Delhi, Rishikesh und ein Bad im Ganges

Tag 36: Zwischenlandung in Mumbai

Wir frühstücken ein letztes Mal in Afrika und fahren mit dem Shuttle zum Flughafen. Dieses Mal geht alles glatt und wir sind pünktlich für unseren neunstündigen Flug nach Mumbai und haben danach noch einen zweistündigen Flug von Mumbai nach Delhi vor der Nase. Zwischen Südafrika und Indien gibt es einen Zeitunterschied von dreieinhalb Stunden. Gegen Mitternacht kommen wir in Mumbai an und erfahren, dass wir trotz unserer Bemühungen am Flughafen in Johannesburg unser Gepäck aus- und wieder einchecken müssen. Vom Flieger aus fahren wir sage und schreibe 20 Minuten zu unserem Schalter. Der Flughafen in Mumbai wirkt chaotisch. Wir müssen wir unser Gepäck ein paar Mal durchleuchten lassen, dauernd Flugticket und Ausweis vorzeigen und uns durch chaotischen Menschenmassen kämpfen, aber im Endeffekt klappt alles nach Plan.

Tag 37: Ankunft in Delhi: Kulturschock

Noch bevor der Flieger aus Mumbai seine Reisehöhe erreicht hat, nicken wir ein und schlummern bis zur Landung in Delhi. Der Flughafen ist im krassen Gegensatz zu Mumbai geordnet und sauber und erinnert mich ein wenig an Bangkok.

Der erste Blick aus dem Hotelzimmer in Pahar Ganj

Der erste Blick aus dem Hotelzimmer in Pahar Ganj

Leider ist der bestellte und bestätigte Flughafentransfer nicht erschienen, so dass wir uns durchfragen und mit einem normalen Taxi zum Hotel fahren. Wie wir später erfahren hätten wir uns innerhalb des Flughafens ein Pre-Paid Taxi für ca. 400IR (Indische Rupie, ca. 5 €) zuweisen lassen können. Wir fahren zwar mit offiziellem Taxameter, aber mit ein paar Umwegen und einer Flughafenparkgebühr kommen wir auf 730 IR. Um 6.00 Uhr kommen wir letztendlich am Hotel an, checken ein und  gehen umgehend ins Bett. Erst um 13.00 indischer Zeit werden wir wieder wach, fühlen uns aber immer noch nicht ganz ausgeschlafen und haben Hunger.

Delhi - die Straßen sind voll

Delhi – die Straßen sind voll

Obwohl wir durch unsere Reise nach Thailand 2010 nicht völlig überrumpelt sind, ist der Kulturschock nicht zu vermeiden. Die Straßen sind überfüllt mir Rikschas, Tempos (= Tuk-Tuk), Autos, Rollern, Karen mit Kühen und Fußgängern. Die Hupe ist auf den Straßen eindeutig das primäre Kommunikationsmittel und jeder versucht sich ohne viel Rücksicht (zumindest wirkt das so) den Weg durch den Verkehr zu bahnen. Unser Hotel liegt im Stadtteil Pahar Ganj, dem Marktviertel in Delhi, so dass wir uns ohne es bewusst geplant zu haben, den belebtesten Teil Delhis ausgesucht haben. Die volle Dröhnung 😉  Am Nachmittag stürzen wir uns ins Getümmel, meiner Meinung nach der beste Weg um einen Kulturschock zu überwinden.

In einer Factory gibt es eine riesige Auswahl an Sarongs

In einer Factory gibt es eine riesige Auswahl an Sarongs

Wir überqueren eine befahrene Straße und gehen durch einen Markt. Wir werden zwar angebettelt und von Verkäufern angesprochen, wissen aber damit umzugehen und gehen mit einem freundlichen Nicken einfach weiter. Obwohl wir schon einige Tricks kennen, fallen wir auf einen sympathischen indischen „Studenten“ herein, der nett mit uns plaudert, der uns aber im Endeffekt in ein privates Reisebüro, eine Mall (Teppich und Souvenirverkauf) und eine Factory (Seide und Textilwaren) führt. Bis auf ein Halstuch für Yvonne (für das wir wahrscheinlich zu viel zahlen), lassen wir uns aber nicht beirren und fahren mit einem Tempo zurück ins Hotel, wo wir zu Abend essen und unsere ersten Eindrücke Revue passieren lassen.

Tag 38: Treffen der Reisegruppe, Regierungsviertel

Wir überqueren eine befahrene Straße

Wir überqueren eine befahrene Straße

Ursprünglich wollten wir Indien komplett auf eigene Faust erkunden, haben dann aber drei Tage vor dem  Abflug aus Deutschland doch noch eine 2-wöchige geführte Tour gebucht. Eine sehr gute Entscheidung, wie wir später herausfinden. Bevor wir am Nachmittag die Reisegruppe treffen, entschließen wir uns mit der Metro in eine Mall zu fahren, die wir uns im Internet vorher rausgesucht haben. Auf dem Weg erklärt uns ein Tempo-Fahrer, dass der Strom für die Metro gerade ausgefallen ist und auch die Mall „Jeden zweiten Samstag im Monat geschlossen ist“, aber er uns zu einer anderen Mall fahren könnte – Ja, ne, is klar! Er redet wild auf uns ein, aber wir haben uns zum Glück vorher erkundigt und als sein Telefon klingelt, lassen wir ihn stehen und verdrücken uns.

Das India Gate

Das India Gate

Merke: Niemals unvorbereitet in die Stadt stürzen, ansonsten kommt man unwissentlich woanders aus oder wird zu  gefälschten Souvenirs überredet. Natürlich funktioniert die Metro einwandfrei und ist als Reisemittel in Delhi empfehlenswert. Die Mall ist allerdings ein Reinfall (nur wenige Geschäfte, total verlassen), so dass wir den Ausflug als Erfahrung im Metrofahren verbuchen.

Der Sitz der Regierung - hier ist es etwas geordneter

Der Sitz der Regierung – hier ist es etwas geordneter

Am frühen Nachmittag treffen wir dann unsere Reisegruppe und unseren Reiseleiter Buh! Wir sind nur eine kleine Gruppe: Jon, Sarah und Sam aus UK und James aus Kanada. Die nächsten zwei Wochen werden wir also zu siebt von Delhi nach Kolkatta reisen.

Am späten Nachmittag fahren wir dann gemeinsam zum Regierungsviertel, wo wir das „weiße Haus Indiens“, den Sitz des Präsidenten und das India Gate bewundern. Wir nehmen wieder die Metro und auf dem Rückweg kommen wir in den Berufsverkehr. Es ist rappelvoll und die Menschenmassen strömen durch die Gänge. Unsere britischen Mitreisenden sind sich sicher: Das toppt sogar die Londoner Rushhour. Da mir indisches Essen sehr gut schmeckt, freue ich mich über das leckere Essen, mit dem wir unseren Tag abschließen. Wir gehen früh schlafen, da der Wecker bereits um 5.00 klingeln wird, um die Bahn nach Rishikesh zu erwischen.

Tag 39: Rishikesh, Bahnfahren und ein Guru

Überraschend komfortabel - die erste Fahrt im Zug

Überraschend komfortabel – die erste Fahrt im Zug

Wir fahren mit einem Taxi zur Bahnstation und die Straßen sind ausnahmsweise noch nicht ganz so voll, so dass das Hupkonzert und die überfüllten Straßen zunächst ausbleiben. Die erste Bahnfahrt überrascht uns total. Wir hatten mit einem dreckigen überfüllten Zug gerechnet, aber stattdessen sitzen wir in einem schönen, leicht mitgenommenen Zug mit bequemen Sitzen und bekommen sogar Wasser und ein Frühstück serviert. Die Fahrt dauert etwa fünf Stunden, in denen wir ein paar Impressionen aus dem Fenster erhaschen und ein kleines Nickerchen machen.

Unsere Unterkunft in Rishikesh

Unsere Unterkunft in Rishikesh

Rishikesh liegt nördlich am Ganges und ist ein sehr religiöser Ort, was leider den Nachteil hat, dass dort weder Fleisch noch alkoholische Getränke serviert werden. Die Taxifahrt zu unserem Hotel ist wieder sehr spannend. Wir kämpfen uns durch den Verkehr und sehen unter anderem einen völlig überladenen LKW auf der Seite liegen. Das Hotel liegt oberhalb des Flusses etwas außerhalb und ist okay. Interessanterweise sind die Inder zwar zuvorkommend, bekommen aber in den Restaurants die Bestellungen nicht geregelt, obwohl unser Guide die Bestellungen geduldig nochmal auf indisch mit den Angestellten durchgeht. Das Essen dauert meist lange und kommt unregelmäßig: Während die einen schon fertig sind, haben andere noch gar nichts. Manche Speisen kommen auch gar nicht, aber da die Portionen üppig sind, werden immer alle satt.

Am Abend nehmen wir an einer hinduistischen Zeremonie direkt am „Ganga“, dem heiligen Fluss, teil. Wir verstehen zwar nichts, beobachten aber und lauschen dem meditativen Singsang. Heute sprich und singt sogar ein in Indien bekannter Guru für uns.

Das die Kuh hier ein heiliges Tier ist, wird uns ständig vor Augen geführt. Die Tiere liegen überall auf den Straßen herum und selbst wenn sie den Verkehr blockieren, fahren alle Drumherum und keiner verscheucht die Tiere.

Tag 40: Rafting und ein Bad im Ganges

Rafting auf dem heiligen Fluss Ganges

Rafting auf dem heiligen Fluss Ganges

Da wir die Reise sehr kurzfristig gebucht haben, war uns gar nicht bewusst, dass eine Raftingtour auf dem Ganges bereits inkludiert ist. Natürlich eine sehr willkommene sportliche Aktivität für uns. Die Fahrt auf dem Fluss macht sehr viel Spaß, ist aber nicht ganz so anspruchsvoll wie unsere Raftingtour auf dem Sambesi. Dafür machen wir zum Schluss noch einen Stopp zum Klippenspringen und auch so haben wir sehr viel Spaß auf dem Raft.

Nach dem Rafting nehme ich ein ausgiebiges Bad im heiligen Ganga.

Ein Bad im Ganges - für mich Pflichtprogramm

Ein Bad im Ganges – für mich Pflichtprogramm

Der Fluss ist in Rishikesh, am Fuß der Berge, noch sehr sauber und hat aufgrund der vielen Minerale eine trübe Farbe. Das Wasser ist aber völlig bedenkenlos. In Kolkatta werde ich wohl kein Bad mehr nehmen…

Am Abend fahren wir dann in die nächst größerer Stadt, um einer weiteren Zeremonie beizuwohnen. Waren gestern noch einige andere Touristen zu sehen, sind wir heute die einzigen Europäer und scheinbar auch keine alltägliche Erscheinung. Wir beobachten einige Inder, die mit ihren Handys und Kameras heimlich Fotos von Yvonne und Sarah machen und einige fragen uns Fotos mit ihnen zu machen, was wir auf anraten von Buh ablehnen, da wir ansonsten der Menschentraube nicht mehr Heer werden können. Nach der Zeremonie, an der mehr als 6.000 Personen teilnehmen, gehen wir noch einmal durch die Stadt und Jon kauft sich ein oranges Gewand. In der Nacht fahren wir wieder mit dem Tempo nach Hause, was aufgrund des starken Verkehrs knapp 80  Minuten dauert und uns ordentlich durchschüttelt.

Interessanterweise schlafen in Indien viele Leute auf und an den Straßen. In Afrika war die arme Bevölkerung hauptsächlich in den Townships untergebracht und auch in Indien gibt es einige eingerichtete Nachlager. Die Menschen an der Straße sind hauptsächlich Bettler, denen die richtigen Nachtlager zu weit sind oder Pilgerer, die sich keine Unterkunft leisten können.

Tag 41: Tempel, Berge und Affen

Unseren letzten Tag in Rishikesh wollten wir eigentlich mit einer Tour durch den Nationalpark verbringen, aber dieser ist leider noch geöffnet. Buh organisiert stattdessen einen Fahrer, der uns zu zwei Tempeln und einer Höhle fährt.

Affen bevölkern die Bergstraßen nördlich von Rishikesh

Affen bevölkern die Bergstraßen nördlich von Rishikesh

Die Tempel liegen in den Bergen, so dass wir über gewundene und mit Schlaglöchern gesäumte Straße aufwärts fahren. Dabei kreuzen einige Affen unseren Weg. Leider ist das Wetter heute etwas bewölkt, so dass die Sicht eingeschränkt ist. Bei perfektem Wetter kann man bis zum Himalaya sehen. Da wir dieses Glück leider nicht haben, werden wir die Gebirgskette wohl in ein paar Wochen aus der Nähe betrachten müssen.

Die Tempel sind nicht besonders prunkvoll, aber gut besucht und es gibt jede Menge Rituale. Eine völlig andere Welt als unsere gigantischen Kirchen und Kathedralen in Europa.

Meditiation am Ganges

Meditiation am Ganges

Zwischendurch nutze ich noch eine kurze Pause für eine Meditation am Ganges. Man ist ja schließlich nicht jeden Tag am heiligsten Fluss Indiens.

Am Abend fahren wir mit dem Tempo in die Stadt und essen im Lokal „Chotiwala“, das durch einen geschminkten Mann mit einem hochfrisiertem Zopf und Glatze bekannt geworden ist. Buh erklärt uns, dass das keinen religiösen Hintergrund hat, sondern nur eine Werbegag ist. Es scheint zu funktionieren. Morgen geht es mit dem Zug weiter nach Agra, wo wir das berühmte Taj Mahal, das rote Fort und vieles mehr sehen werden.