht es zurück zum Auto

Als wir nach knapp drei Stunden unser Auto erreichen, erwartet uns eine böse Überraschung. Wir haben versehentlich das Licht angelassen und die Batterie ist leer. Unser Glück im Unglück: Während der Wanderung haben wir einen Einheimischen mit seinen beiden Söhnen beim Mountainbiking getroffen. Einer der Jungs wäre fast einen Abhang abgeschmiert, aber zum Glück ist alles gut gegangen. Wir kamen ins Gespräch und auf dem Parkplatz stellt sich jetzt heraus, dass der Vater nicht nur ein Überbrückungskabel griffbereit im Kofferraum hat, sondern beruflich auch Automechaniker ist und unseren Motor in Rekordzeit wieder zum Laufen bringt. Alles wieder gut!

Über den Highway 6 fahren wir weiter ins Inland. Wir wollen zum Lake Rotoiti, wo es einen schönen Campingplatz und zahlreiche Laufstrecken geben soll. Auf der Fahrt machen wir eine kurze Pause bei der offiziell längsten Hängebrücke Neuseelands, aber wie so oft bei Superlativen kostet die Überquerung. Da wir auf den Wanderungen schon duzende ähnlich lange Hängebrücken gelaufen sind, können wir uns dieses Mal sparen.

Die längste Hängebrücke Neuseelands

Die längste Hängebrücke Neuseelands

Eine tolle Laufstrecke am Lake Roitoti

Eine tolle Laufstrecke am Lake Roitoti

Der Lake Rotoiti ist schön und es gibt zahlreiche Wanderwege am See und in den umliegenden Bergen. Morgen wollen wir einen der Berge besteigen und heute habe ich die Qual der Wahl bei der Laufstrecke. Ich starte am See und laufe dann ein bisschen in die Berge. Das tolle beim Joggen ist, dass man eine mit 45 Minuten ausgeschriebene Wanderroute in einer Viertelstunde laufen kann und so viel mehr sieht. Die Höhenmeter habe ich allerdings ein wenig unterschätzt und über Stock und Stein geht es über 1000m hoch und wieder runter. Eigentlich sollte es heute nur eine kleine lockere Runde werden…

Tag 213: Ruhetag in Marahau

Aus der morgendlichen Gipfelbesteigung ist nichts geworden. In der Nacht hat Yvonne starke Halsschmerzen bekommen und ihre Stimme fast verloren, somit wird der Tag als Ruhetag umfunktioniert. Vielleicht haben wir in den letzten Tagen ein bisschen zu viel Gas gegeben…

Tolle Berge sehen wir heute nur aus dem Auto

Tolle Berge sehen wir heute nur aus dem Auto

Am Abel Tasman National Park gibt es zahlreiche Stände

Am Abel Tasman National Park gibt es zahlreiche Stände

Wir schlafen aus und anstatt zu wandern fahren wir in den Norden in Richtung Abel Tasman National Park. Diesen Nationalpark wollen wir als nächstes erkunden, aber heute machen wir bis auf einen kleinen Stopp bei einem Lockout gar nichts. Kurz nach Mittag haben wir Marahau erreicht und suchen uns einen ruhigen Campingplatz. Die Sonne scheint und wir entspannen uns bei einem „Pätts Spezial Tee“. Wir haben heute sogar vergessen einzukaufen und gehen am Abend in dem hier bekannten Burgerrestaurant „The Fat Tui“ essen. Eine echte Konkurrenz zum Fergburger in Queenstown und einige Ligen über dem, was die bekannten Fastfoodketten als Burger bezeichnen.