Ankunft im Norden und Tongariro Alpine Crossing

Tag 218: Te Papa, Orcs und Levin

Im Te Papa Museum erfahren wir viel über Neuseeland

Im Te Papa Museum erfahren wir viel über Neuseeland

Was macht man, wenn es einfach nicht aufhört zu regnen? Zuhause bleiben oder in ein Museum gehen! Da unser Zuhause (der Camper) nur wenige Quadratmeter hat und schon jeden Abend herhalten muss, entscheiden wir uns für das Te Papa Museum. Mich kann nicht jedes Museum begeistern (eigentlich passiert das eher selten), aber das Te Papa Museum ist toll. Im Gegensatz zu vielen anderen Museen ist hier anfassen und ausprobieren ausdrücklich gewünscht und passend zu der Ausstellung gibt es spannende Dokumentationen und sogar ein 3D-Kino. Die spannende Geschichte des Landes mit den vielen Veränderungen der Landschaft und seiner Bewohner ist interessant dargestellt. Das Land liegt auf zwei Kontinentalplatten und bewegt sich horizontal und vertikal um mehrere Zentimeter pro Jahr. Dazu kommen zahlreiche Vulkane und gelegentlich heftige Erdbeben. Passend dazu gibt es z.B. einen Erdbebensimulator, der nicht nur Kinder begeistert.

Ein gigantisher Oktupus wurde aus der Tiefe geborgen

Ein gigantisher Oktupus wurde aus der Tiefe geborgen

Auch Geschichten aus der Schifffahrt, wie der Fang des bis heute größten Oktopus, die Geschichte der Maori oder die Ausstellung „Passports“ über die Geschichten eingewanderter Flüchtlinge sind interessant. Das Museum ist nicht nur bei Regentagen eine klare Empfehlung!

En Troll vor den "Weta Caves"

En Troll vor den „Weta Caves“

"Der nimmt doch bestimmt Anabolika!"

„Der nimmt doch bestimmt Anabolika!“

Das Wetter wird nicht besser und so entschließen wir uns für einen Besuch der „Weta Caves“, wo es eine Ausstellung zu Filmen von Peter Jackson (Regisseur von der Hobbit und der Herr der Ringe) gibt. Die Ausstellung ist zwar kostenlos, aber mit vielleicht 30 m² auch winzig. Der böse Oberorc (ich hab‘s getestet, er nimmt Anabolika) und die Trolle vor dem Eingang sind schon die Highlights. Ansonsten gibt es nur ein paar Rüstungen und Waffen in Schaukästen und Miniaturfiguren, die für einige Hundert Dollar verkauft werden sollen.

Den restlichen Tag verbringen wir mit der Weiterfahrt nach Levin, wo wir uns auf dem Campingplatz ausruhen und auf den nächsten Tag vorbereiten. Zum Abendessen gibt es eine große Portion Nudeln. Morgen früh starte ich beim „Great Forest Half Marathon“.

Tag 219: Halbmarathon und thermale Quellen

Startschuss beim "Great Forest Half Marathon"

Startschuss beim „Great Forest Half Marathon“

Der Wecker klingelt und ausnahmsweise bin ich sofort hellwach. Nach einem leichten Frühstück fahren wir nach Waitarere, wo der Halbmarathon startet. An der Veranstaltung nehmen laut Angaben des Veranstalters etwa 3.500 Läufer und Walker teil, aber das Startfeld beim Halbmarathon ist mit vielleicht 600 Startern überschaubar. Der Name „Great Forest Marathon“ ist Programm und die Strecke verläuft die vollen 21 Kilometer durch den Wald.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl verteilt sich das Feld schnell und ich finde meinen Rhythmus. Die Trainingsläufe auf der Südinsel haben nicht nur Spaß gemacht, sondern haben auch Einiges gebracht und das ständige auf- und ab macht mir wenig aus. Die Dame von Runtastic (Handy-Laufapp) gibt mir zur Belohnung gute Zwischenzeiten durch und die Musik meiner Band Grounded motiviert zusätzlich. Auf halber Strecke mache ich das Handy aus und genieße den Lauf. Selbst auf den letzten Kilometer gibt es keinen Einbruch und trotz der hügeligen Strecke unterbiete ich mit 1:48:58 meine bisherige Bestzeit um über 5 Minuten. Ein schönes Highlight unserer Reise. Erschöpft und zufrieden verlassen wir Waitarere.

Erschöpft und zufrieden mit neuer Bestzeit im Ziel!

Erschöpft und zufrieden mit neuer Bestzeit im Ziel!

Heiße Quellen: Genau das richtige für müde Beine!

Heiße Quellen: Genau das richtige für müde Beine!

Am Nachmittag sitzt Yvonne am Steuer und fährt in den Norden bis zum Lake Taupo. Die Nordinsel Neuseelands liegt zur Hälfte auf der australischen und zur Hälfte auf der pazifischen Kontinentalplatte und dort, wo sich die Platten treffen gibt es viele seismische Aktivitäten. In der Gegend gibt es einige Vulkane und heißes Wasser kommt an zahlreichen Stellen aus dem Boden. Nach dem Halbmarathon habe ich natürlich ein großes Interesse an einem entspannenden Thermalbad und wir werden in Tokaanu fündig.

Erst entspannen wir uns in dem Thermalbad und danach können die heißen Quellen während eines kleinen Spaziergangs in ihrer natürlichen Umgebung besichtigen. Direkt hinter Tokaanu finden wir einen schönen Parkplatz direkt am See, wo wir zudem auch noch kostenlos übernachten dürfen. Ideal!

Der Blick vom "Campingparkplatz" am Lake Taupo

Der Blick vom „Campingparkplatz“ am Lake Taupo

Tag 220: Taranaki Falls

Der Blick auf den "Schicksalsberg" bleibt uns verwehrt

Der Blick auf den „Schicksalsberg“ bleibt uns verwehrt

Wir erwachen gut erholt und selbst vom erwarteten Muskelkater ist wenig zu spüren. Wir fahren wieder etwas in den Süden, wo sich der Tongariro National Park befindet. Hier befinden sich drei aktive Vulkane und zahlreiche Wanderwege. Der Mount Ruapehu ist mit 2797 der Höchste, der Mount Ngauruhoe, besser bekannt als „Schicksalsberg“ aus „Der Herr der Ringe“ aber wesentlich bekannter. Einer der weltweit spektakulärsten Wanderwege, das „Tongariro Alpine Crossing“, verläuft direkt am Schicksalsberg vorbei und soll durch atemberaubende Vulkanlandschaften führen. Die Wanderung soll aber 7 Stunden dauern und dafür ist es heute Erstens zu spät, Zweitens brauche ich noch ein bisschen Erholung, Drittens müsste man einen Shuttle organisieren und Viertens ist es sehr bewölkt.

Oberhalb des Taranaki Falls ist die Aussicht gut

Oberhalb des Taranaki Falls ist die Aussicht gut

Wir entscheiden uns für eine kurze Wanderung zu den Taranaki Falls und hoffen dabei einen Blick auf dem berühmten Berg zu werfen. Obwohl es sehr bewölkt ist, ist die Wanderung sehr schön. Die Taranaki Falls sind spektakulär und stürzen an einer Felswand herunter. Besonders ist, dass man sogar hinter die Wasserfälle laufen kann und dabei noch nicht einmal nass wird. Auch von oben ist der Wasserfall und das Umland sehr schön. Einzig unser berühmter Schicksalsberg (der nicht nur wegen dem Film, sondern auch wegen seiner einzigartig spitzen vulkanischen Form toll aussehen soll) hat offensichtlich Lampenfieber und versteckt sich hinter einer dicken Wolkenschicht.

Die Taranaki Falls (und ich, links danaeben)

Die Taranaki Falls (und ich, links danaeben)

"The Edge of Lava" - Bis hierher reichte der Lavastrom beim letzten großen Ausbruch

„The Edge of Lava“ – Bis hierher reichte der Lavastrom beim letzten großen Ausbruch

Auf dem Rückweg sehen wir noch die „Edge of Lava“. Bis hierher floss die Lava beim letzten Ausbruch und hat eigenartig geformte Felsen hinterlassen. Kurz hinter diesem schicken Fotomotiv treffen wir zwei Wanderer wieder, die wir auch schon am Wasserfall gesehen hatten. Wie sich herausstellt, kommen die Beiden auch aus Deutschland und haben ganz ähnliche Pläne. Wir alle wollen einen Blick auf den Schicksalsberg erhaschen und eigentlich den berühmten Wanderweg „Tongariro Alpine Crossing“ gehen. Kurzerhand beschließen wir gemeinsam zum Touristencenter zu wandern und uns nach der Wettervorhersage und den möglichen Routen im Detail zu erkundigen.

Der freundliche Mann vom Informationscenter berät uns gut, zeigt uns einige Bilder und die Wettervorhersage verspricht Nebel, aber keinen Millimeter Regen. Damit festigt sich unser Plan und auch das Problem der Abholung vom Ende des Wanderwegs hat sich erledigt. Wir sind jetzt zu viert, haben zwei Autos und können einfach einen Wagen vor der Wanderung am Ziel abstellen. So sparen wir uns den Shuttle, der mit 35$/Person für die kurze Viertelstündige Strecke doch recht teuer ist. Kurz vor der Einstiegsstelle gibt es einen Campingplatz und der Abend mit B&B (Birte und Bastian) ist sehr unterhaltsam. Es regnet zwar leicht, aber wir sind guter Hoffnung und voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

Tag 221: Tongariro Alpine Crossing

Gute Laune trotz schlechtem Wetter

Gute Laune trotz schlechtem Wetter

Es hat fast die ganze Nacht geregnet, aber wir glauben immer noch fest an die Wettervorhersage. Vielleicht hängen die Regenwolken heute sehr tief und auf dem Berg ist es nicht mehr so schlimm. Nachdem wir unseren Campervan planmäßig am Ende des Tracks positioniert haben, fahren wir zur Einstiegsstelle. Wir sind bei Weitem nicht die einzigen und ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie voll es hier in der Hauptsaison und bei gutem Wetter ist. Wir starten bei leichtem Nieselregen und bester Laune. Weiter oben wird es bestimmt besser.

Im Regen durch die Vulkanlandschaft

Im Regen durch die Vulkanlandschaft

Der Regen nimmt immer weiter zu

Der Regen nimmt immer weiter zu

Trotz des bescheidenen Wetter ist die Wanderung ganz schön. Überall liegen bunte Lavasteine und die Berglandschaft erhebt sich um uns herum und verschwindet im Nebel. Umso höher wir kommen, desto stärker wird aber nicht nur der Regen, sondern auch der Wind. Während des Anstiegs überholen wir einige Schulklassen und eine Schülerin bringt uns mit ihrer Frage „Mögt ihr es hier? Ich find’s total beschissen!“ zum schmunzeln. Traumhafter Sonnenschein wäre uns auch lieber, aber auch so ist es ein interessantes Erlebnis.

Es ist nass, windig, kalt und wir können kaum was sehen

Es ist nass, windig, kalt und wir können kaum was sehen

Offensichtlich werden wir mit ein paar Hobbits verwechselt, denn irgendeine fiese dunkle Macht scheint verhindern zu wollen, dass wir dem Schicksalsberg zu nahe kommen. Mittlerweile peitschen uns Wind und Regen ins Gesicht und die gefühlte Temperatur bewegt sich Richtung Null. Schuhe, Hose und Gesicht sind klatschnass und die Regentropfen treffen uns wie kleine Stiche. Auf der Hochebene wird es immer schlimmer und wenig später haben wir auf dem steilen Bergpass so gut wie keine Deckung mehr. Bis auf kurze Motivationsrufe haben wir die Unterhaltungen vollkommen eingestellt und kämpfen uns den Berg hoch. Rechts und links verschwindet der Abhang im Nebel.

noch 3 Stunden...

noch 3 Stunden…

Nach einer knappen Stunde kommen wir durchnässt und durchgefroren am „Red Crater“ an. Das Wetter ist immer noch nicht besser und wir verfluchen den Wetterfrosch und seine Niederschlagsvorhersage von 0 mm. Wie kann man bitte so dermaßen daneben liegen?

Über einen steilen Hang gehen wir weiter und erreichen ein Highlight des Wanderwegs, die „Emerald Pools“. Die dampfenden Bergseen sind gelb/grün (so genau kann man das bei dem Sturm nicht erkennen) und Teil des grundsätzlich aktiven Vulkans. Mit fast abgefrorenen Händen machen wir ein paar Fotos und packen dann die immer nasser werdende Kamera schnell wieder weg.

Die "Emerald Pools" sind das Highlight und leuchten sonst in bunten Farben

Die „Emerald Pools“ sind das Highlight und leuchten sonst in bunten Farben

Nach einer weiteren Stunde haben wir es endlich geschafft. Wir sind noch nicht unten, aber Regen und Wind lassen endlich nach und wir können für einen Moment verweilen. In den letzten 4 Stunden haben wir noch keine einzige Pause gemacht. Die Tour war ganz schön heftig und wir sind verdammt froh, es endlich geschafft zu haben. Wie ist es wohl den Schülern ergangen, die schon geflucht haben, als es noch schön und harmlos war?!

Nass und durchgefrohren aber glücklich: Geschafft!

Nass und durchgefrohren aber glücklich: Geschafft!

Das letzte Stück der Wanderung ist nett und führt durch einen kleinen Regenwald. Nach insgesamt 20 Kilometern und 5:15 Stunden erreichen wir den Parkplatz auf der anderen Seite. Unser Auto wartet schon auf uns und wir können uns sofort umziehen und losfahren, während die anderen Touristen durchnässt auf den überteuerten Shuttle warten. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert 🙂

Einen weiteren Bericht zum Tongariro Alpine Crossing und ein paar Bilder ohne Regen gibt’s übrigens auf der Seite vom Bergzeit Magazin.

Nachdem wir das andere Auto wieder eingesammelt haben, fahren wir gemeinsam bis zum Lake Taupo, wo wir uns im Top 10 Holiday Park einquartieren. Der Park hat einen heißen Pool und heiße Duschen und am Abend können wir schon über die extrem feuchte Wanderung lachen. Schönwetterwandern kann doch jeder!