Coral Bay und ein Walhai in Exmouth

Tag 184: Coral Bay

Das Zelt steht noch

Das Zelt steht noch

Wir verlassen Monkey Mia und fahren weiter Richtung Norden. Wir wollen es heute bis nach Coral Bay schaffen und da die Strecke lang ist und es keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten gibt, sind wir heute die meiste Zeit auf der Straße. Ein Abstecher ins Inland und den Mt. Augustus wäre vielleicht noch interessant, kommt aber mit unserem Leihwagen mit Zweiradantrieb nicht ernsthaft in Betracht. Der Nissan Tiida gehört leider auch nicht zu den Spritsparern und da wir zudem die Klimaanlage (erzwungenermaßen) im Dauerbetrieb haben, müssen wir fast jede Gelegenheit zum Tanken nutzen.

Die Shark Sanctuary

Die Shark Sanctuary

Manchmal liegen die Tankstellen über 200-300km voneinander entfernt und je weiter wir in den Norden kommen, desto höher werden die Benzinpreise. Der Preisunterschied zwischen Geraldton und Coral Bay liegt bei über 40Cent/Liter (151 zu 193 Cent/Liter).

Am späten Nachmittag erreichen wir dann endlich Coral Bay. Wir stellen das leicht demolierte Zelt auf und machen als erstes einen kleinen Ausflug zum „Shark Sanctuary“ im Norden des Hauptstrandes.

Ein traumhafte Strand mit seichtem Wasser

Ein traumhafter Strand mit seichtem Wasser

Die Bucht ist als Brutstädte für kleine Riff- und Tigerhaie bekannt und wenn man Glück hat, kann man die kleinen Haie vom Ufer sehen. Wir sehen nur ein paar Rochen und können beobachten, wie einige Fische aus dem Wasser springen. Von den Haien lässt sich aber niemand blicken. Der flache Sandstrand und das Türkis leuchtende Meer sind aber auch schon ohne seine Seebewohner ein Traum.

Tag 185: Am Strand mit Snappern und Ärzten

Der Strand von Coral Bay

Der Strand von Coral Bay

Für heute haben wir einen Strandtag in Coral Bay eingeplant. Die Sonne ist schon morgens heiß und wir sind froh, dass wir ausreichend Sonnencreme dabei haben. Am Strand stehen einige Sonnendächer, so dass wir uns vor der direkten Einstrahlung schützen können. Während wir gemütlich am Strand liegen und lesen, gesellt sich ein deutsches Pärchen dazu. Offensichtlich sind die endlosen Weiten, traumhaften Sandstrände und der konstante Sonnenschein bei Deutschen sehr beliebt, denn man kann an den Campingplatzküchen schon fast wie selbstverständlich mit „Hallo, wie geht’s?!“ grüßen und liegt fast immer richtig.

Das Korallenriff in Coral Bay

Das Korallenriff in Coral Bay

Heiko und Angelika sind beide Ärzte, schaffen es aber regelmäßig eine Auszeit zu nehmen und über sechs Wochen die Welt zu bereisen. Die Beiden gehen gerne tauchen und schwärmen uns von tollen Tauchgängen vor. Wir haben zumindest schon einmal unsere Schnorchel dabei und wollen die küstennahen Regionen erkunden. Das größte Korallenriff an der Westküste, das Ningaloo Reef, erstreckt sich von Coral Bay bis in den Norden nach Exmouth. In Küstennähe sind zwar schon einige Korallenstöcke abgestorben (aufgrund von Verschmutzung und globaler Erwärmung) aber hier gibt es trotzdem noch einiges zu sehen. Wir wollen auch nichts dem Zufall überlassen und haben uns zwei Scheiben Toast eingepackt. Wäre doch gelacht wenn wir keine Fische vor die Kamera bekommen.

Ein Snapperschwarm umkreist uns

Ein Snapperschwarm umkreist uns

Unser Plan funktioniert etwas zu gut. Am Hauptstrand in Coral Bay kann man etwas nach Süden laufen und sich dann mit der Strömung zurück an den Strand treiben lassen. Schon auf den ersten Schnorchelmetern sehen wir die ersten Fische (u.a. einen etwa 50cm langen Snapper) und da das Licht stimmt, kommen die ersten Toaststücke zum Einsatz. Das Toast ist aber so beliebt, dass nur wenige Sekunden später ein ganzer Snapperschwarm um uns herum schwimmt und einer der Fische Yvonnes Finger mit einem Brotkrumen verwechselt. Yvonne hat darauf erst einmal keine Lust zu schnorcheln und ich fühle mich auch etwas komisch inmitten des Schwarmes.

Die Snapper haben keine Berührungsängste

Die Snapper haben keine Berührungsängste

Die Fische sind zwischen 30 und 60cm groß und die Mischung aus Körpergröße und Schwarmgröße flößt schon ein bisschen Respekt ein. Erst als wir das Toastbrot vollkommen entsorgt haben, lassen die Fische von uns ab und wir können das restliche Meeresleben in Augenschein nehmen.Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

Nach der unverhoften Unterwasserbegegnung ruhen wir uns im Schatten aus und plaudern noch ein wenig. Heiko erzählt uns, dass er es beruflich schon bis zum Oberarzt gebracht hatte, aber im Beruf alleine keine Erfüllung gefunden hat. Wir treffen auf unserer Reise viele Langzeitreisende, die aus unterschiedlichsten Lebenssituationen gestartet sind und eins haben alle gemeinsam: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und wir haben noch niemanden getroffen, der seine Reise bereut.

Tag 186: Mit Italienern nach Exmouth

Gestern Abend haben uns zwei Italiener angesprochen und gefragt, ob wir sie bis nach Exmouth mitnehmen können. Die Beiden sind richtig „Low-Budget“ unterwegs und reisen per Daumen oder Bus. Wir haben zwar zwei weitere Sitzplätze, aber zu viel Gepäck. Abhilfe schaffen schließlich zwei Engländerinnen, die mit einem Campervan unterwegs sind und sich als Gepäcktransporter anbieten.

Die Fahrt mit den Italienern ist interessant. Neben dem beliebten „Work&Travel“ ist in Australien auch das sogenannte „Wwoofing“ üblich, bei dem man für kostenlose Unterkunft und Verpflegung für vier Stunden/Tag arbeiten muss. Die Beiden hatten aber wenig Glück bei der Standortwahl und waren 150 Kilometer von der nächsten Ortschaft im Outback stationiert. Sowohl Verpflegung als auch Unterkunft waren weniger ansprechend und zum „Ausgleich“ sollten die beiden dafür den ganzen Tag arbeiten. Der Farmer hatte auch eine Tochter, die selten von hier wegkommt und aufgrund der großen Entfernungen über das Internet zur Schule geht. Kein Wunder, dass das isolierte Mädchen auf die Beiden etwas komisch wirkte. Die Geschichte (inkl. Flucht von der Farm) wird uns lebhaft vorgetragen und ist sehr unterhaltsam.

Die Fahrt von Coral Bay nach Exmouth dauert weniger als 2 Stunden und wir treffen uns am Touristencenter mit den Engländerinnen, um die Italiener wieder gegen unser Gepäck einzutauschen. Im Touristencenter holen wir alle nötigen Informationen ein. In Coral Bay und Exmouth kann man zwischen März und Juni Touren buchen und mit Walhaien schwimmen, die das Ningaloo Reef passieren. Es ist Anfang März und noch Vorsaison, aber die erste Tour des Jahres soll morgen starten.

Mit "Amazing North" kann man kräftig sparen

Mit „Amazing North“ kann man kräftig sparen

Das Tauchen mit Walhaien verschlingt mit 385$/Person einen ziemlichen Batzen unserer Reisekasse, aber da der Tourenanbieter eine Sichtungsgarantie gibt (wenn kein Walhai entdeckt wird, dürfen wir am nächsten Tag nochmal mit) entscheiden wir uns für die Buchung im Touristencenter. Nach den weißen Haien in Südafrika haben wir nun die Möglichkeit mit einem weiteren Meeresgiganten zu schwimmen – diesmal aber ohne Käfig. Nachdem wir die Buchung abgeschlossen haben, werden wir gebeten zum Tourenanbieter zu fahren, die weiteren Details zu klären und unsere Ausrüstung anzuprobieren. Dort erleben wir leider eine ernüchternde Überraschung.

Auf unsere Walhaitour hätte es 15% gegeben

Auf unsere Walhaitour hätte es 15% gegeben

Der Tourenanbieter gibt bei Direktbuchung und Verweis auf das überall ausliegende und kostenlose Gutscheinbuch „Amazing North“ einen Rabatt von 15% auf alle Touren, was in unserem Fall knapp 100$ gewesen wären. Die einzige Möglichkeit, diesen Preisnachlass zu bekommen wäre eine Stornierung seitens des Touristenbüros und eine erneute Buchung. Wir versuchen es und sprechen das Thema im Touristenbüro an, doch die Dame verweist stur auf eine 48h-Stornierungsfrist und der serviceorientierten Erklärung „Wenn wir die Tour stornieren, verlieren wir ja unsere Provision“. Vielen Dank, darauf wäre ich nicht gekommen! Ziemlich angesäuert verlassen wir das Touristenbüro. Wer in Westaustralien Touren zum Tauchen oder schwimmen mit Walhaien bucht, sollte sich demnach immer direkt an die Tourenanbieter wenden. Im „Amazing North“ ( www.cookstours.com.au) bieten die meisten Anbieter einen Rabatt zwischen 10-15% an.

Am Nachmittag checken wir im Lighthouse Caravan Park im Norden von Exmouth ein. Wir wollen den Abend am Jurabi Turtle Center verbringen, wo wir die Chance haben, frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys auf dem Weg zum Meer zu beobachten. Der Campingplatz liegt für dieses Vorhaben günstig, ist aber ansonsten der Schlechteste, der uns bisher untergekommen ist. Unser Zeltplatz liegt direkt hinter ein paar Mülltonnen, die Küche ist widerlich dreckig und sehr schlecht ausgestattet (zumindest Wasserkocher und Toaster sind eigentlich Standard). Das Eisfach können wir nicht nutzen, da hier (dem Geruch nach) schon seit Monaten Fisch gelagert wird und alleine der Geruch verursacht Brechreiz.

Sonnenuntergang am Strand beim Turtle Center

Sonnenuntergang am Strand beim Turtle Center

Auf dem Campingplatz treffen wir Heiko und Angelika wieder, die das gleiche Schicksal getroffen hat. Wir beschließen zusammen zum Turtle Center zu fahren und beim Sonnenuntergang ein Gläschen Rotwein zu trinken und auf die Schildkrötenbabys zu warten. Wir sehen zwar schon bei unserer Ankunft einige Spuren im Sand, aber erst nach zwei Stunden, als die Sonne komplett verschwunden ist, nehmen wir die erste Bewegung wahr. Eine Möwe im linken Blickfeld scheint etwas entdeckt zu haben und wir folgen dem Vogel und sehen kurz darauf eine winzige Schildkröte auf dem Weg zum Meer.

Eine frischgeschlüpfte Schildkröte auf dem Weg ins Meer

Eine frischgeschlüpfte Schildkröte auf dem Weg ins Meer

Das Fotografieren mit Blitz ist eigentlich untersagt, da dass die neugeborenen Tiere verwirren und den Weg zum Meer verhindern könnte, aber wir können uns ein einziges Foto nicht verkneifen. Im Gegenzug geben wir der kleinen Schildkröte Geleitschutz bis zur ersten Welle und die Gefahr durch Möwen und andere Jäger ist damit gebannt. Wir wünschen der kleinen Schildkröte (die wir kurzerhand „Freddy“ taufen) alles Gute und verabschieden uns vom Turtle Beach. Die nächsten Babyschildkröten sind jetzt auf sich alleine gestellt.

Tag 187: Tauchen mit Walhaien

Heute gehen wir mit Walhaien tauchen

Heute gehen wir mit Walhaien tauchen

Mit ein paar Minuten Verspätung werden wir an der Rezeption des Campingplatzes abgeholt und fahren mit dem Tourenanbieter zur etwa 10km entfernten Bootanlegestelle. Nachdem Passagiere und Proviant auf dem Boot angekommen sind, bekommen wir eine kurze Einleitung. Als erstes werden wir einen kurzen Schnorchelausflug machen und uns mit dem Wasser, Schnorchel und Floßen vertraut machen. Kurz darauf wird das sogenannte „Spotter-Plane“, eine kleines Sichtungsflugzeug starten und das Wasser außerhalb des Riffs nach Walhaien absuchen.

Der erste Schnorchelgang

Der erste Schnorchelgang

Die Experten sind sich nicht genau einig, aber die maximale Größe von Walhaien wird auf bis 18m Länge geschätzt und der Walhai ist damit der größte Fisch der Welt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Haien, fressen Walhaie Plankton und filtern dieses mit ihrem riesigen Maul aus dem Wasser. Zu diesem Zweck schwimmen die sanften Giganten oft an der Oberfläche und sind aus der Luft leicht zu finden.

Die Unterwasserwelt am Niangaloo Reef

Die Unterwasserwelt am Ningaloo Reef

Die erste Schnorchelrunde macht auch schon Spaß. Neben vielen bunten Fischen entdecken wir auch einen Rochen und eine Wasserschildkröte. Die Coralenstöcke sind noch weitestgehend unversehrt und schimmern in bunten Farben. Ein schöner Einstieg, der die Spannung auf die kommende Begegnung größer werden lässt.

Kurz nachdem wir aus dem Wasser gekommen sind, bekommen wir auch schon die vielversprechende Info. „Walhai gefunden, ca. 15 Minuten entfernt“ und das Boot setzt sich in Bewegung. Da die Tiere in Australien (und schon vielen anderen Ländern) unter Naturschutz stehen, gibt es Regeln und einen klar definierten Ablauf. Sobald wir die durchgegebenen Koordinaten erreicht haben, wird der Hai gesucht und ein Crewmitglied schwimmt rüber. Erst dann dürfen die Touristen folgen und sich rechts, links oder hinter (nicht vor) dem Giganten positionieren. Ein Sicherheitsabstand von 3 Meter (seitlich) und 4 Meter zur Schwanzflosse sind aus Sicherheit und Naturschutz einzuhalten.

Der Walhai taucht vor uns auf

Der Walhai taucht vor uns auf

Alles verläuft nach Plan und nach wenigen Minuten bekommen wir das „Go Go Go“! Wir schwimmen so schnell es geht zur angezeigten Stelle. Das Meer ist heute leider etwas unruhiger und die Sicht nicht optimal. Umso überraschender ist die erste Begegnung, als der gigantische Meeresbewohner auf einmal vor uns auftaucht. Der Walhai ist riesig und wird später auf etwa 8 Meter Länge geschätzt. Es ist ein wahnsinniges Gefühl neben dem Giganten herzuschwimmen und gerade vor der großen Schwanzflosse habe ich ordentlichen Respekt. Während des Tauchgangs haben wir keine Zeit zur Erholung, denn der Riese schwimmt mit einem gemütlichen schwingen seiner Schwanzflosse, während wir mit unseren kleinen Taucherflossen kräftig arbeiten müssen.

Yvonne und der geschätzt 8 Meter lange Hai

Yvonne und der geschätzt 8 Meter lange Hai

Wir haben nicht nur das Glück, das erste Tauchen mit Walhaien in dieser Saison in Exmouth mitzuerleben, sondern sind auch eine kleine Gruppe mit nur 10 Personen. Das hat den Vorteil, dass wir uns im Wasser nicht abwechseln müssen, da laut Naturschutzbehörde maximal 10 Personen bei einem Tauchgang gestattet sind. So können wir die Zeit an der Seite des Haies und seiner Begleiter in Ruhe genießen. Irgendwann gleitet der Walhai sanft in die Tiefe und wir machen eine kurze Pause auf dem Schiff.

Die Walhaie haben immer Begleitfische dabei

Die Walhaie haben immer Begleitfische dabei

Nach einer kurzen Verschnaufpause taucht der Hai wieder auf und wir machen uns für den nächsten Tauchgang fertig. Es ist genauso beeindruckend wir beim ersten Mal, doch das anstrengende schwimmen bei starken Wellengang fordert Tribut. Kurz vor Ende verschlucke ich mich fürchterlich und lasse mich zurückfallen. Yvonne schwimmt während dessen weiter und nur wenige Momente später bekommen wir zusätzlichen Besuch von einem Riffhai, der urplötzlich einen Meter unter Yvonnes Füßen auftaucht. Obwohl uns die Crew vorher versichert hat, dass keine unmittelbare Gefahr von anderen Haien ausgeht, ist der Schreck erst einmal groß.

Ein Riffhai taucht unter uns auf

Ein Riffhai taucht unter uns auf

Auch beim dritten Tauchgang bekommen wir wieder Besuch von einem größeren Riffhai, der plötzlich unter dem Walhai hochgeschossen kommt. Der Walhai ist unbeeindruckt, von der plötzlichen Aufregung genervt und taucht ab. Wir bekommen aber noch eine dritte Chance. Die Anstrengung der ersten Tauchgänge ist mittlerweile deutlich zu spüren und die Gruppe ist beim dritten Tauchgang schon kleiner geworden.

Glücklich und erschöpft

Glücklich und erschöpft

Wir fahren nach den drei Sichtungen des Walhais zurück auf die Innenseite des Riffs und essen ein leckeres Mittagessen. Der Wellengang war draußen ziemlich stark und wir sind freudig überrascht, dass weder Yvonne (Zugegeben mit Tablettenunterstützung) noch ich selbst mit der Seekrankheit zu kämpfen hatten. Einigen in unserer Gruppe erging es weniger gut.

Im seichten Wasser des Riffs machen wir noch einen weiteren gemütlichen Schnorchelgang, bevor wir langsam wieder die Heimfahrt antreten. Am Abend sind wir glücklich und geschafft. Was ein fantastisches Erlebnis!