Freiwilligenprojekt in Thailand, Teil 2

Tag 124: Start in die erste Woche

Unterrichtsbeginn

Unterrichtsbeginn

Die erste reguläre Unterrichtswoche beginnt entspannt. Montag ist für mich „Lazy Monday“, denn ich habe meinen ersten Unterricht erst um 11:00 Uhr und kann ausschlafen. Yvonne müsste schon um 08:30 Uhr im Kindergarten sein, aber das viele thailändische Essen der letzten Tage hat ihrem Magen ziemlich zugesetzt und sie muss heute zwangspausieren. Die anderen Lehrer haben dafür viel Verständnis, denn das passiert vielen neuen Lehrern und Freiwilligen in den ersten Tagen.

Die viete Klasse

Die vierte Klasse

Aus den Erfahrungen des ersten Tages habe ich meinen Unterricht etwas verfeinert. Wir machen ein Aufwärmspielchen mit Benennung aller Körperteile, sprechen über Tiere und Sportarten und ich erläutere den Unterschied zwischen „Like“ und „Don’t like“. Tafel und Körpersprache sind dabei wichtige Hilfsmittel, denn ganze Sätze verstehen die Schüler weniger, auch wenn ich natürlich zum Hörverständnis alles ausführlich erkläre.

Wir werden täglich zum MIttagessen eingeladen

Wir werden täglich zum MIttagessen eingeladen

Zum Mittagessen gesellen wir uns wieder zu unserer Lehrergruppe vom Wochenende, bei der wir schon am letzten Freitag gespeist haben. Einige der Lehrerinnen kaufen jeden Morgen auf dem Markt ein, kochen vor der Mittagspause Reis (während des Unterrichts) und zur Mittagspause um 11.30 wird dann serviert. Wir müssen das umfangreiche Buffet natürlich probieren (Yvonne darf sich aufgrund der Krankheit etwas zurückhalten) und ich bin danach mehr als gesättigt. Obwohl wir Verpflegungsgeld von der Schule bekommen haben, weigern sich die Lehrerinnen Geld von uns anzunehmen.

Ian unterrichtet im "Intensive English Program"

Ian unterrichtet im „Intensive English Program“

Nach der Pause habe ich dann meine erste IEP-Klasse. Das „Intensive English Program“ geht mittlerweile ins vierte Jahr und die teilnehmenden Schüler haben Sprachunterricht sowie Biologie und Mathe auf Englisch. Für dieses Programm wurden 3 ausländische Lehrer angestellt, Ian, Jayson und Oneile von den Philippinen, zudem werden hier die etwas besser englischsprechenden thailändischen Lehrer eingesetzt. Die Schüler sind entsprechend wesentlich besser in Englisch und die dritte Klasse im IEP schon deutlich weiter als meine sechste Klasse vom letzten Freitag. Die Eltern müssen zwar eine zusätzliche Gebühr zahlen(ca. 25€ pro Monat), welche aber noch um ein Vielfaches geringer ist, als an Schulen die Unterricht mit Muttersprachlern anbietet. Das Programm hat sich mittlerweile etabliert und es nehmen schon etwa 280 Schüler daran teil. Zwei Schüler konnten sogar schon in nationalen Vergleichswettbewerben die ersten Plätze belegen und bei einem Sprachwettbewerb hat „Little Monkey“  (Tochter von Teacher A) den dritten Platz belegt.

Während der Vorstellungsrunde hatte Teacher A erfahren, dass ich mich beruflich mit Webseiten und Onlinemarketing beschäftigt habe und äußerte den Wunsch, das Intensive Englisch Program und das angeschlossene Freiwilligenprojekt der Anubanwatsakaeo Schule im Internet auf einer neuen Website zu präsentieren.

Unser erster Mitbewohner

Unser erster Mitbewohner

Ich bin zwar kein Webdesigner (was jedoch schnell in meine vorige Tätigkeit rein interpretiert wird), aber das Aufsetzen von einfachen Webseiten mithilfe von Content-Management-Systemen (CMS) ist mir durchaus geläufig und werde mich in den folgenden Tagen an einen ersten Entwurf setzen.

Am Abend fahren wir mit Ian und Jayson zu „Coffee Hills“, einer westlichen Kaffeebar etwas außerhalb der Stadt. Während Yvonne mit den Beiden plaudert, nutze ich die Zeit und das ausgezeichnete WiFi, um den nächsten Blogbeitrag einzustellen. Zurück im Appartement können wir dann unseren ersten Mitbewohner begrüßen, der auch direkt eine Aufgabe zugeteilt bekommt: Mücken fressen!

Tag 125: Wohnung einrichten und Volleyballtraining

Am dritten Unterrichtstag kehrt langsam ein bisschen Routine ein. Wir können uns ein bisschen auf den Kenntnisstand der Schüler einstellen und der Unterricht klappt dadurch deutlich besser. Ich habe zwar die Klassen 4, 5 und 6 an einem Tag, aber die Klassen 4 und 5 sind fast auf einem Level und die Klasse 6 nur unwesentlich weiter. Da die „normalen“ (nicht IEP-Klassen) keine englischsprechenden Lehrer haben, werden normalerweise nur die Workbooks abgearbeitet, Texte abgeschrieben oder einfache Begriffe gesprochen. Ich habe beschlossen den Fokus meiner Unterrichtsstunden auf einfache Unterhaltungen zu legen, denn teilweise wissen die Schüler noch nicht mal, wie man auf „How are you?“ antwortet und das sollte in drei Wochen doch zu schaffen sein.

Die "Five little Monkeys" kommen gut an

Die „Five little Monkeys“ kommen gut an

Yvonne hat mit den Klassen 1-3 eine andere Herausforderung, denn bei den Kleineren steht das Kennenlernen von Begrifflichkeiten und Sprachgefühl im Vordergrund. Auch hier ist jede Klasse auf einem anderen Niveau und jede Stunde gestaltet sich anders. In der ersten Klasse fangen die Kinder an, das englische Alphabet zu lesen, zu schreiben und auszusprechen. Die Kinder lassen sich zudem mit englischen „Nursery Reimen“ und einfachen englischen Kinderliedern begeistern. Yvonne singt mit ihrer Engelsstimme vor, was die Kinder nicht davon abhält, fleißig mitzusingen und die Lieder zu lernen. Die „5 little Monkeys“ werden so zum neuen Lieblingssong vieler junger Thailänder. Die Aussprache und das beständige Wiederholen von einzelnen Vokabeln stehen ebenfalls im Fokus.

Das Thema Zoo und Tiere kommt gut an und sämtliche Tiere, deren Farben sowie deren Lebensumwelt (Bäume, Pflanzen, Blumen, Wasser) werden benannt und besprochen.

Es wird fleißig gemalt und geschrieben

Es wird fleißig gemalt und geschrieben

Alle Begriffe werden an der Tafel gezeichnet und beschriftet und um diese Gedankenstütze zu festigen malen und schreiben die Kinder danach alles in ihre Hefte.

Nach dem Unterricht richten wir unser temporäres Heim ein. Hinter der Schule befindet sich eine alte Cafeteria, die bald abgerissen werden soll. Hier gibt es eine Menge aussortierte Schulbänke, Tische und alte Schränke. Wir dürfen uns dort frei bedienen und entscheiden uns für zwei Schulbänke (die wir später zusammenstellen und als Esstisch umfunktionieren), zwei halbwegs gut erhaltene Stühle, ein altes Regal (was für unsere Küche gedacht ist) und einen alten Schrank (der mal ein Kleiderschrank werden soll). Die Sachen sind fürchterlich verdreckt, aber wir machen sie gut sauber und Ian hilft uns und entzündet kleine Laubfeuer, damit uns die abendlichen Mücken nicht auffressen.

Abends hat mich Choke (ein thailändischer Lehrer) zum Volleyballspielen eingeladen. Wie ich schnell feststelle spielen wir nicht nur aus Spaß, sondern es handelt sich um ein komplettes Volleyballtraining. Der Sport ist hier sehr populär und die Thailänder sind entsprechend gut. Meine bescheidenen Fähigkeiten aus dem Schulunterricht und der ein- oder anderen Partie im Urlaub reichen gerade aus, um nicht völlig aus der Rolle zu fallen. Das Training macht Spaß, ist aber auch ziemlich anstrengend.

Obwohl ich das Training nach knapp 2 Stunden etwas früher verlasse, ist es schon spät und Yvonne wartet auf mich mit großem Hunger. Nachdem der Japaner gegenüber der Schule auch geschlossen hat, essen wir in einem Straßenrestaurant. Das Essen ist gut, aber das servierte Wasser (gefiltertes Leitungswasser), das ich nach dem Sport durstig trinke, ist weniger magenverträglich und diesmal bin ich fällig.

Tag 126: Unterrichtsmethoden und der lokale Markt

Bei mir ist nur die erste Reihe brav

Bei mir ist nur die erste Reihe brav

Mittwochs habe ich einen etwas homogeneren Unterricht und fast nur fünfte Klassen. Trotzdem ist es ein abwechslungsreicher Tag, denn nicht nur der Kenntnisstand innerhalb der Stufen variiert, sondern auch die Lautstärke innerhalb der Klasse. Während manche Klassen gespannt meinem Unterricht lauschen, ist es in der nächsten Nerv tötend laut. Die thailändischen Lehrer sorgen hier noch mit Stockschlägen für Ruhe, aber das wollen wir in keinster Weise, auch wenn mir eine Lehrerin vor der Stunde hilfsbereit ihren Stock in die Hand drückt. Der Schlag mit dem Stock (in Yvonnes jüngeren Klassen wird auch gerne an den Ohren gezogen) ist hier noch eine übliche Praxis und wird auch von Seiten der Eltern gestattet. Ian erzählt uns dazu später, dass er am Anfang auch auf den Stock verzichten wollte und von einem Elternteil höchstpersönlich mit der Empfehlung „Wenn mein Sohn zu laut ist, verpassen sie im einfach ein paar Stockschläge!“ konfrontiert wurde. Als einzelner Lehrer ist es schließlich nicht einfach auf die Züchtigung zu verzichten, denn die Kinder haben sich daran gewöhnt und wissen genau, mit wem sie sich was leisten können. Durch unsere Hautfarbe, Sprache und kurze Aufenthaltsdauer haben wir aber eine Sonderstellung und können die Aufmerksamkeit der Schüler auf andere Art und Weise gewinnen.

Vor der Schule befindet sich ein großer Sportplatz

Vor der Schule befindet sich ein großer Sportplatz

Am Nachmittag gehe ich wieder laufen. Da die Schule mitten in der Stadt liegt und ich die Umgebung nach der letzten Erkundung als weniger geeignete Laufstrecke einstufe, begnüge ich mich auf ein paar Runden um den Sportplatz. Die Umgebung ist zwar nicht besonders spannend, aber dafür habe ich Gesellschaft. Ein paar Schüler laufen ein bisschen mit, ich klatsche ein paar andere ab und ein anderer Schüler begleitet mich zwei  Runden auf dem Fahrrad. Die Freude steht den Kindern ins Gesicht geschrieben und dadurch macht das Laufen natürlich dreifach Spaß.

Auf dem lokalen Markt

Auf dem lokalen Markt

Am Abend haben wir uns mit Ian und Jayson auf dem lokalen Markt verabredet. Jeden Mittwoch und Freitag gibt es nicht weit von der Schule einen großen Markt mit jeder Menge Essen, Kleidung und Alltagsgegenständen. Es gibt unzählige Stände mit kleinen Snacks, Fleisch, Gemüse, Eiern, Nachtisch, Nudeln und Reisgerichten. Schon während der Marktbesichtigung verputzen wir eine gegrillte Wachtel (oder so was ähnliches) und ein paar Eier mit Chillisauce. Wir kaufen ein ziemlich großes Abendessen und  laufen danach gemeinsam zu unserem Appartement, wo wir ausgiebig speisen.

Tag 127: Kindertag und Neueröffnung des Hauptgebäudes

Alle Schüler versammeln sich vor der Schule

Alle Schüler versammeln sich vor der Schule

Heute gibt es keinen Unterricht, denn es ist Kindertag. Zudem wird heute das neue IEP-Schulgebäude offiziell eröffnet, so dass es gleich zwei Anlässe zu feiern gibt. Wir wurden zwar nicht über den Ablauf informiert, aber man hat uns gesagt, dass es um 07:00 Uhr losgeht. Wir erscheinen pünktlich und stellen fest, dass noch nichts los ist. Wenig später erfahren wir, dass die Vorbereitungen um 07:00 Uhr beginnen und diese Startzeit für uns (da wir keine Aufgabe zugeteilt bekommen haben) natürlich Quatsch ist. Informationsfluss ist hier so eine Sache… Eine Stunde später geht es dann aber pünktlich mit der Flaggenzeremonie los. Kurz darauf besuchen uns ein paar Mönche zur Einweihung des neuen Hauptgebäudes, denn früher war die Anubanwatsakaeo Schule eine von Mönchen geführte Schule (Wat = Tempel).

Direkt im Anschluss gehen wir mit den knapp 2.000 Schülern in die Sporthalle. Nachdem sich die Halle gefüllt hat, leiten die beiden Moderatoren auf thailändisch (wir verstehen kein Wort) den Kindertag ein. Offensichtlich gibt es eine kurze Programmverzögerung und natürlich fällt den beiden nichts Besseres ein, als die beiden unschuldig zuschauenden Freiwilligen Lehrer aus Deutschland nach vorne zu holen und ihnen das Mikrofon in die Hand zu drücken. Nach einer kurzen Aufwärmübung kommt Yvonne so in den Genuss, die „Five little Monkeys“ nicht vor einer Klasse mit 40 Schülern, sondern der ganzen Schule vorzusingen, was sie souverän meistert.

Die Kinder betreten aufgetackelt die Bühne

Die Kinder betreten aufgetackelt die Bühne

Kurz darauf beginnt das Kinder-Programm und wir können uns wieder auf die Zuschauerplätze zurückziehen. Die Musik wird aufgedreht und die erste Klasse betritt die Bühne mit einer Tanzchoreographie.  Die Kids haben gut geübt und die Stimmung ist gut. Die Schüler(innen) sind teilweise erst 6 oder 7 Jahre alt und die Tanzvorführung  süß, aber gleichzeitig auch befremdlich. Die Mädels tragen kurze Kleider, jede Menge Macke-Up und machen anzügliche Tanzbewegungen, was uns dem Alter entsprechend etwas unpassend erscheint. Hier ist das aber scheinbar normal und selbst die Kinder aus dem Kindergarten betreten aufgetakelt die Bühne.

Es gibt den ganzen Tag über Tanzvorführungen

Es gibt den ganzen Tag über Tanzvorführungen

Zur Mittagspause gibt es ein reichhaltiges Buffet. Viele Eltern betreiben beruflich kleine Restaurants oder Imbissstände und haben diese heute in der Schule aufgebaut. Die Speisen werden von den Eltern kostenlos zur Verfügung gestellt und wir können frei wählen. Ich entscheide mich für ein Nudelgericht und Yvonne für eine Suppe. Wir sitzen wieder mit einigen Lehrern zusammen, trinken Kaffee und essen ein Eis. Während des ganzen Tages werden Spenden von den Eltern gesammelt und zur Mittagszeit sind schon fast 400.000 Baht (ca. 10.000 €) zusammen gekommen. Im Laufe des Nachmittags erhöht sich die Summe noch auf knapp 700.000 Baht. Bevor wir uns zurückziehen, schauen wir nochmal in der Sporthalle vorbei, wo immer noch Tanzvorführungen stattfinden. Hinter der Halle steht noch eine lange Schlange kostümierter Kids. Als wir nach etwa eineinhalb Stunden wiederkommen ist aber alles vorbei und selbst die Aufräumarbeiten scheinen weitestgehend abgeschlossen.

Abendessen in der Poolbar mit Ian (l) und Jayson (r)

Abendessen in der Poolbar mit Ian (l) und Jayson (r)

Am Abend treffen wir uns wieder mit Ian und Jayson zum Abendessen. Wir testen eine neu eröffnete Poolbar, die schon von weitem durch einen kleinen Leuchtturm zu sehen ist. Das Ambiente ist ganz schön: Es gibt einige Pools, den besagten Leuchtturm und sogar eine kleine Bühne, auf der kurz bevor wir aufbrechen eine thailändische Band mit ihrem Programm beginnt. Das Essen ist aber eher mäßig und doppelt so teuer wie in thailändischen Restaurants, so dass wir in Zukunft woanders speisen werden. Es ist interessant, wie sich unser Verhältnis zu Geld während der Reise verändert hat. Ein Bier kostet in der Poolbar 90 Baht (ca. 2€), was in Deutschland ein üblicher, wenn nicht sogar günstiger Preis wäre. Hier empfinde ich es aber als sehr teuer, da wir in den meisten Restaurants ein komplettes Abendessen dafür bekommen und unsere sonstigen Ausgaben bei weniger als 10€/Tag liegen. Damit würde ein Bier im Restaurant 20% des Tagesbudgets verschlingen und ich verzichte gerne. Ist das nachvollziehbar?!

Tag 128: Freitag, der Zweite

Spongebob unterstützt mich im Unterricht

Spongebob unterstützt mich im Unterricht

Die Zeit vergeht wie im Flug und heute haben wir die ersten Schulklassen zum zweiten Mal. Ich habe mir eine kleine Story ausgedacht und damit mir die Kinder folgen können, vermittel ich Diese mit zwei bekannten Figuren. Spongebob und Patrick unterhalten sich auf der Tafel und nachdem wir die Themen Sport und Tiere wiederholt haben, gehen die beiden gemeinsam in ein Restaurant und bestellen sich ein paar Gerichte. Dabei versuche ich den Kindern zu vermitteln, wie man essen bestellt „I like to have …“ und wie man nach dem Preis fragt „How much is it?“, was in den ersten beiden Stunden ausgezeichnet funktioniert. Nachmittags sind die Klassen aber wieder deutlich lauter und der Unterricht dadurch anstrengend.

Reichhaltiges Fleischangebot auf dem Markt

Reichhaltiges Fleischangebot auf dem Markt

Abends gehen wir wieder auf den lokalen Markt. Neben einem Abendessen sind wir heute auch auf der Suche nach ein paar Artikeln für unser Appartement, denn schließlich sind wir die ersten Mieter und wollen es uns (und unseren Nachfolgern) noch etwas gemütlicher machen. Nach kurzer Suche finden wir eine Tischdecke und ein paar Dekoartikel. Danach stellen wir uns wieder ein köstliches Menü zusammen und gehen gemeinsam zurück. Natürlich werden die neuen Wohnungsaccessoires sofort angebracht und nach dem Essen berichtet Ian von seinem Leben auf den Philippinen, wo er auf einer einfachen Farm aufgewachsen ist.

Wir verschönern die Wohnung

Wir verschönern die Wohnung

Das Leben dort unterscheidet sich immens vom Aufwachsen in einer westlichen Kultur. Er musste jeden morgen früh (um 04:00 Uhr) aufstehen und seiner körperbehinderten Großmutter helfen und auch nach der Schule gibt es wenig Freizeit. Das Einkommen in den ländlichen Gebieten der Philippinen ist sehr gering und wird von einflussreichen profitgierigen Unternehmern kontrolliert. Nur durch die Unterstützung von Bekannten konnte Ian sein Studium finanzieren und unterstützt jetzt seine Cousine, um auch ihr eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Um hier über die Runden zu kommen und gleichzeitig noch Geld nach Hause zu schicken, muss er ordentlich haushalten. Wir finden den Austausch sehr interessant und berichten auch über die europäische Konsumgesellschaft, die viel verdient und viel ausgibt.

Tag 129: Ein verzögerter Ausflug

Teacher A hat uns dieses Wochenende zu sich in ihr Elternhaus eingeladen und wir haben diese Einladung natürlich gerne angenommen. Wir sind gespannt wie sie aufgewachsen ist und wollen auf dem Weg (fast 300km entfernt) noch ein paar Sightseeingstopps einlegen. Wir haben uns um 10:00 Uhr verabredet und sind natürlich für diese Uhrzeit startklar, als um 9:45 eine kurze Nachricht von ihr über Facebook kommt. „Ich brauche noch ein bisschen. Bitte habt noch ein wenig Geduld“. Unsere erste Annahme „ein bisschen“ bezieht sich maximal auf eine Stunde, erweist sich als falsch. Gegen 13:00 Uhr werden wir dann doch ein wenig ungeduldig und schreiben ihr eine weitere Nachricht, die mit „vielleicht noch eine Stunde“ beantwortet wird. Gegen 15:00 Uhr melden wir uns wieder und bekommen die Information „in 20 Minuten geht’s los“. Kurz vor 16:00 Uhr fahren wir dann mit über sechs Stunden Verspätung wirklich los. Wie wir im Auto erfahren, muss Teacher A heute ihre Masterarbeit abgeben und auf dem Weg zu ihrem Haus auch noch bei der Uni vorbeifahren müssen.

Bis auf einen Tempel im Dunkeln sehen wir heute nichts

Bis auf einen Tempel im Dunkeln sehen wir heute nichts

Jetzt erklärt sich auch die lange Verzögerung vor der Abfahrt. Ein besserer Informationsfluss zur Planung des Wochenendes wäre sehr wünschenswert gewesen, denn bis auf einen Stopp in ihrer Uni und einem Stopp für ein paar Instantnudeln in einem Supermarkt (die Restaurants haben schon zu) sitzen wir die ganze Zeit im Auto, draußen ist es dunkel und die Ausflugslaune etwas getrübt.

Kurz nach Mitternacht kommen wir dann endlich an. Das Haus ist sehr einfach und es gibt nur einen Schlafraum, in dem wir alle gemeinsam schlafen. Es gibt nur ein richtiges Bett mit Matratze, was uns großzügig angeboten wird. Auch wenn der Ausflug etwas komisch begonnen hat, ist es eine Erfahrung, in einem normalen thailändischen Haus zu schlafen und die Familie ist sehr lieb.

Tag 130: Rückfahrt nach Sakaeo mit Sightseeingstopps

Teacher A mit ihrer Tochter und Mutter

Teacher A mit ihrer Tochter und Mutter

Der Morgen beginnt sehr gemütlich. Teacher A muss heute Vormittag noch Wählen gehen und wir verbringen die Zeit mit „Little Monkey“, ihrem Mann Aot und thailändischen Fernsehserien. Wir haben auch Zeit, uns unsere Unterkunft ein wenig genauer anzusehen. Das Haus ist sehr einfach und im vorderen Bereich betreibt Teacher As Mutter einen kleinen Laden. Die ganze Nachbarschaft kommt täglich vorbei und bekommt hier warme Mahlzeiten, Lebensmittel und Haushaltsartikel. In Thailand wird nicht viel selbst gekocht und alle kaufen in den kleinen lokalen Restaurants und auf den Märkten ihre Mahlzeiten.

Kurz nach Mittag brechen wir dann auf und machen unseren ersten Stopp in einer Pizzeria, die eine Freundin von Teacher A vor kurzem eröffnet hat. Die Freundin spricht sehr gut englisch, was daran liegt, dass sie einen amerikanischen Ehemann hat und auch kurz in Amerika gelebt hat.Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

Bei blauem Himmel besuchen wir einen Tempel

Bei blauem Himmel besuchen wir einen Tempel

Das Leben in Amerika hat ihr aber nicht besonders gefallen (in Thailand findet sie alles entspannter und es gibt  nicht so viele Vorschriften) und hat mit ihrem Ehemann beschlossen wieder nach Thailand zu ziehen und eine Pizzeria zu eröffnen, der noch weitere folgen sollen.

Nachdem wir ausgiebig und lange gegessen haben, fahren wir weiter und besuchen einen Tempel, der oberhalb der Stadt liegt.

Das Jahr der "Mouth" (gans links) amüsiert uns

Das Jahr der „Mouth“ (gans links) amüsiert uns

Der Tempel gefällt uns sehr gut, was durch die tolle Aussicht über die umliegende Gegend und den perfekten blauen Himmel bestärkt wird. Im Eingangsbereich stehen zahlreiche Buddha Staturen. Nach dem chinesischen Kalender ist jedes Jahr nach einem Tier benannt und hat eine besondere Bedeutung.

Alle 12 Jahre wiederholen sich die Jahre und jedes Jahr hat eine besondere Bedeutung. Irgendjemand hat versucht die Tiernamen auf Englisch zu übersetzen und das Jahr der Ratte als Jahr der „Mouth“ übersetzt (wahrscheinlich sollte es „Mouse“ heißen, was dann zwar richtig geschrieben, aber inhaltlich immer noch falsch wäre). Gut das die jüngeren Generationen jetzt qualifizierten Englischunterricht bekommen. 😀

Eine tolle Parkanlagen in Nahkon Sawan

Eine tolle Parkanlagen in Nahkon Sawan

In der Nähe des Tempels können wir noch einen riesigen Buddha besichtigen und fahren danach weiter in die Stadt.

Hier gibt es eine schöne Parkanlage um einen künstlich angelegten See. Teacher A hat in dieser Stadt studiert und erzählt von den vielen Stunden, die sie im Park mit Freunden beim Lernen verbracht hat. Wir halten kurz und ich laufe mit Yvonne ein paar Minuten durch den Park und wir bewundern eine riesige Drachenstatur.

Der Affentempel

Der Affentempel

Mittlerweile ist es schon später Nachmittag und wir machen uns langsam auf den Rückweg. Während der Fahrt sehen wir einen alten Tempel inmitten einer Stadt, der von unzähligen Affen bevölkert wird.

Wir halten an und Yvonne und ich schauen uns das ganze aus der Nähe an, während die anderen im Auto warten. Nicht nur der alte Tempel, sondern auch die umliegenden Häuser werden von den Affen belagert und offensichtlich werden die tierischen Bewohner toleriert, denn man hat riesige Affenstaturen neben den Tempel gestellt und die umliegenden Häuser mit zusätzlichen Schutzgittern ausgestattet. Die Affen sitzen auf der Straße, turnen auf den Häusern herum und sind einfach überall.

Nachdem wir auf einem lokalen Markt zu Abend gegessen haben, machen wir uns endgültig auf die Rückfahrt. Gegen 22:30 erreichen wir nach mehrstündiger Fahrt wieder unsere Schule in Sakaeo. Insgesamt waren wir jetzt 30 Stunden unterwegs, sind über 600 Kilometer gefahren, haben 14 Stunden im Auto und 12 Stunden in Teacher A’s Haus verbracht und hatten für Sightseeing und Restaurantbesuche lediglich 4 Stunden. Ein solches Sightsseeing/Reiseverhältnis versuchen wir sonst tunlichst zu vermeiden, aber wir wissen, dass es gut gemeint war und wir haben einige sehr schöne Erfahrungen und Einblicke bekommen können. Zudem kann ich glücklicherweise auch während der Autofahrt am Laptop arbeiten und konnte so ein bisschen schreiben.

Zum vorherigen Beitrag (Freiwilligenprojekt in Thailand, Teil 1)