Freiwilligenprojekt in Thailand, Teil 3

Tag 130: Alltag in Thailand

Dank meines „Lazy Monday“ habe ich wieder einen entspannten Morgen und kurz bevor ich unsere Unterkunft auf dem Weg zum Unterricht verlasse kommt mir Yvonne ziemlich genervt entgegen. Montagmorgens ist sie im Kinderkarten und kann sich logischerweise am Schwersten mit den thailändischen Kindern, die gerade erst das englische Alphabet lernen, verständigen. Eigentlich sollten die Lehrer insbesondere im Kindergarten die Lehrstunde mit unterstützen. Unter dem Vorwand eines Meetings wurde Yvonne aber mit 40 schreienden Kindern alleingelassen, von denen eins dann auch noch den Klassenraum vollkotzt. Nach der Stunde sieht sie die Lehrer eine Etage tiefer gemütlich beim Frühstück. Kein Wunder das sie sauer ist.

Langsam kommt Routine in den Unterricht

Langsam kommt Routine in den Unterricht

Bis auf diese kleine Eskapade kommt aber langsam Routine ins lehren und auch in unseren Alltag. Mein Unterricht klappt ganz gut und auch Yvonne hat nachmittags wieder angenehmen Unterricht. Nach dem Unterricht drehe ich wieder ein paar Runden auf dem Schulhof und danach gehen wir in einem thailändischen Restaurant mit unseren Freunden essen. Den Abend verbringe ich mit einem Buch und schreibe ein wenig für die Homepage der Schule. Wir haben uns mittlerweile an das Leben hier gewöhnt und es ist irgendwie toll, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben. Wer hätte das gedacht!?

Tag 131: Ein Besuch beim Friseur

Ein fleißiger Schüler

Ein fleißiger Schüler

Und schon wieder ein ganz normaler Unterrichtstag. Je nach Kenntnisstand und Lautstärke der Klasse klappt die vorbereitete Stunde mal besser mal schlechter. Morgens sind die Kids meist noch konzentrierter und die Nachmittagsstunden teilweise recht anstrengend. Wie in Thailand üblich, unterrichten wir volle Zeitstunden und ich kann jetzt nachvollziehen, warum man sich in Deutschland für 45 Minuten Unterrichtszeit entschieden hat, denn insbesondere die letzten 20 Minuten sind sehr laut. Wir stellen uns darauf ein und geben den Schülern für die zweite Unterrichtshälfte Aufgaben, wie das vervollständigen von Lückentexten oder einfachen Dialoge oder in den jüngeren Klassen auch das Abmalen und –schreiben von Gegenständen und Tieren. Während einige Schüler die Aufgaben in kürzester Zeit mit Bravour meistern, schaffen es Andere nicht einmal das Datum von der Tafel abzuschreiben. Natürlich gibt es auch hier fleißige und faule Schüler…

Gleich wird die Haarpracht rasiert

Gleich wird die Haarpracht rasiert

Heute steht nach sechs Wochen mal wieder ein Friseurbesuch an und wir gehen zu einem kleinen Salon, bei dem Ian auch schon öfter gewesen ist. Der Friseur spricht nur Thai. Wir vermitteln ihm in Zeichensprache wie er die Haare schneiden soll und dann geht es auch schon los. Der größte Teil wird mit der Maschine geschnitten und die Schere findet nur selten Verwendung. Meine Frisur ist zwar etwas anders als sonst, aber Ian versichert mir, dass ich sehr zufrieden sein kann. Wie bei vielen Thailändern wurden ihm nämlich bei seinem ersten Besuch die Seiten fast komplett wegrasiert.

Bevor wir zurück zum Appartement laufen, gehen wir zum Japaner Abendessen. Zum Glück gibt es auf dem Menü Bilder, so dass wir wissen was wir bestellen. Zum Nachtisch bestellt uns Ian noch einen Eisbecher „Earthquake“, der ziemlich groß ist und die letzten freien Lücken im Magen füllt.

Tag 132: Sportsday und Volleyballturnier

In Thailand gibt es für jeden Wochentag eine unterschiedliche Schuluniform. Am Mittwoch ist „Sportsday“ und die Lehrer und Schüler sind entsprechend leger gekleidet. Normalerweise ist zwar trotzdem normaler Unterricht, aber heute ist zusätzlich ein Volleyballturnier auf dem Plan.

Das Volleyballturnier beginnt

Das Volleyballturnier beginnt

Wir haben Besuch von den Teams der umliegenden Schulen und Vereine und am Nachmittag geht es  in der Turnhalle rund. Während ich am Vormittag noch normal unterrichte, kommen mir die Schüler der nächsten Klasse schon auf dem Weg zum Klassenraum entgegen und versuchen mit „Cheer Volleyball“ zu vermitteln, dass sie die Lehrerteams anfeuern wollen. Da die Sporthalle direkt neben den Klassenräumen liegt und ein Unterricht bei der Lautstärke des Turniers ohnehin nicht möglich wäre, sitzen wir wenig später in der Turnhalle.

Ich bin nur wenige Minuten in der Halle und schon bekomme ich wieder ein Mikrofon in die Hand gedrückt und werde aufgefordert, die Spiele anzusagen und zu kommentieren. Ich mache den Spaß natürlich mit und da ich die Spielstände dauernd durchgebe, können sich die Schüler zumindest die Zahlen einprägen. Die Mannschaften sind ziemlich gut und die Spiele sehenswert. Nach über eineinhalb Stunden ziehe ich mich während einer Pause unauffällig zurück, da wir am Nachmittag noch Pläne haben. Eine gute Entscheidung, denn wie sich später herausstellt geht das Turnier über sechs Stunden.

Zu zweit mit dem Kinderfahrrad zum "BigC"

Zu zweit mit dem Kinderfahrrad zum „BigC“

Am Nachmittag fahren wir zum „Big C“, einem großen Einkaufscenter, dass etwa zwei Kilometer von der Schule entfernt liegt. Teacher A hat uns freundlicherweise ihre Fahrräder angeboten, aber wie wir kurz darauf feststellen, besitzt sie nur ein Fahrrad und das gehört ihrer 9-jährigen Tochter. Zumindest hat das Fahrrad statt eines Gepäckträgers einen zweiten Sitzplatz und nachdem wir die Reifen mit ein bisschen „Wind“ aufgepumpt haben, fahren wir los. Obwohl das Fahrrad zu klein ist und wir ziemlich ulkig darauf aussehen müssen, kommen wir wenig später wohlbehalten beim Center an.

Die beiden philippinischen Lehrer Ian und Jayson haben uns heute zu sich nach Hause eingeladen und wir wollen gemeinsam kochen.

Ian hat uns zum Essen eingeladen

Ian hat uns zum Essen eingeladen

Wir haben seit Monaten nicht mehr selbst gekocht (außer in Kochkursen) und freuen uns auch sehr über die Einladung, die uns auch einen persönlichen Einblick in ihr Leben in Thailand geben wird. Wenig später betreten wir mit unseren Einkäufen die Wohnung. Es gibt zwei Räume, einen kleinen Balkon und ein winziges Badezimmer. Die ganze Wohnung hat geschätzt vielleicht 30m². Die Beiden teilen sich einen Wohnraum mit einem Schreibtisch, einem kleinen Plastiktisch, einer Kommode, einem Bett und einer Schlafmatte. Im Vorzimmer stehen ein Kühlschrank und eine Kleiderstange, die Küche besteht aus einer Herdplatte auf dem Balkon. Es ist simpel, aber vollkommen ausreichend und wir werden sehr herzlich empfangen.

Wir wollen ein deutsches Essen präsentieren und haben Zutaten für Gulasch eingekauft. Ian hat bereits philippinische Hähnchenschenkel zubereitet und kiloweise Schrimps gekauft, die in Knoblauch und Zitrone mariniert angebraten werden. Das ausgiebige Abendessen genießen wir sehr. Der Abend ist schön und wir werden uns immer vertrauter. In den ersten Tagen habe ich Ian einmal zum Joggen aufgefordert und fast 20 Minuten auf ihn gewartet, bis wir später festgestellt haben, dass er nur gescherzt hat. Seitdem ist das ein Insider und wir verabreden uns täglich um 5 Uhr zum Laufen, auch wenn ich nur jeden zweiten Tag und Ian gar nicht laufen geht.

Tag 133: Teachersday

Entweder ist es Zufall oder in Thailand sind dauernd irgendwelche Sondertage. Nach dem Kindertag in der letzten Woche ist heute „Teachersday“, der Tag für die Lehrer.

Weiß am Zug

Weiß am Zug

Vormittags gibt es einen Empfang im Lehrerzentrum, aber da wir ohnehin kein Wort verstehen würden und auch die anderen ausländischen Lehrer zu Hause bleiben, machen wir uns einen entspannten Vormittag.

Wir stellen dabei überraschend fest, dass wir uns langsam wieder Gedanken zu unserer Weiterreise machen müssen. Die Tage sind wie im Flug vergangen und in der nächsten Woche geht es schon wieder weiter. Wir nutzen die Freizeit, erkundigen uns über unsere nächsten Reiseziele und ich berechne einige Varianten der Fernschachpartie gegen meinen Freund Benedikt, die sich gerade in einer spannenden Phase befindet (s. Diagramm).

Am Abend werden wir abgeholt und fahren zum Lehrerzentrum und der dort stattfindenden Party. Es gibt eine riesige Halle und ich schätze 100 Tische für jeweils 8 Personen.

Ein Gruppenfoto mit unserem Schuldirektor

Ein Gruppenfoto mit unserem Schuldirektor

Alle Lehrer aus der Umgebung sind eingeladen und es gibt eine große Bühne, auf der kurz nach unserer Ankunft eine Rockband loslegt. Wir sitzen mit den Lehrern des Englischprogramms an einem Tisch und die Stimmung ist gut. Es gibt Softdrinks und für jeden Tisch sogar eine Flasche Whiskey, der aber nicht besonders schmeckt und weitestgehend verschmäht wird. Auf der Bühne gibt es einige Programmpunkte und der Direktor des Schulbezirks beteiligt sich fleißig und singt einige Karaoke-Songs. Zwischendrin gibt es immer wieder Verlosungen und am Anfang des Abends gibt es Bier und „Spy“, ein alkoholisches Mixgetränk, zu gewinnen. Der Alkoholkonsum ist hier aber sehr mäßig und es gibt keinerlei Auffälligkeiten.

Der Bezirksdirektor singt Karaoke und verteilt Geldscheine: So kommt die Partie in Schwung

Der Bezirksdirektor singt Karaoke und verteilt Geldscheine: So kommt die Partie in Schwung

Während die Band spielt beobachten wir den Direktor, der über die Tanzfläche läuft und 100 Baht-Scheine an die tanzenden Lehrer verteilt. Eine interessante Weise die Party in Schwung zu bringen. In den Bandpausen gibt es immer wieder Verlosungen und zum Schluss einige Hauptgewinne, so dass sich der Saal nicht frühzeitig lehrt. Am nächsten Tag erfahren wir, dass die letzten Gäste sogar mit 1.000 Baht (ca. 25 €) belohnt wurden. In Deutschland muss man die letzten Gäste meistens auf mehr oder weniger bestimmte Weise zum gehen bewegen.

Auf der Party treffen wir James aus Australien, einen weiteren Teilnehmer des Freiwilligenprogramms. James wurde einige Kilometer außerhalb in einer kleinen Stadt eingesetzt und hat eine völlig andere Erfahrung als wir.

Zu den Klängen einer thailänidschen Rockband wird fleißig getanzt

Zu den Klängen einer thailänidschen Rockband wird fleißig getanzt

Die Schule ist sehr klein und hat nur etwas mehr als 100 Schüler. Da es dort im Gegensatz zu unserer großen Schule kein Englischprogram gibt, gibt es auch keinen Englischunterricht und kein einziger Lehrer spricht Englisch. Er berichtet uns, wie er mit den Lehrern über Übersetzungs-Apps kommuniziert und es dabei häufig zu Missverständnissen kommt. Trotz der Kommunikationsbarriere empfindet er die thailändischen Lehrer als sehr bemüht und liebenswert und die Arbeit gefällt ihm so gut, dass er seinen Aufenthalt bereits um einen Monat verlängert hat. Als wir ihm berichten, dass wir in 20 unterschiedlichen Klassen mit jeweils 40 Schülern unterrichten, ist er genauso platt wie wir nach seiner Erzählung. Jede Erfahrung ist hier unterschiedlich und einzigartig.

Tag 134: Der vorletzte Unterrichtstag

How much is the fish?

How much is the fish?

Heute ist schon der vorletzte Unterrichtstag. Ich habe die ersten Klassen zum dritten Mal und als Unterrichtshighlight meine kleine Reisegitarre dabei. Wir wiederholen die Inhalte meiner letzten beiden Schulstunden und ich habe das Lied „How much is the fish?“ gedichtet, in dem die Schüler den jeweiligen Preis und den Refrain „I’m hungry, let’s have some food“ lautstark mitsingen. Der Unterricht klappt richtig gut, doch meine Euphorie wird nach dem Mittagessen gebremst. Die fünfte Klasse hat einen Vorbereitungsbogen für den nationalen Vergleichstest vorliegen und soll die ersten 10 Fragen beantworten. Da ich der Aufgabe des Klassenlehrers nicht wiedersprechen will, lasse ich die Schüler arbeiten und gehe einmal durch die Bänke. Nach einem Blick durch die Reihen und auf die Arbeitsblätter stelle ich fest, dass die Schüler völlig überfordert sind und nicht einmal den Fragen folgen können. Ich versuche mit Körpersprache und Zeichnungen an der Tafel zu helfen, aber es ist vergebens und den Schülern ist die Enttäuschung anzusehen. In den letzten 15 Minuten legen wir den Fragebogen zur Seite und singen doch noch ein wenig. Diese Stunde war alles andere als angenehm und ich ärgere mich über den Lehrer, der diese Bögen ohne Sinn und Verstand als Aufgabe verteilt hat. Ian berichtet mir am Abend, dass lediglich die Schüler des „Intensive English Program“ die Fragen beantworten können, aber die Vorschrift besagt, dass alle Schüler daran teilnehmen (und ggf. raten) müssen. Wir sind uns einig, dass man in dem Fall aber auch auf einen Vorbereitungsbogen verzichten kann.

Ich arbeite fleißig an der Website der Schule

Ich arbeite fleißig an der Website der Schule

Meine letzte Unterrichtsstunde findet dann aufgrund eines weiteren Tests nicht statt und ich nutze die Zeit um bei Yvonne in den Unterricht zu schnuppern. Sie hat gerade eine erste Klasse und der Unterricht ist toll. Die thailändische Lehrerin ist zur Unterstützung anwesend und die Erstklässler folgen Yvonne interessiert und aufmerksam.

Einen so disziplinierten und angenehmen Unterricht hatte ich nur selten und nach der Stunde sind wir fast ein bisschen wehmütig, dass heute schon unser vorletzter Unterrichtstag ist.Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

Nach meiner nachmittäglichen Laufeinheit gehen wir einkaufen und fahren danach zu Ian und Jayson um weiter an der Homepage der Schule zu arbeiten. In unserem Appartement funktionierte das Wifi leider nur ein paar Tage, aber da wir ohnehin gemeinsam kochen wollen, lässt sich das gut verbinden. Heute gibt es Spaghetti Bolognese und natürlich hat Ian wieder etwas zusätzlich eingekauft. Er hat einfach immer Hunger!

Tag 135: Ein neues Hilfsprojekt an der thailändischen Grenze

Wir treffen Jason (rechts) und die andere Freiwilligen

Wir treffen Jason (rechts) und die anderen Freiwilligen

Jason Nontakan, der Gründer des ICCVTT (International Community Center of Volunteer Teachers Thailand), hat uns heute zur Unterstützung seines neusten Projekts eingeladen. Das Center befindet sich in einer Nachbarstadt etwa 30 Kilometer von Sakaeo entfernt. Ian wird uns ebenfalls begleiten und wir machen uns somit gemeinsam auf den Weg.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem öffentlichen Bus erwartet uns Jason bereits, wir fahren gemeinsam weiter und erreichen wenig später das neu eröffnete Learning Center. An den Wochenenden finden hier seit kurzem Englischkurse für Erwachsene und Kinder der armen Einwanderer aus Kambodscha statt.

Der Austausch mit den anderen Freiwilligen und Jason ist interessant

Der Austausch mit den anderen Freiwilligen und Jason ist interessant

Drei weitere Freiwillige aus Großbritannien, die auch an einer der umliegenden Schulen arbeiten, haben Jason in den letzten Wochen und insbesondere an den Wochenenden bei der Initiierung des neuen Projekts unterstützt. Wir lernen ebenfalls Laurian kennen, mit der wir vor unserer Zeit in Thailand in Kontakt standen, um alle Informationen über das Freiwilligenprogram zu erhalten. Sie ist schon seit über 4 Monaten in Thailand und unterstützt Jasons Organisation. Das neue Learning-Center ist schön geworden und bietet zudem eine Unterkunft für die freiwilligen Helfer. Es ist toll sich mit den Anderen auszutauschen.

Nach einer kurzen Pause möchte Jason uns dann zeigen, worum es bei dem neuen Freiwilligenprojekt geht und wir fahren alle gemeinsam los.

Über ein abgeertetes Zuckerrohrfeld laufen wir zum Camp

Über ein abgeertetes Zuckerrohrfeld laufen wir zum Camp

Wir verlassen die Hauptstraßen und fahren über einen Schotterweg an ein paar Zuckerrohrfeldern vorbei. Wenig später halten wir und steigen aus. In einiger Entfernung ist ein kleines Waldstück und wir können kleine selbstgebaute Hütten erkennen. Mit ein paar Kisten voller Kleidung und Snacks gehen wir über den Acker und betreten das Gelände. Die kambodschanischen Einwanderer haben hier ein paar Hütten um einen kleinen verschmutzten Teich gebaut. Ein paar Kinder in dreckiger Kleidung laufen umher und wir treffen uns gemeinsam vor einer der einfachen Hütten. Jason erklärt uns, dass es sich bei den Siedlern um sehr arme Arbeiterfamilien aus Kambodscha handelt, die auf der Suche nach Arbeit nach Thailand gekommen sind und hier nun Zuckerrohr anbauen und ernten.

Die Behausungen der EInwanderer

Die Behausungen der EInwanderer

Die Arbeit wurde durch Mittelsmänner vermittelt und diese sind scheinbar auch die Einzigen die daran was verdienen, denn die Arbeiter selbst wissen nicht einmal ihren Stundenlohn. Bis auf eine junge Frau, die Jason und die Freiwilligen letzte Woche zufällig kennengelernt haben, kann hier keiner Englisch oder Thai. Die Behausungen sind ärmlich und die Vorstellung, dass die Bewohner das Wasser aus dem trüben Tümpel zum kochen, trinken, waschen und baden nutzen, ist alles andere als hygienisch. Von diesen Camps gibt es zahlreiche in der Gegend und die Zukunftsaussichten der Bewohner sind schlecht. In Kambodscha gibt es keine Arbeit und in Thailand werden sie ausgebeutet. Eine schwierige Situation und auch für die Helfer nicht einfach, denn zum Einen will man durch die Hilfe keine weiteren Einwanderer anlocken und zum Anderen die Bewohner (und ihre Kinder) nicht dem Elend überlassen.

Die Kinder haben schlechte Zukunfsaussichten

Die Kinder haben schlechte Zukunfsaussichten

Das neue Projekt „Compassion without borders“ soll die Zukunftsaussichten der Kinder verbessern. In Zukunft sollen die Kinder jedes Wochenende in den Camps abgeholt und im Lerncenter von Freiwilligen in Englisch und Thai unterrichtet werden. Ohne Sprachbarrieren können sie dann später bessere Arbeit finden und dem Elend entkommen. Da das Projekt sehr neu ist, müssen die Voraussetzungen dafür aber noch geschaffen werden und unser Besuch im Camp ist dabei der allererste Schritt, denn die Kinder hatten bislang nicht einmal saubere Kleidung und Waschzeug.

Jason und die drei Freiwilligen aus Großbritannien haben in den letzten Tagen Kleidung, Snacks und Waschzeug gesammelt und wir dürfen die Dinge mit Ihnen überreichen. Jedes Kind, welches sich für den Sprachunterricht einschreibt, erhält frische Kleidung, ein Handtuch, eine Zahnbürste und eine Tüte mit Snacks. Die Kinder und ihre Eltern sind gerührt und die Situation ist traurig und schön zugleich. Die Kinder freuen sich riesig über die neuen Sachen und die ganz Kleinen können die vielen Geschenke noch nicht einmal richtig tragen. Mit einem Lächeln im Gesicht und schwerem Herzen verlassen wir das Camp.

Trotz dieser herzzerreißenden Szenen ist uns bewusst, dass hier nur ein ganz kleiner Schritt gemacht wurde und für eine langfristige Hilfe noch viel zu tun ist. Aktuell verfügt Jason nur über ein normales Auto und kann damit nur wenige Kinder zum Lerncenter befördern. Ein Minivan wäre erforderlich, aber dafür fehlt (noch) das Geld.

Das Neugeborene ist gerade einmal fünf Tage alt

Das Neugeborene ist gerade einmal fünf Tage alt

Bevor wir uns auf den Rückweg machen, gehen wir mit Jason essen und er erzählt uns viel über sich und die Freiwilligenprojekte in dieser Gegend. Er selbst hat in Amerika studiert und hätte dort sogar viel Geld (im Vergleich zu Thailand) verdienen können. Das Leben dort entsprach jedoch nicht seinen Vorstellungen und somit ist er seiner Berufung nach Thailand gefolgt, hat eine Stelle als Lehrer angenommen und ein Freiwilligenorganisation gegründet. Bis auf die Freiwilligen aus aller Welt hat er keine festen Mitarbeiter und mit seinem Beruf und der Organisation der Projekte zwei Vollzeitjobs. Über die Website www.freevolunteerthailand.org vermittelt er Freiwillige an fast 10 Schulen in der Umgebung und sein Lerncenter. Die Arbeit in seinen Freiwilligenprojekten ist im Vergleich zu vielen anderen Freiwilligenprojekten in Thailand kostenlos, denn er zählt auf die Unterstützung und die Motivation der Helfer und versucht alle Kosten über die Schulen zu decken. Mit dieser Einstellung ist er jedoch leider schon ein paar Mal auf die Nase gefallen, denn manche Freiwillige sind nach dem Motto „wenn es umsonst ist, muss ich auch nicht absagen“ einfach nicht erschienen oder Andere haben sichdie Kultur und das Leben in Thailand nicht eingelassen und sind einfach verschwunden. Mittlerweile gibt es dagegen zwar einen Vertrag, aber bis auf eine geringe Bearbeitungsgebühr (25$) sind die Freiwilligenprojekte inklusive Unterkunft und Verpflegung weiterhin kostenlos und auch für kurze Zeit (3 Wochen) möglich. Es ist toll zu erleben, wie selbstlos ein Mensch hinter einem Hilfsprojekt stehen kann. Jason hat das Lerncenter mit seinen privaten Mitteln finanziert und als er uns erzählt, dass er aufgrund seines renovierungsbedürftigen Hauses in einem Zelt auf dem Schulgelände schläft, sind wir baff.

Auch aus der Ferne könnt ihr helfen!

Auch aus der Ferne könnt ihr helfen!

Der Tag hat uns sehr beeindruckt und wir sind dankbar Teil der Projekte zu sein. Wer sich auf das Leben in Thailand einlassen und diese tollen Erfahrungen ebenfalls machen möchte, dem können wir eine Bewerbung uneingeschränkt empfehlen.

Auch aus der Ferne könnt ihr helfen! Für das Projekt „Thai Friends: Compassion without Borders“ und den dringend benötigten Minivan (zum Transport der Kinder) wurde ein Spendenaufruf gestartet. Wir haben auf unserer Reise schon viel Armut gesehen, aber mit Geld allein (ohne zuverlässiger Organisation) kann man nur selten helfen. Bei diesem Projekt wissen wir, dass das Geld ankommt und nicht zwischen Bürokratie und Korruption versickert und unterstützen den Aufruf damit gerne! Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Spende (jeder Betrag ist willkommen) findet ihr unter: www.freevolunteerthailand.org/thai-friends.html