Gauner, Kamele, Tiger und Schlangen

Tag 52: Überschwemmung in Kolkata

Überschwemmung in Kolkata

Überschwemmung in Kolkata

Schon am gestrigen Abend hat der Regen begonnen und es hat die ganze Nacht in Strömen durchgeregnet. Das Abwassersystem hat keine Chance und als wir am nächsten Morgen aufstehen und die anderen verabschieden, steht das Wasser über 30cm auf den Straßen. Die Hotels sind aber vorbereitet und haben einen Steg zu den Taxis aufgestellt, bei denen das Wasser bis knapp unter die Türschwelle reicht. Wir bleiben alleine zurück und starten mit unserem Tag.

Wir waten zum Post-Office

Wir waten zum Post-Office

Wir wollen ein paar Dinge nach Deutschland schicken und müssen, um zum etwa 400m entfernten Postoffice zu kommen, durch knietiefes Wasser waten. Zum Glück ist ein Versand von hier gar nicht so teuer (ca. 20,- € für 4kg). Gespannt beobachten wir, wie das Paket verpackt wird. Zunächst wird es in eine Plastiktüte gesteckt, dann in Leinen eingenäht und zum Schluss mit einem Aufkleber und zusätzlich mit einem Edding adressiert. Wir hoffen es kommt an! (Leider wollte der Postbeamte bei der Prozedur nicht fotografiert werden…)

Am Nachmittag wagen und waten wir dann nochmal aus unserem Hotel, essen etwas und kaufen ein. Erstmals gelingt es uns in Ruhe in einem normalen (europäischen) Geschäft zu stöbern (ohne dauernd bequatscht zu werden) und kaufen neue Flip-Flops und eine Schlabberhose für Yvonne. Nach zwei Wochen finden wir zum ersten Mal auch einen kleinen Supermarkt und kaufen ein wenig Proviant. Morgen geht die Reise mit Flugzeug und Bahn weiter nach Jaipur.

Tag 53: Weiterreise mit Betrügereien

Um halb sieben morgens brechen wir am Hotel auf. Clever wie wir sind, lassen wir das Taxi vom Hotel organisieren um von den Taxifahrern nicht übers Ohr gehauen zu werden. Von wegen clever… Im Taxi finden wir heraus, dass der Hotelmanager uns 200 IR (2,50 €) und damit 40% des Reisepreises zu viel berechnet hat. Da wir das Hotel online über Agoda gebucht haben, bleibt mir aber wenigstens der Trumpf, diese Betrügerei in meine Bewertung einfließen zu lassen. Wie wichtig eine gute Reputation in der Reisebranche ist, scheinen die Herren noch nicht mitbekommen zu haben.

Vorsicht vor Taxivermittlern

Vorsicht vor Taxivermittlern

In Delhi gelandet machen wir eine lange Pause im entspannten Flughafen, um nicht im stressigen Delhi auf unseren Zug warten zu müssen. Wir nehmen schließlich ein Taxi zur Bahnstation. Wie empfohlen nehmen wir diesmal ein offizielles Pre-Paid Taxi, um uns von den freien Taxifahrern nicht übers Ohr hauen zu lassen. Ich bezahle an der Station und merke erst im Taxi, dass mich der Vermittler im Flughafengebäude durch einen Fingertrick um 400 IR (ca. 5€) erleichtert hat. Nachdem ich mit einem 500er bezahlt habe, tauscht er diesen blitzschnell unter der Theke gegen einen 100er und lässt mich in dem Glauben, ihm versehentlich den falschen Schein gegeben zu haben. Der nächste Betrugsversuch folgt nur wenige Minuten später und kommt vom Taxifahrer, der behauptet unser E-Ticket für den Zug wäre ungültig und müsste in (s)einem Reisebüro gegen ein richtiges Ticket eingetauscht werden. Kurz irritiert durchschauen wir diese Schwindelei aber und weisen den Fahrer an, umgehend den Bahnhof anzusteuern, wo wir in unseren (wieder komfortablen) Zug nach Jaipur steigen.

In Jaipur wartet auch schon der nächste Ganove auf uns. Schon beim Aussteigen werden wir von einem Mann beobachtet, der uns dann sofort an den Versen klebt. Die Alarmglocken klingeln sofort, doch obwohl wir ihn ignorieren, er folgt uns bis zum Pre-Paid Taxistand. Als wir dort unsere Hoteladresse angeben, redet der Mann auf den Koordinator ein und tatsächlich bekommen wir sein TukTuk zugewiesen. In diesem Moment reicht es! Yvonne gibt laut und deutlich zu verstehen, dass wir nicht mit diesem Mann fahren werden. Sowohl der Mann im Taxistand, als auch unser Verfolger sind erschrocken und während uns der Mann im Taxistand einen neuen Fahrer zuweist, sucht der Verfolger das Weite. Männer, die Europäer am Bahngleis abfangen, führen nie was Gutes im Schilde.

Schon nach einem Tag alleine merken wir, dass wir als alleine reisende Europäer scheinbar die Aufschrift „Weihnachtsgans, bitte ausnehmen“ tragen. Gut, dass wir durch unseren Guide die ersten Wochen geschützt waren und darauf vorbereitet sind. Mit knapp 8,- €  Lehrgeld haben wir uns bisher ganz gut geschlagen und haben nun Hotelpersonal und offizielle Verkaufsstellen auf unserer potentiellen Betrügerliste hinzugefügt. Dies ist leider eine weniger schöne Seite unserer Reise, aber dafür sehr lehrreich.

Tag 54: Rajasthan – wunderschönes Jaipur

Der Palast der Winde

Der Palast der Winde

Unser Hotel ist nett und orientalisch dekoriert. Schon morgens erwartet uns ein TukTuk-Fahrer, den Bhu uns vermittelt hat und der uns den ganzen Tag zu unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten begleiten wird. So ersparen wir uns ständige Diskussionen mit neuen Fahrern und brauchen keine linken Touren fürchten. Unser erstes Ziel ist der Palast der Winde, der mit seiner einzigartigen Architektur mit vielen kleinen Fenstern beeindruckt. Gegenüber treffen wir einen Schlangenbeschwörer, wir können die Schlange anfassen und ich darf mich sogar selbst als Schlangenbeschwörer versuchen. Die Schlange erträgt meine Musik gutmütig!

Das Amber Fort

Das Amber Fort

Als nächstes besuchen wir das Amber Fort. Wir machen uns ohne Guide auf den Weg und erklimmen die Bergfestung. Auf dem Weg und im Inneren ist ein reges Treiben. Einige Besucher kommen auf Elefanten geritten, indische Schulklassen kreuzen unsere Wege und es wimmelt von indischen und ausländischen Touristen. Die Gebäude haben prunkvolle Eingangstore, große Plätze und tausende von kleinen Gängen, Fenstern und Balkone. Lediglich größere Aufenthaltsräume sehen wir selten – ökonomische Raumplanung stand hier damals scheinbar nicht im Fokus. Aufgrund der Lage auf dem Fels haben wir zudem eine sehr schöne Aussicht auf das Umland.

Für unser Mittagessen folgen wir einer weiteren Empfehlung von Bhu und finden uns in einem Hinterhof wieder, der ein nettes offenes Restaurant und ein Turbanmuseum beherbergt.

Yvonne spielt Sitar

Yvonne spielt Sitar

Das Mittagessen schmeckt köstlich und wir bekommen nicht nur eine Privatvorstellung von einem indischen Musikanten, sondern dürfen uns auch  selbst versuchen. Im Anschluss an das Essen besuchen wir dann das Turbanmuseum, wo wir erfahren, dass das Tuch eines Turbans 9m lang ist und es zahlreiche unterschiedliche Wickelweisen gibt, die die Herkunft des Trägers beschreiben.

Wir besuchen am Nachmittag noch den Jaipur City Palace und die Amber Hall, wo wir einige Museen besichtigen. Neben Kunstwerken, Münzen, traditionellen Gewändern und alltäglichen Gegenständen werden überall auch viele orientalische Waffen ausgestellt. Auch hier wurde scheinbar viel gekämpft. Als letztes besuchen wir ein Planetarium aus dem 18ten Jahrhundert. Mithilfe von riesigen Gebäuden wurden damals Sonnen- und Mondbewegbungen interpretiert und Sternenkonstellationen analysiert.

Am frühen Abend fühlt sich Yvonne plötzlich gar nicht mehr gut und sie wird ein weiteres Mal durch das indische Essen oder von den unhygienischen Zuständen ausgeknockt. Somit mache ich mich später alleine auf die Suche nach einem Bankautomat. Der erste ist leider außer Betrieb und der andere unauffindbar, so dass ich mich lediglich fast verlaufe und ohne frisches Bargeld ins Hotel zurückgehen muss.

Tag 55: Weiterreise nach Pushkar

Das fehlende Bargeld rächt sich sofort. Obwohl noch am Vortag nachgefragt hatten, klappt die Bezahlung mit Kreditkarte nicht. In Indien ist nur Bares Wahres und wir haben die nächste Lektion gelernt – immer jede Menge Cash mitführen. Zum Glück können wir die Situation mal wieder über Bhu deichseln und müssen nicht an unsere Notfall-Dollar. Bhu kennt den Hotelmanager und wird unsere Rechnung bezahlen und wir geben ihm das Geld in Delhi zurück.

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Ankunft am berühmten Pushkar-Lake

Die Bahnfahrt klappt problemlos und wir lernen einen jungen Mann kennen, der uns bei der Suche unseres Abteils hilft. Der Mann ist Arzt und reist ebenfalls nach Jaipur. Aufgrund unserer Erfahrung sind wir anfangs sehr skeptisch, aber wie sich später herausstellt, ist der Mann tatsächlich Arzt und kein Ganove und als Dank für seine Hilfe lassen wir ihn in unserem Taxi mitfahren.

Am Nachmittag hatten wir eigentlich eine Kamelsafari geplant, aber Yvonne geht es noch nicht gut.

Süße kleine Gassen in Pushkar

Süße kleine Gassen in Pushkar

Wir gönnen uns somit lieber noch etwas Erholung und machen einen kurzen Ausflug an den berühmten Pushkar-Lake, schlendern durch die kleinen Gassen der Stadt und besichtigen einen Brahma-Tempel. Ein paar vor dem Hotel rumlungernde Gauner wimmeln wir gekonnt ab. Das kleine indische Dorf ist eine nette Erholung zu den lauten und wilden Großstädten. Hier könnte man durchaus ein paar Tage bleiben, zumal wir in einer kleinen Suite untergebracht sind.

Tag 56: Kamelsafari und eine verzögerte Bahnfahrt

Kamelsafari

Kamelsafari – Wir freuen uns!

Am nächsten Morgen haben wir uns gut erholt und starten die geplante Kamelsafari. Man sitzt ganz schön hoch, aber die Sattel sind sicher. Unsere Safari führt uns ins Hinterland Pushkars wo wir durch das sandige Buschwerk reiten. Wir sehen einige kleine Dörfer und bekommen einen Eindruck, wie die Inder hier außerhalb der Großstädte leben. Unser Führer berichtet uns, dass in Pushkar in wenigen Tagen ein großes Festival beginnt, zum dem etwa 100.000 Inder und 20.000 Kamele erwartet werden. Leider passt das nicht zu unseren Reiseplänen, denn wir haben bereits die nächsten Tage verplant.

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Am Nachmittag fahren wir zum Bahnhof und suchen unser Bahngleis, aber zu unserem Erschrecken müssen wir feststellen, dass der gebuchte Zug nirgends aufgeführt wird. Wir fragen uns durch, doch die Bahnangestellten sprechen nur sehr wenig Englisch, so dass wir lediglich erfahren, dass unser Zug zwei Stunden Verspätung hat.

Wir stehen auf der Liste - hier sind wir richtig!

Wir stehen auf der Liste – hier sind wir richtig!

Wir vergewissern uns nochmal an anderer Stelle und setzen uns in einen Wartesaal. Nach etwa eineinhalb Stunden machen wir uns auf die Suche nach weiteren Informationen, aber der Zug ist weder angeschlagen, noch auf einer Leuchttafel. Die Durchsagen am Bahnhof sind auf Hindi, so dass uns das auch nicht weiterhilft. Zum Glück finden wir einen Mann im Wartesaal, dem wir unser Problem schildern können und der uns Bescheid gibt, als unser Zug endlich eintrifft. Auf dem Bahngleis stellen wir dann fest, dass der Zug eine andere Zugnummer hat und sind irritiert. Dann sehen wir aber unsere Namen auf der Passagierliste und steigen beruhigt ein. Mit 3 Stunden Verspätung fährt unser Zug endlich los.

Wir haben uns einen Wecker gestellt und wachen gegen 22.30 auf. Da es in unserem Schlafabteil weder eine Anzeige noch Durchsagen gibt und unsere eigentlich Ankunftszeit nicht mehr stimmt, sind wir wachsam und steigen Gott sei Dank an der richtigen Station aus. Wir werden von unserem Safari Guide bereits erwartet, der ebenfalls drei Stunden am Bahnhof auf uns gewartet hatte – oh je!

Tag 57: Dschungel, Tiger und auf den Spuren von Indianer Jones

Tigersafari im Rathambore Nationalpark

Tigersafari im Rathambore Nationalpark

Heute Morgen stehen wieder früh auf und fahren mit einem offenen Truck in den Ranthambore National Park denn wir eine Tigersafari gebucht. Wir sind noch müde, haben die schlechtesten Plätze im Truck (hinten, Mitte) und sehen nur einige indische Hirsche, so dass die Stimmung anfänglich eher verhalten ist. Das ändert sich schlagartig als unser Tourguide den Warnruf eines Hirsches wahrnimmt. Ein Tiger ist in der Nähe und wenig später sehen wir ihn in einiger Entfernung im hohen Gras. Das Glück ist uns holt: Nach kurzer Zeit beginnt der Tiger mit einem Streifzug und wir starten die Verfolgung.

Ein Sambar/Pferdehirsch suhlt sich

Ein Sambar/Pferdehirsch suhlt sich

Unbeeindruckt von den drei Safaritrucks überquert der Tiger direkt vor uns die Straße. Wir sind leider im letzten der drei Autos, können ihn aber auch aus unmittelbarer Nähe beobachten und einige schönes Fotos schießen. Später erfahren wir, dass unsere drei Autos, die einzigen (von etwa 50 Safaritrucks) waren, die einen Tiger gesehen haben und mache Touristen mehr als fünf Safaris gemacht haben, ohne überhaupt einen Tiger zu sehen. Auf dem Rückweg sehen wir noch einigen gigantischen Banyanbaum. Ein guter Start in den Tag und es kommt noch besser.

Unbeeindruckt läuft er an uns vorbei

Unbeeindruckt läuft er an uns vorbei

Tom und Georgi - zwei sympathische Briten

Tom und Georgi – zwei sympathische Briten

Nach der Safari plaudern wir mit zwei Briten, die wir am Morgen schon kurz getroffen haben und die mit einem privaten Fahrer unterwegs sind. Die Beiden sind uns auf Anhieb sympathisch und laden uns ein, Sie am Nachmittag zu einem Fort inmitten des Dschungels zu begleiten. Wir zögern nicht lange und sagen sofort zu. Tom und Georgi sind auch für fast ein Jahr unterwegs, allerdings für 5 Monate in Indien und 5 Monate in Südostasien. Wir tauschen uns lebhaft über unsere Erfahrungen in Indien aus und erreichen wenig später das Dschungelfort.

Die Bewohner des Dschungelforts

Die Bewohner des Dschungelforts

Wir fühlen uns wie auf den Spuren von Indianer Jones. Das Fort ist wenig touristisch und liegt auf einer Anhöhe inmitten des Dschungels. Obwohl die Gebäude noch zu erkennen sind, ist deutlich zu sehen, dass die Natur schon seit vielen Jahren daran arbeitet diese Anhöhe zurück zu erobern. Überall wuchern Pflanzen und die einzigen Bewohner sind zahlreiche Affen, Papageie, Pfaue, Schlangen und andere kleine Tiere. Im Gegensatz zu Indianer Jones müssen wir aber nicht vor riesigen Felskugeln davonlaufen, Fallen ausweichen oder uns gegen Dschungelpriester behaupten, sondern können die gut Ruinen in Ruhe und im Schein des Sonnenuntergangs genießen.

Die Krönung des Tages - ein perfekter Sonnenuntergang

Die Krönung des Tages – ein perfekter Sonnenuntergang

Am Abend gehen wir noch mit den Beiden essen und da wir herausgefunden haben, dass Tom nicht nur in einer Band (Quinns Quinney) Gitarre spielt, sondern seine Gitarre auch dabei hat, verabreden wir uns zu einer Jamsession. Ein perfekter Ausklang (im wahrsten Sinne des Wortes) zu diesem rundum gelungenen Tag.

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