Hanoi, Hue und Regen

Tag 96: Zurück nach Hanoi

Das Essen in Hanoi ist lecker und günstig

Das Essen in Hanoi ist lecker und günstig

Wir wachen in unserer kleinen Strandhütte auf und nach einem entspannten Frühstück machen wir uns direkt auf den Rückweg nach Hanoi. Zuerst mit dem Bus zur Anlegestelle, dann mit der Fähre zurück nach Halong Bay City und dann ab in den Reisebus. Natürlich gibt es wieder einen nervigen und völlig überflüssigen Stopp im überteuerten Souvenierladen, aber das gehört bei den günstigeren Touren scheinbar zum Geschäft. Gegen Abend kommen wir wieder in Hanoi an und checken in unserem Hotel ein.

Am Abend finden wir dann ein nettes kleines Restaurant auf der Backpackerstraße „Ly Quoc Su“, wo wir günstig und sehr  gut speisen. Da die Portionen in Vietnam immer sehr klein sind, bestellen wir ausnahmsweise drei Gerichte und natürlich sind die Portionen genau heute sehr üppig und wir haben viel zu viel. Trotzdem kostet das Essen nur 6 Euro und wir sind sehr zufrieden und satt.Movie Get Out (2017)

Tag 97: Historisches Museum, Literaturtempel und Bia Hoi

Ein bisschen Geschichte muss sein

Ein bisschen Geschichte muss sein

In Hanoi gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wir haben uns heute das historische  Museum und den Literaturtempel auf den Plan geschrieben. Ursprünglich wollten wir auch das Grab von Ho Chin Minh (Vietnams verehrter und berühmter Kämpfer für die Unabhängigkeit) besuchen, aber die Besuchszeit endet bereits um 11:00 Uhr, was wir pünktlich um 11:30 feststellen.

Das historische Museum liegt im französischen Viertel süd-östlich des Hoam Kiem Sees. Das französische Viertel ist eindeutig der wohlhabende Teil der Stadt, denn neben vielen teuren Markengeschäften und Juwelieren gibt es hier auch teure Hotels und die Oper von Hanoi.

Die hölzener Statur ist unser Highlight im Museum

Die hölzener Statur ist unser Highlight im Museum

Wir hatten gehofft, im historischen Museum etwas über die  Geschichte Vietnams zu erfahren, aber im Museum sehen wir hauptsächliche Tonkrüge und Werkzeuge der letzten Jahrtausende und einige Bilder und Staturen, deren Erklärungstafeln auf Vietnamesisch verfasst sind. Ein paar alte Schmuckstücke gibt es auch, aber so richtig begeistern kann uns das Museum nicht. Leider ist das Wetter in den letzten Tagen immer schlechter geworden und der Blick aus dem Fenster lässt uns hier trotzdem ein bisschen verweilen. Zumindest regnet es (noch) nicht, so dass wir uns zu unserem zweiten Ziel, dem Tempel der Literatur, aufmachen.

Hier ist alles ein bisschen anders und die Quittung sehr umfangreich

Hier ist alles ein bisschen anders und die Quittung sehr umfangreich

Auf dem Weg zum Tempel kaufen wir uns eine neue Maus für unseren Laptop und machen eine interessante Erfahrung. Es gibt einige Angebote und unsere Maus kostet normalerweise 280.000 Dong. Rot daneben steht der vermeidlich neue Preis von 180.000 D. Das dachte ich zumindest, bis mir an der Kasse (mithilfe eines Taschenrechners) erklärt wird, dass der rote Preis die Reduzierungssumme ist und die Maus nur 100.000 D (ca. 3,50€) kostet. Etwas verwirrend dargestellt aber umso besser! Die Maus darf ich aber nicht etwa aus dem Regal mitnehmen, sondern muss mir die Produktnummer geben lassen, diese an der Kasse nennen und etwa 5 Minuten warten, bis mir ein Mitarbeiter die Maus bringt. Hier ist halt alles ein bisschen anders…

Der Tempel der Literatur in Hanoi

Der Tempel der Literatur in Hanoi

Der Literaturtempel ist eine weitläufige Anlage und wir durchqueren einige Gärten bis wir das Hauptgebäude erreichen. Hier gibt es zahlreiche Steintafeln mit unterschiedlichen Inschriften und prunkvolle Staturen im Inneren. Der Tempel mit seinen Parkanlagen war früher ein beliebter Ort für Literaturstudenten und der Name daher Programm.

Am Abend folgen wir dann einer Empfehlung aus dem Lonely Planet und gehen in ein Straßenrestaurant, dass „Bia Hoi Ha Noi“ ausschenkt.

Mein Menu: Frittierte Taube und Bia Hoi

Mein Menu: Frittierte Taube und Bia Hoi

Das Bier wird hier frisch gebraut und muss auch zügig getrunken werden, denn es hält sich nur einen Tag. Da helfen wir natürlich gerne, zumal es gar nicht mal schlecht schmeckt (etwas süßlicher) und ein Glas mit 8.000 Dong (20 Cent) auch sehr bezahlbar ist. Aus irgendeinem Grund bin ich heute auch wieder experimentierfreudig und bestelle mir zum Abendessen „Pigeon“ = Taube. Geschmacklich ist es so lala, es ähnelt einer Ente, jedoch ist kaum Fleisch an den Knochen. Optisch ist die Taube (mit Kopf und Krallen auf dem Teller) allerdings weniger ansprechend…

Tag 98: Ausflug zur Parfum Pagoda

In Hanoi starten neben mehrtägigen Touren in die Halong-Bucht und Sapa auch zahlreiche Tagestouren und da heute laut Wettervorhersage der letzte regenfreie Tag ist, entscheiden wir uns für einen Ausflug zur Parfum Pagoda.

Auf dem Wasser zur Perfum-Pagoda

Auf dem Wasser zur Parfum-Pagoda

Wie wir es schon oft erlebt haben, steht und fällt ein Ausflug nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit den Leuten. Obwohl es sehr bewölkt ist, haben wir eine schöne Bootsfahrt zur Pagoda und lernen ein brasilianisches Pärchen kennen, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen. Die beiden haben für ein Jahr in Australien studiert und nutzen jetzt die Zeit vor ihrer Rückreise um Südostasien zu erkunden. Clara hat sogar für ein Jahr in Deutschland gelebt und spricht neben Englisch auch ein sehr passables Deutsch.

Die Parfum Pagoda ist eine Tropfsteinhöhle in den Hügeln südlich von Hanoi, in der sich ein Tempel befindet.

Der Eingang zur Pagoda

Der Eingang zur Pagoda

Scheinbar ist hier zur Hochsaison richtig was los, denn es gibt zahlreiche Läden und unsere kleine Gruppe bekommt alle zwanzig Meter Snacks und Kaltgetränke angeboten. Der Eingang zur Höhle liegt etwas versteckt. Nachdem wir den Aufstieg geschafft haben, müssen wir durch ein kleines Tor und über eine lange Treppe erreichen wir den riesigen Eingang der Höhle, in dessen Mitte sich ein großer Stalagtit befindet. Am Eingang und in der Höhle selbst sind verschiedene Altare aufgebaut. Neben Altaren zur Beeinflussung des Kinderwunsches (männlich oder weiblich) kann man laut unserem Guide auch ein paar Scheinchen opfern (am Altar hinterlassen), um sich so finanzielles Glück zu sichern. Ob die Rechnung aufgeht?!

Der Rückweg vergeht dank interessanter Unterhaltungen schnell und zurück in Hanoi verabreden wir uns mit den Beiden noch zum Abendessen.

Tag 99: Mit dem Nachtbus nach Hue

Ursprünglich wollten wir von Hanoi nach Sapa (in den nördlichen Bergen Vietnams), aber da das Wetter immer schlechter wird und in Sapa mittlerweile Regen und bis zu 0°C angesagt sind, orientieren wir uns Richtung Süden. Leider regnet es auch in Ninh Binh, so dass wir uns dazu entschieden, direkt nach Hue und von dort nach Hoi An zu fahren.

Ein "falsches" Sinh Tourist. Selbst die richtige Hausnummer (52) wurde auf dem Eingangsschild elegant integriert

Ein „falsches“ Sinh Tourist. Selbst die richtige Hausnummer (52) wurde auf dem Eingangsschild elegant integriert

Eine gute und kostengünstige Möglichkeit in Vietnam zu reisen, sind die „Open Bus“-Tickets. Wir haben uns ein Ticket von Hanoi bis nach Ho Chin Minh City gekauft und machen Stopps in Hue, Hoi An, Nha Trang und Da Lat. Man kann in jeder Stadt so lange bleiben wie man will und das Ticket kostet nur 50$ für die über 2.000km langen Reise in den Süden. Wir buchen bei „Sinh Tourist“ und folgen der Empfehlung des Lonely Planet. Interessanterweise finden wir auf der angegeben Straßen mindestens zehn Reisebüros, die alle „Sinh Tourist“ heißen. Ein beliebter Trick in Hanoi, doch zum Glück haben wir davon schon gehört und finden anhand der Hausnummer das richtige Büro.

Shopping auf der Schuhstraße

Shopping auf der Schuhstraße

Bevor unser Nachtbus abfährt, haben wir noch einen vollen Tag in Hanoi. Wir nutzen den Tag um nochmal lecker essen und ein bisschen shoppen zu gehen. Nach über 3 Monaten sind meine FlipFlops ziemlich durchgetreten und auch die ersten T-Shirts und Leggins haben es  hinter sich. In Hanoi kann man super Einkaufen und wir sind schneller fündig als uns lieb ist. Man muss schließlich nur die richtige Mottostraße finden und hat dann eine prima Auswahl und Vergleichsmöglichkeit. Nachdem wir alle unsere planmäßigen Erledigungen geschafft haben, sind noch fast 3 Stunden übrig.

Für 7$ kann man sich hier 70 Minuten verwöhnen lassen

Für 7$ kann man sich hier 70 Minuten verwöhnen lassen

Zum Glück kommen wir auf die grandiose Idee, uns eine Fußmassage zu gönnen. Obwohl wir einen eher günstigen Laden wählen, ist die Massage königlich. Während sich unsere Füße in einem warmen Wasserbad auf die Massage vorbereiten, werden Arme, Nacken und Kopf massiert. Nach einer fast einstündigen oberfußmeisterlichen Massage wird dann auch der Rücken kurz bearbeitet, bevor wir völlig entspannt den Laden verlassen. Jetzt sind wir bestens für die 14-stündige Busfahrt nach Hue gerüstet.

Nach einem „Berliner Döner“ (zumindest wurde es so beworben, es war aber vielmehr ein Fladenbrot mit Fleisch und vietnamesischen Soßen) erreichen wir die Busstation von „Sinh Tourist“.

Vor der Fahrt im Liegebus ist die Laune noch gut

Vor der Fahrt im Liegebus ist die Laune noch gut

Wir reisen in einem Liegebus und werden die ganze Nacht durchfahren. Wir sitzen in der ersten Reihe und obwohl ich nicht mal 1,80 groß bin, sind die Stühle etwas zu kurz. Nach einem Film auf dem Laptop und ein bisschen Musik schlafen wir irgendwann während der holprigen Fahrt ein.

Tag 100: Regen und Reiseburnout

Irgendwann werde ich wach und schaue aus der Frontscheibe nach vorne. Der Bus fährt ein bisschen zu weit links und verlässt langsam die Fahrspur. Der Bus lenkt ein und wir fahren wieder nach rechts, aber anstatt auf der Spur zu bleiben fährt der Bus jetzt über die Gegenfahrbahn und verlässt die  Fahrbahn dann komplett! Vor uns tauchen die ersten Bäume auf und ich schaue entsetzt auf den Fahrer, der mit dem Kopf auf der Brust eingeschlafen ist. Um den Fahrer zu wecken rufe ich laut „HEY“ und werde wach. Zum Glück war es nur ein Traum, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es im Schlaf für alle hörbar gerufen habe.

In der Zitadelle von Hue

In der Zitadelle von Hue

Mit einiger Verspätung und fast 16 Stunden im Bus kommen wir endlich in Hue an. Wir haben wieder ein nettes und günstiges Hotel gefunden und ruhen uns ein wenig aus. Draußen nieselt es ein wenig, aber wir entscheiden uns trotzdem für einen Ausflug zur bekannten Zitadelle. Hue liegt in der Mitte von Vietnam und hier lebte einst ein Herrscher, der Norden und Süden vereinen wollte. Ein Anliegen, dass dieses Land sehr geprägt hat. Vor dem Gebäude ist ein riesiger Fahnenturm und ein paar alte Militärefahrzeuge werden ausgestellt. Das weitläufige Gelände der Zitadelle von Hue können wir allerdings nicht in Ruhe besichtigen, denn aus dem Nieseln ist mittlerweile richtiger Regen geworden und wir machen uns zügig auf dem Heimweg.

Nach 100 Tagen auf Reise merken wir langsam die zuvor im Internet beschriebene Reisemüdigkeit.

Wir kaufen noch ein bisschen Proviant. Danach haben wir entgültig die Nase voll...

Wir kaufen noch ein bisschen Proviant. Danach haben wir entgültig die Nase voll…

Die vielen Eindrücke, ständig wechselnden Unterkünfte und das Kennenlernen von neuen Menschen erschöpft uns und obwohl Vietnam ein tolles Land mit Geschichte, Sehenswürdigkeiten und vielen spannenden Reisezielen ist, haben wir gerade einfach genug. Das Wetter tut sicherlich seinen Teil dazu, denn mittlerweile haben wir Dauerregen. Wir beschließen am nächsten Tag einfach mal nichts zu machen und es auch in den nächsten Tagen etwas ruhiger angehen zu lassen.

Tag 101: Auszeit in Hue

Mehr als ein Foto aus dem Hotelzimmer können wir heute nicht bieten

Mehr als ein Foto aus dem Hotelzimmer können wir heute nicht bieten

Wir nutzen den verregneten Tag um ein bisschen in uns zu gehen und uns mal wieder ein wenig zu ordnen. Eine Weltreise ist kein Urlaub, auch wenn das von außen vielleicht schwer nachvollziehbar ist. Der Drang „möglichst viel zu sehen und zu erleben“ lässt ein wenig nach und macht Platz für die nächste Phase der emotionalen Weltreise. Wir sind gespannt!

Zum vorherigen Beitrag (Von Can Tho bis zur Halong-Bucht)